Von der Depoteröffnung bis zum Handel mit der ersten Aktie: ECOreporter erklärt den Einstieg in die Welt der grünen Investments. / Foto: Pixabay

  Aktientipps, Aktien-Favoriten

Aller Anfang ist (nicht) schwer: Ein ECOreporter-Ratgeber zum Start in die nachhaltige Geldanlage

Aktien, Fonds, ETFs: Empfehlungen zu Finanzprodukten gibt es viele – auch von ECOreporter. Doch für manche Anlegerin und manchen Anleger in spe beginnen die Fragen schon viel früher: Wo eröffne ich ein Depot? Was kostet das für Gebühren? Wie ist das mit der Steuer? Daher im Folgenden ein ECOreporter-Ratgeber für Einsteigerinnen und Einsteiger.

Das Depot

Um ein Finanzprodukt, etwa eine Aktie zu kaufen, brauchen Sie zunächst ein Depot, in dem diese Aktie „aufbewahrt“ werden kann. Hier gibt es mehrere Optionen:

  • Filialbanken (etwa Sparkassen, Volksbanken usw.)
  • Direktbanken (etwa ING, DKB u.a.)
  • Online- bzw. Neo-Broker (etwa Trade Republic, E-Toro u.a.)

Die Filialbank ist die klassische Hausbank, bei der Sie vielleicht auch Ihr Girokonto haben. Hier können Sie sich persönlich mit einem Anlageberater zusammensetzen und sich Produkte empfehlen lassen sowie den Kauf und Verkauf von Produkten in die Hände des Personals geben. Filialbanken bieten als Einzige die Möglichkeit, ein Depot „offline“ zu führen, also nur schriftlich und über persönlichen Kontakt.

Ein Depot kostet hier Gebühren, die je nach Bank sehr unterschiedlich ausfallen können, mal fix sind und mal wertabhängig. Für den Kaufauftrag beispielsweise einer Aktie wird eine Orderprovision fällig, typischerweise 1 Prozent vom Umsatz des Auftrags, und eine Mindestgebühr. Hinzu kommen oft Zusatzentgelte, etwa für sogenannte „Limit Orders“, bei denen der Auftrag zum Kauf oder Verkauf einer Aktie erteilt wird, wenn sie einen bestimmten Preis erreicht hat.

ECOreporter vergleicht regelmäßig die Depotkosten bei nachhaltigen Banken, Die aktuelle Übersicht finden Sie hier.

Eine Direktbank ähnelt einer „klassischen“ Bank, nur ohne Filialen – allerdings mit Service per Internet oder Telefon. Auch Direktbanken bieten etwa Girokonten und Kreditkarten an. Allerdings kosten Depots hier in der Regel keine laufende Verwahrgebühr, und die Orderprovisionen sind deutlich günstiger. In der Regel sind Limit Orders zudem kostenlos. Bankgeschäfte werden online und auch per App abgewickelt.

Bei einem Online- oder Neobroker entfallen nicht nur die Depotgebühren, sondern auch die Orderprovision in aller Regel komplett. Teils hängt das allerdings auch davon ab, welche Summe Sie anlegen.

Dafür werden keine weiteren Bankgeschäfte angeboten, und Kommunikation mit dem Anbieter ist praktisch nicht möglich. Hinzu kommen ein oft eingeschränkter Zugang zu Handelsplätzen (etwa nur zur Börse Frankfurt) und eine reduzierte Produktauswahl. Bei Neobrokern findet das Geschäft online statt, meist werben sie auch offensiv mit dem „einfachen Handel“ per Smartphone-App.


Depoteröffnung und Aktienhandel sind heute auch problemlos komplett per Smartphone möglich. / Foto: Pixabay

Sowohl für Direktbanken als auch für Online-Broker gilt: Da es keine Filialen gibt, können auch Depots natürlich nur online eröffnet werden. Hierfür müssen Sie ihre Identität nachweisen. Dies kann per Video-Ident-Verfahren geschehen, bei dem Sie sich mit Ihrem Personalausweis oder Reisepass vor eine Webcam setzen. Oder per Post-Ident persönlich in einer Filiale der Deutschen Post.

Der erste Kauf

Wenn Sie sich entschieden haben, Ihr Depot selbst zu verwalten, folgt irgendwann der nächste Schritt: Der Kauf der ersten eigenen Aktie, eines ETFs oder eines Fonds.

Der Einfachheit halber gehen wir im Folgenden vom Beispiel einer Aktie aus: Nach dem Einloggen in Ihr Onlinedepot können Sie meist über eine Suchfunktion die Aktie Ihrer Wahl finden. Hier empfiehlt es sich, nicht den Namen, sondern – wenn bekannt – die Wertpapierkennnummer (WKN) oder Internationale Wertpapierkennnummer (ISIN) der Aktie als Suchbegriff zu verwenden. Manche Aktien gibt es nämlich in mehreren Versionen, etwa als Vorzugs- oder Stammaktie.

Haben Sie die gewünschte Aktie gefunden, sollten Sie sich zum Preisvergleich alle Inlandsbörsen und Direkthändler anzeigen lassen, bei denen der Handel der Aktie möglich ist. Sie sehen dann eine Auswahlliste inklusive der fälligen „Handelsplatzgebühr“. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Gebühr der jeweiligen Börse, sondern um eine Gebühr des Depotanbieters für den Handel an der jeweiligen Börse. Es gibt Depotanbieter, bei denen ist der Handel an bestimmten Handelsplätzen gebührenfrei.

Wollen Sie sich vorab, etwa über ein Börsenportal, über den Preis einer Aktie informieren, beachten Sie bitte: Maßgeblich für den Kauf einer Aktie ist der sogenannte „Briefkurs“. Das ist der Kurs, zu dem ein Makler eine Aktie anbietet. Beim Verkauf entscheidend ist der „Geldkurs“. Der Briefkurs ist dabei immer höher als der Geldkurs, diese Differenz ist der sogenannte „Spread“.

Teils werden auch durch die Börse selbst noch Gebühren fällig – in diesem Fall sehen Sie neben der Handelsplatzgebühr den Hinweis „+ Courtage“. Dabei handelt es sich um die Vermittlungsgebühr, die ein Makler für die Abwicklung des Auftrags erhält. Wie hoch die Courtage ist, müssen Sie bei der Börse selbst in Erfahrung bringen. Unter Umständen kann die Courtage aber auch entfallen, selbst wenn der Broker sie anzeigt. So wird an manchen Börsen etwa beim Handel von DAX-Aktien keine Courtage erhoben.

Haben Sie sich für einen Handelsplatz entschieden, können Sie weitere Einstellungen vornehmen, die für Ihren Kauf wichtig sind. Mit der Stückzahl legen Sie fest, wie viele Aktien Sie kaufen möchten. Weniger selbsterklärend sind die Angabe eines Limits und die Festlegung eines Zeitraums der Ordergültigkeit, „Order gültig bis“.


Auch die Auswahl des Handelsplatzes hat Einfluss auf den Preis einer Aktie. / Foto: Pixabay

Beim Limit ist es etwa möglich, die Option „Billigst“ zu wählen. Die Aktien werden dann zum geringstmöglichen Kurs gekauft. Es ist aber auch möglich, eine Preisobergrenze einzustellen, bis zu der der Auftrag ausgeführt werden kann. Lesen Sie zu Order-Limits und anderen nützlichen Hinweisen auch unsere 5 Tipps für mehr Sicherheit im nachhaltigen Aktiendepot.

Mit der Option „Order gültig bis“ legen Sie fest, bis wann die Kauforder gültig sein soll – etwas bis zum Monatsende oder nur am selben Tag. Das kann entscheidend dafür sein, dass eine Order überhaupt zustande kommt. Denn Aktien werden gehandelt. Und um eine bestimmte Menge Aktien kaufen zu können, muss diese Menge Aktien am Markt angeboten werden – und je nachdem, welche Orderzusätze Sie festgelegt haben, auch noch zu einem entsprechenden Preis. Ist der Zeitraum zu eng gewählt, etwa mit einer Order, die nur einen Tag gültig ist, kann es sein, dass diese bei nur wenig gehandelten Aktien nicht ausführbar ist.

Noch ein kleiner Tipp: Handeln Sie während der Öffnungszeiten der Börse Xetra, also zwischen 9:00 und 17:30 Uhr. Dann schwanken die Kurse nicht so stark wie ganz früh und ganz spät am Tag. Beachten Sie zur Risikominimierung außerdem unser Dossier Nachhaltig investieren in Krisenzeiten: Das sollten Anlegerinnen und Anleger beachten.

Wichtig: Haben Sie die Einstellungen getätigt und übernommen, kontrollieren Sie den Auftrag noch einmal gründlich, bevor Sie die Freigabe erteilen! Stimmen bei der Aktie Name, ISIN und WKN? Sind die Stückzahl und der Börsenplatz korrekt? Wurden Limit und Ordergültigkeit richtig ausgewählt? Diese Mahnung mag müßig erscheinen. Aber: Erteilen Sie die Freigabe, ist ein Auftrag binnen Sekundenbruchteilen ausgeführt, ohne Möglichkeit, ihn rückgängig zu machen. Eine Aktienorder ist keine Überweisung!

Der Freistellungsauftrag

Zu guter Letzt bleibt noch die Frage, wie Sie Kapitalerträge ohne Abzug von Abgeltungssteuer erhalten. Kapitalerträge: Das sind Zinsen, Ausschüttungen von Fonds und ETFs, Dividenden und realisierte Kursgewinne aus Wertpapiergeschäften. 

Insgesamt darf jeder Sparer 801 Euro an Kapitalerträgen pro Jahr freistellen, Ehegatten gemeinsam 1.602 Euro. Das ist der sogenannte Sparerpauschbetrag. Kapitalerträge von Kindern werden nicht in den Sparerpauschbetrag der Eltern eingerechnet. Für die Konten von Minderjährigen können Eltern aber jeweils einen gesonderten Freistellungsauftrag bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von 801 Euro stellen.

Gibt es keinen Freistellungsauftrag, führt das Kreditinstitut von den Kapitalerträgen 25 Prozent Abgeltungssteuer plus gegebenenfalls Kirchensteuer automatisch an das Finanzamt ab. Um unnötige Steuerabzüge zu vermeiden, sollten Sie also darauf achten, rechtzeitig einen Freistellungsauftrag zu erteilen.


Ein richtig eingesetzter Freistellungsauftrag spart Steuern. / Foto: Pixabay

Zu viel gezahlte Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge, die den Sparerpauschbetrag nicht überschritten haben, können Sie sich zwar auch über die Steuererklärung zurückerstatten lassen. Der Freistellungsauftrag erspart hier aber den Stress, und das Geld bleibt von vornherein bei Ihnen.

Es reicht, wenn pro Finanzinstitut ein Freistellungsauftrag erteilt wird, eine Unterteilung von Konto und Depot ist nicht (mehr) notwendig. Was aber, wenn das Konto und das Depot bei unterschiedlichen Finanzinstituten sind? Kein Problem: Sie können den Sparerpauschbetrag aufteilen und die Teilbeträge auf die Freistellungsaufträge bei den einzelnen Banken verteilen. 

Aber Achtung: Zusammengerechnet dürfen alle Freistellungsaufträge 801 Euro pro Sparer (Ehepaare: 1.602 Euro) nicht überschreiten. Das ist wichtig, denn die Finanzverwaltung gleicht die Daten ab und filtert überhöhte Freistellungsaufträge heraus. Diese stellen eine Verletzung des Steuerrechts dar – im Wiederholungsfall kann eine Ordnungsstrafe fällig werden.

Freistellungsaufträge können vor Beginn und während des jeweiligen Jahres beliebig oft geändert werden, nicht aber für zurückliegende Jahre. Stichtag für die letzte Berücksichtigung von Änderungen ist der letzte Bankarbeitstag, üblicherweise der 28. Dezember. Und natürlich gilt: Sind die Kapitalerträge höher als der Sparerpauschbetrag, müssen Steuern gezahlt werden.

Weitere Orientierung für den Start in das Leben als nachhaltige Anlegerin oder Anleger liefert das ECOreporter-Dossier Nachhaltige Geldanlage: So einfach investieren Sie grün!

Lohnenswerte Produkte für ein nachhaltiges Depot empfiehlt die Redaktion regelmäßig, beispielsweise mit der Übersicht Grüne Fonds: Bis 324 % Plus in 5 Jahren. Unter den ECOreporter-Favoriten-Aktien sind für Börsenneulinge besonders Unternehmen aus den Kategorien der Dividendenkönige und der nachhaltigen Mittelklasse interessant. Regelmäßig analysiert die Redaktion hier, wo sich der Einstieg lohnen kann.

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anmerkungen? Zögern Sie nicht und schreiben Sie uns unter info@ecoreporter.de.

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