Eigentlich wollte BlackRock mit neuen Anlagerichtlinien zum Klimaschutz beitragen. Eigentlich ... / Foto: Fotolia, Imaginis

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BlackRock und der angebliche Kohleausstieg – die Fakten machen traurig

Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock hatte versprochen, ab Anfang 2020 sein Geld klimafreundlicher anzulegen. Die Umweltschutzorganisation urgewald und die französische Nichtregierungsorganisation Reclaim Finance haben die Investitionsrichtlinien und Portfolien von BlackRock analysiert.

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Das Ergebnis: Demzufolge ist der US-Konzern weiterhin mit mindestens 85 Milliarden US-Dollar in fast 200 Kohleunternehmen investiert. Davon steckten mindestens 24 Milliarden US-Dollar in Firmen, die den Bau neuer Kohlekraftwerke planen, beispielsweise Sumitomo aus Japan und Kepco aus Südkorea. Dies sei möglich, weil BlackRocks Ausschlusskriterien nur 17 Prozent der globalen Kohleindustrie beträfen.

Laut urgewald investiert BlackRock weiterhin auch in Betreiber von Kohlekraftwerken, die aus ihrer selbst geförderten Kohle Strom produzieren. Geld von BlackRock stecke beispielsweise weiterhin in dem indischen Konzern Adani und den europäischen Kohleriesen RWE und Polska Grupa Energetyczna (PGE).

BlackRock schließt zudem Bergbaukonzerne nur aus, wenn sie mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit Kohle erzielen. Das hört sich engagiert an, aber wenn man Weltmarktführer wie Glencore oder BHP betrachtet, wird schnell klar: Auch wenn sie weniger als ein Viertel ihres Umsatzes mit Kohle erwirtschaften und daher für BlackRock investierbar sind – die Menge an Kohle, mit der sie das Klima belasten, ist gewaltig. Es sind viele Millionen Tonnen pro Jahr!

Für ETFs gelten die BlackRock-Richtlinien nicht

Nach Angaben von urgewald gelten die löchrigen Anlagerichtlinien nicht einmal für alle Geldanlagen von BlackRock, sondern nur für „aktiv gemanagte“ Finanzprodukte. Also beispielsweise für Fonds. Die machten aber lediglich ein Drittel des verwalteten Vermögens bei BlackRock aus. Die besonders beliebten “passiven Produkte“, beispielsweise die iShares-ETFs, seien von den Richtlinien ausgenommen.

urgewald kritisiert außerdem, dass BlackRock Öl-Firmen nicht grundsätzlich ausschließe und weiterhin in Unternehmen wie ExxonMobil, Chevron, Shell oder Total investiert sei.

„Ein Jahr nach der Ankündigung von Vorstandschef Larry Fink, Nachhaltigkeit zum Fokus des Geschäftsmodells zu machen, droht das Versprechen des Investmentriesen nach kaum mehr als reinem Greenwashing auszusehen“, sagt Lara Cuvelier von Reclaim Finance. Ihr Appell an Fink: „Nachdem 2020 das heißeste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnung war, ist das absolut Mindeste, was BlackRock jetzt tun muss, endlich ein für alle Mal aus der Kohle auszusteigen.“

BlackRock bezieht Stellung

ECOreporter hat BlackRock um eine Stellungnahme zu der urgewald-Analyse gebeten. Der Konzern schickte daraufhin ein Schreiben, in dem es unter anderem heißt: „Der Großteil unserer Beteiligungs-Investments erfolgt über Indexfonds und ETFs, die die Indizes anderer Anbieter abbilden. (…) Als Vermögensverwalter kann BlackRock nicht ein Unternehmen gegen ein anderes austauschen oder Unternehmen aus Indizes ausschließen.“

Stattdessen versuche man, über Engagement-Aktivitäten auf nachhaltigkeitsschwache Firmen einzuwirken: „Wir engagieren uns bei Unternehmen, in die wir für unsere Kunden investieren, und fordern sie auf, einen Plan offenzulegen, wie ihr Geschäftsmodell mit dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft vereinbar sein wird. Wo wir keine ausreichenden Fortschritte sehen, nutzen wir unser Stimmrecht: So haben wir zum Beispiel bei Uniper, Fortum, CEZ und PGE gegen Aufsichtsräte gestimmt und den Gegenantrag der Aktionäre bei AGL Energy unterstützt."

urgewald zufolge stimmte BlackRock allerdings im letzten Jahr gegen 88 Prozent der Klimaresolutionen, die auf Hauptversammlungen investierter Unternehmen vorgebracht wurden. Mit anderen Worten: BlackRock wandte sich sogar gegen die Beschlüsse für mehr Klimaschutz! BlackRock widerspricht dieser Behauptung in seiner Stellungnahme nicht.

urgewald hatte die neuen Anlagerichtlinien des Konzerns bereits kurz nach Erscheinen im Januar 2020 kritisiert und konkrete Vorschläge für klimafreundlichere Ausschlusskriterien veröffentlicht.

Die Kritik von urgewald stimmt überein mit den Ergebnissen der ECOreporter-ETF-Tests. Denn die BlackRock-ETFs, vermarktet unter dem Namen iShares, haben unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten kaum überzeugt. Eine Liste aller ETF-Tests finden Sie hier.

Fazit: Der weltgrößte Vermögensverwalter versichert, er habe eine Nachhaltigkeitsstrategie und engagiere sich für den Klimaschutz. Wer näher hinschaut, sieht ein grünes Mäntelchen und nicht viel darunter.

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