Die EnergieZins-Anleihe 2025 des Windkraftunternehmens Enertrag gehört zu den nachhaltigen Anleihen, die ECOreporter ausführlich getestet hat. / Foto: Enertrag

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46 richtig nachhaltige Anleihen mit bis zu 8 % Zins – wo bietet sich ein Kauf an?

Weltweit steigen die Zinsen - dadurch werden niedrig verzinste Anleihen unattraktiver und verlieren an Wert. Wo kann sich aktuell der Einstieg lohnen? Was sind die Anleihen der insolventen Unternehmen Green City und Deutsche Lichtmiete noch wert?  ECOreporter hat 46 grüne börsennotierte Unternehmensanleihen untersucht, mit denen etwa Wind- und Solarparks, vegane Lebensmittel, Immobilien und Bildungsangebote finanziert werden.

Anleihen waren in der Corona-Krise lange ein Fels in der Brandung. Selbst während des spektakulären Börsencrashs im März 2020 gingen die Kurse nur leicht zurück. Doch seit Notenbanken weltweit die Leitzinsen anheben und die Inflation stark anzieht, sind Anleihen unter Druck geraten. Denn sie schütten feste Zinsen aus – ohne Inflationsausgleich –, und vor allem niedrig verzinste ältere Staatsanleihen werden zunehmend unattraktiver, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt. Dazu kommt die weiterhin angespannte Weltwirtschaftslage. Die großen weltweiten Anleiheindizes haben in den letzten Monaten so stark an Wert verloren wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Bloomberg Global-Aggregate Total Return etwa hat seit Jahresanfang fast 20 Prozent abgegeben (Stand 10.10.2022). Für den normalerweise wenig schwankungsanfälligen Anleihemarkt ist das sehr viel.

Doch wenn Anleihekurse sinken, ist das nicht unbedingt ein schlechtes Signal für Anlegerinnen und Anleger. Denn Anleihen sind Darlehen, die Investoren einem Unternehmen oder einem Staat gewähren und, wenn keine schwerwiegenden Probleme auftreten, nach Laufzeitende zum Nominalwert zurückerhalten (der Nominalwert entspricht einem Kurswert von 100 Prozent). Dazu kommen die meist jährlich ausgezahlten Zinsen. Verluste machen Anlegerinnen und Anleger nur, wenn die Darlehensnehmer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können oder Anleihen vorzeitig zu einem niedrigen Kurs verkauft werden müssen. Deshalb eignen sich Anleihen vor allem für langfristig orientierte Investoren.


Der Green Bond des Erneuerbare-Energien-Unternehmens hep ist im Kurs stabil. / Foto: hep

Zins ist nicht gleich Rendite

Bei Anleihen sind Zinsen nicht mit Rendite gleichzusetzen. Denn der Zins einer Anleihe bezieht sich immer auf den Nominalwert. Der reale Kurswert kann höher oder niedriger sein, und dann unterscheidet sich die Rendite der Anlegerinnen und Anleger vom Nominalzins.

Ein Beispiel: Eine Anleihe hat einen Nominalzins von 6 Prozent. Kaufen Sie die Anleihe bei einem Kurswert von 90 Prozent, wirft die Anleihe für Sie fast 6,7 Prozent Rendite pro Jahr ab. Und wenn Sie die Anleihe bis zum Laufzeitende halten, bekommen Sie im Regelfall ihren vollen Nominalwert (100 Prozent) ausgezahlt – macht noch mal ein Plus von 10 Prozent.

Niedrige Anleihekurse eröffnen also Renditechancen. Dem stehen aber auch höhere Risiken gegenüber. Denn Kurse von Anleihen fallen, wenn viele Anlegerinnen und Anleger sie verkaufen, beispielsweise weil sie befürchten, dass ein Unternehmen vor dem Rückzahlungstermin seiner Anleihe insolvent gehen könnte – in Krisenzeiten steigt die Pleitegefahr vor allem für junge, noch nicht profitable Unternehmen, die auf hohe Kredite angewiesen sind. Auch bei Firmen, die derzeit alte Anleihen durch neue ablösen müssen, kann es vermehrt zu finanziellen Engpässen kommen, weil sie für die neuen Anleihen deutlich höhere Zinsen zahlen müssen.

Wer momentan bei Anleihekursen von unter 90 Prozent einsteigen möchte, sollte genau hinsehen, wie das jeweilige Unternehmen wirtschaftlich dasteht. Im Fall einer Pleite droht der Totalverlust des investierten Kapitals. Aktuell etwa bei der Deutschen Lichtmiete. Der Konzern ist insolvent, die Kurse seiner börsennotierten Anleihen sind auf einen Bruchteil ihres Nominalwertes eingebrochen (siehe Tabelle im Premium-Bereich).


Bei der Deutschen Lichtmiete sind die Lichter zwischenzeitlich ausgegangen, Investoren müssen mit hohen Verlusten rechnen. / Foto: Unternehmen

Die ECOreporter-Redaktion berichtet darüber, wenn sie bei Anleiheunternehmen Probleme sieht – im Idealfall, bevor die Kurse in den Keller gehen. Bei der insolventen (und mittlerweile zu großen Teilen verkauften) Green City-Unternehmensgruppe stellte die Redaktion beispielsweise bereits im Juli 2021 die Frage: Müssen sich Anleger Sorgen machen? Von einem Einstieg in die Deutsche Lichtmiete EnergieEffizienzAnleihe 2027 riet ECOreporter im Januar 2021 in einem ECOanlagecheck ab.

Die meisten nachhaltigen Anleihen, die im Premium-Bereich aufgeführt sind, haben in den letzten Monaten kaum an Wert verloren. Viele notieren derzeit in der Nähe ihres Nominalkurses, was für gewöhnlich auf eine solide Entwicklung der jeweiligen Unternehmen hindeutet. Ein weiterer Grund für die stabilen Kurse sind die Zinsen, die meist höher liegen als bei Staatsanleihen oder Anleihen großer Konzerne und selbst in Zeiten hoher Inflation noch attraktiv sind. Dafür ist das Risiko natürlich auch höher.

In einer umfangreichen Tabelle finden Sie Angaben zum aktuellen Kurs, zu den Zinskonditionen und Laufzeiten sowie Links zu ausführlichen ECOreporter-Analysen der einzelnen Anleihen. Und wir sagen Ihnen, welche Anleihen wir aktuell als besonders attraktiv einschätzen.

So kaufen Sie Anleihen

Anlegerinnen und Anleger brauchen ein Depot bei ihrer Bank, um Anleihen zu kaufen, die bereits an der Börse notiert sind. Neue Anleihen können oft direkt beim herausgebenden Unternehmen gezeichnet werden. Der Börsenhandel der von ECOreporter analysierten, relativ kleinen nachhaltigen Anleihen ist allerdings nicht zu vergleichen mit dem Handel beispielsweise einer Aktie eines Großkonzerns: Die ist Sekunden nach der Order verkauft. Bei einer Mittelstandsanleihe kann es durchaus einige Tage, auch mal zwei Wochen bis zum Verkauf dauern. Da heißt es: Geduld haben. Und kaufen Sie mit Limit-Order. Dadurch begrenzen Sie das Risiko, bei zu hohen Kursen einzusteigen.

Anleihen abseits der Börse

Auch einige nicht börsennotierte nachhaltige Anleihen sind nach ihrer Platzierung öffentlich handelbar. Beispielsweise die 3,25%-Anleihe des Ökostromanbieters Naturstrom aus Düsseldorf (ECOreporter-Analyse) und die Anleihen der UmweltProjekt AG, einer auf Immobilien und Grünstromprojekte spezialisierten Tochter der Nürnberger UmweltBank (ECOreporter-Analyse). Diese Anleihen können über die UmweltBank gekauft und veräußert werden. Anlegerinnen und Anleger benötigen dazu allerdings ein Wertpapierdepot bei der Bank.

Bei diesen Anleihen kann sich der Einstieg weiterhin lohnen

Enertrag EnergieZins 2025

Diese Anleihe des Windkraftunternehmens Enertrag aus Brandenburg bietet 5,25 Prozent Zinsen pro Jahr. Das Anleihekapital investiert Enertrag vor allem in deutsche und französische Windenergie-Projekte. Die Anleihe notiert derzeit im gettex-Handel bei 101,50 Prozent, also über ihrem Nominalwert (Stand 10.10.2022, weitere Daten siehe Tabelle unten im Premium-Bereich). Das Handelsvolumen ist sehr gering, manchmal finden wochenlang keine Transaktionen statt. Wer die Anleihe besitzt, hält in der Regel langfristig an ihr fest.

"Die Emittentin Enertrag EnergieZins GmbH hat eine einwandfreie Leistungsbilanz. Ihre Muttergesellschaft Enertrag AG verfügt grundsätzlich über die Erfahrungen und Kompetenzen, um auch unter veränderten Rahmenbedingungen erfolgreich am Markt agieren (…) zu können. Unter Berücksichtigung des Risikoprofils ist die Verzinsung der Anleihe angemessen.“ An der Börse wird die Anleihe auch unter der Bezeichnung "Enertrag EnergieZins 16/26 auf Festzins“ geführt. Es handelt sich aber um dieselbe Anleihe. Positiv bewertet ECOreporter auch die etwas niedriger verzinsten EnergieZins-Anleihen 18/27 und 18/37.

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