Die Bohlsener Mühle stellt u.a. Bio-Müsli her. Das Unternehmen möchte weiter wachsen und dafür über die Crowd Kapital einwerben. / Foto: Bohlsener Mühle

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Bohlsener Mühle: Bis 10,5 % Zins – wie attraktiv ist das Crowd-Angebot?

Die Bohlsener Mühle verarbeitet und veredelt seit 1979 Bio-Getreide, beispielsweise zu Keksen und Müsli. Das Unternehmen aus der Lüneburger Heide will seine Produktionskapazitäten erweitern und bietet zur Finanzierung Nachrangdarlehen ab 1.000 Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren an. Der mögliche Zinssatz beträgt bis zu 10,5 Prozent pro Jahr. Wovon hängt die Höhe des Zinssatzes ab, und ist dieser angemessen?

1979 übernahm Volker Krause die Bohlsener Mühle von seinem Vater und stellte auf die Verarbeitung von ökologischen Rohstoffen um. Krause (Jahrgang 1952) ist alleiniger Kommanditist der Bohlsener Mühle GmbH & Co. KG, der Emittentin der Nachrangdarlehen. Er ist auch alleiniger Eigentümer der Komplementärin der Emittentin, der Bohlsener Mühle Verwaltungsgesellschaft mbH, und bildet zusammen mit Mathias Kollmann (Jahrgang 1969) deren Geschäftsführung.

Als Pionier im Bereich Bio-Getreide- und Mühlenprodukte sowie Backwaren sieht sich das Unternehmen nach eigenen Angaben dem ökologischen Landbau, der regionalen Entwicklung und dem Thema Nachhaltigkeit – auch über die Unternehmensgrenzen hinaus – verpflichtet.

Die Emittentin beschäftigt inzwischen rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Mühle, der Frischebäckerei und der Feinbäckerei. Die Bohlsener Mühle ist mit ihren Bio-Produkten, wie z.B. Mehlen, Flocken, Cerealien und Keksen, im Naturkostfachhandel und seit 2019 auch im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel vertreten. Das Unternehmen konnte 2020 seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf rund 58 Millionen Euro erhöhen.

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Kauf eines Unternehmens geplant


Volker Krause (l.) und Mathias Kollmann sind die Geschäftsführer der Bohlsener Mühle Verwaltungsgesellschaft mbH. / Foto: Unternehmen

Die Bohlsener Mühle plant laut Nachrangdarlehensangebots-Internetseite (kurz: Angebotsseite, Abruf: 29.1.2021) „Investitionen in eine vierte Backstraße, die ab 2022 dazu beitragen soll, die stark steigenden Nachfragen des konventionellen Lebensmitteleinzelhandels wie auch des Naturkostfachhandels nach hochwertigen Bio-Produkten besser decken zu können, sowie den Erwerb eines profitablen Unternehmens eines Bio-Pioniers. Deshalb würden die Mittel zum Zweck der Fortführung einer solchen Marke eingesetzt werden, wenn der Kauf des Unternehmens zustande kommt.“

Im Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB, Stand: 24.11.2020) wird der geplante Unternehmenskauf näher erläutert: „Mit den Einnahmen aus der Vermögensanlage soll der per Absichtserklärung (LOI) vereinbarte Kaufpreis von 5,5 Millionen Euro für den Erwerb von 100 Prozent der Vermögenswerte eines zum Verkauf stehenden, ebenfalls im Segment Premium Bio-Müllereiprodukte tätigen deutschen Unternehmens, das im Jahr 2016 einen Umsatz von über 5 Millionen Euro erzielt hat, seitdem kontinuierlich gewachsen ist und derzeit ca. 65 Mitarbeiter beschäftigt, auf Basis des maximalen Emissionsvolumens zu etwa 36 Prozent teilfinanziert werden.“ Das maximale Emissionsvolumen der angebotenen Nachrangdarlehen beträgt 1,999 Millionen Euro.

Umsatz deutlich erhöht

Die Emittentin Bohlsener Mühle GmbH & Co. KG hat laut Gewinn- und Verlustrechnung 2019 Umsatzerlöse von rund 48,3 Millionen Euro erwirtschaftet (2018: rund 42,8 Millionen Euro, 2017: rund 41,8 Millionen Euro). 2020 lag der Umsatz laut Angebotsseite bei rund 58 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss der Emittentin betrug für das Geschäftsjahr 2019 rund 610.000 Euro (2018: rund 90.000 Euro, 2017: rund 920.000 Euro).

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote der Emittentin beträgt Ende 2020 laut Angebotsseite 26,4 Prozent (2019: 21,7 Prozent). Die Bilanzsumme der Emittentin von rund 31 Millionen Euro (2019) setzt sich auf der Aktivseite hauptsächlich aus Sachanlagevermögen (20 Millionen Euro) und auf der Bilanz-Passivseite aus Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (rund 20,1 Millionen Euro) zusammen. Die Emittentin hat nach eigenen Angaben aufgrund der Investitionen in eine neue Produktionshalle und in die dritte Backstraße, die 2020 in Betrieb ging, in den letzten zwei Jahren mehr Fremdkapital aufgenommen.

Geldzins und Sachzins

Die Emittentin bietet zwei Varianten der Nachrangdarlehen an: „Geldzins“ und „Sachzins“. Beim Sachzins-Nachrangdarlehen wird der Zins in Form von Gutscheinen der Emittentin geleistet. Mit den Gutscheinen können Anlegerinnen und Anleger Produkte aus dem Sortiment der Bohlsener Mühle erwerben. Das ist laut VIB möglich in den Mühlenläden in Gerdau und Lüneburg sowie telefonisch, postalisch, per Fax oder per E-Mail und in einem Webshop der Bohlsener Mühle, der laut VIB im ersten Quartal 2021 starten soll.

Der maximal mögliche Zinssatz der Geldzins-Variante beträgt 7 Prozent pro Jahr. Anlegerinnen und Anleger, die die Sachzins-Variante wählen, erhalten 50 Prozent Aufschlag auf den Zins, sodass für sie ein jährlicher Zinssatz von maximal 10,5 Prozent – in Form von Gutscheinen – möglich ist.

Wie ergibt sich der Zinssatz?


Backstraße der Bohlsener Mühle. / Foto: Unternehmen

Die Vermittlung der Nachrangdarlehen erfolgt über die Internet-Plattform Finnest. Die Mindestzeichnung beträgt 1.000 Euro plus eine Vergütung an die Plattform. Diese beträgt einmalig 1 Prozent des Nachrangdarlehensbetrages, mindestens jedoch 25 Euro.

Auf der Plattform Finnest legen interessierte Anlegerinnen und Anleger ihre Investitionssumme fest und geben einen persönlichen Wunschzinssatz an. Nach Ablauf der Angebotsphase am 9. März 2021 (laut Angebotsseite) wählt die Emittentin Nachrangdarlehensgebote aus, die in Summe maximal das Emissionsvolumen erreichen. Das Höchstgebot für den Zinssatz in der ausgewählten Gruppe von Geboten wird dann als einheitlicher Zinssatz für sämtliche angenommenen Nachrangdarlehensgebote festgelegt. Beispiel: Falls das ausgewählte Höchstgebot 5,0 Prozent Zins beträgt, erhalten diesen Zinssatz auch Anlegerinnen und Anleger, die nur 4,0 Prozent Zins geboten hatten.

Die Laufzeit der Nachrangdarlehen endet am 31. Januar 2026. Die Emittentin ist laut VIB berechtigt, die Nachrangdarlehen zum 31. Januar 2023 vorzeitig in Höhe der Hälfte des Nachrangdarlehensbetrages zurückzuzahlen. Bei vorzeitiger Rückzahlung fallen Zinsen auf den Rückzahlungsbetrag nur bis zum Zeitpunkt der Rückzahlung an.

Risiken

Bei der Vermögensanlage handelt es sich um Nachrangdarlehen mit einem qualifizierten Rangrücktritt, die nicht besichert sind. Die Emittentin ist laut Jahresabschluss 2019 überwiegend mit Bankdarlehen finanziert, die besichert sind und gegenüber den Nachrangdarlehen vorrangig zu bedienen sind.

Die Rückzahlung des Nachrangdarlehensbetrages und die Leistung von Zinsen hängen vom wirtschaftlichen Erfolg der Emittentin ab. Sie erfolgen nur, wenn die Emittentin ausreichend Liquidität für die Rückzahlung des Nachrangdarlehensbetrages und die Leistung von Zinsen an die Anlegerinnen und Anleger erwirtschaftet. Maßgebliche Faktoren für die Aussichten auf Zins- und Rückzahlung sind laut VIB die Entwicklung des Marktes für Bio-Lebensmittel, insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sowie die Stellung der Emittentin auf diesem Markt. Der Markt wächst seit mehreren Jahren, ist aber zunehmend umkämpft, da Hersteller von Produkten aus konventionellem Anbau inzwischen auch vermehrt Bio-Lebensmittel anbieten. Es besteht das Risiko, dass die Emittentin ihren Absatz nicht in dem Umfang steigern kann, dass sich die Investitionen beispielsweise in eine vierte Backstraße rentieren.

Eine Stärke der Bohlsener Mühle liegt in ihrer regionalen Rohstoffbeschaffung. Es besteht aber grundsätzlich das Risiko von schlechten Erntejahren in der Region oder deutschlandweit, die sich auf die Versorgung der Emittentin mit qualitativ hochwertigen Rohstoffen negativ auswirken können und/oder zu höheren Einkaufspreisen führen können. Zudem gibt es bei der Emittentin unter anderem ein Schlüsselpersonen-Risiko.

Die Anlegerinnen und Anleger tragen das Ausfallrisiko der Emittentin. Die Forderungen aus den Nachrangdarlehen können je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Emittentin ganz oder teilweise ausfallen.

Fazit

Die Bohlsener Mühle ist als Pionier für Bio-Getreide- und Mühlenprodukte sowie Backwaren gut im Naturkostfachhandel positioniert. Auch der Verkauf ihrer Bio-Produkte im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel lief erfolgreich an, sodass der Absatz derzeit durch die bestehenden Produktionskapazitäten begrenzt wird. Der Ausbau der Kapazitäten ist daher wirtschaftlich sinnvoll.

Für Anlegerinnen und Anleger bieten die Nachrangdarlehen bei einem jährlichen Zins von 7 Prozent (Geldzins-Variante) bzw. 10,5 Prozent (Sachwert-Variante) ein attraktives Investment. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass auch aufgrund der Positionierung des Unternehmens und der Marke Bohlsener Mühle der Zinssatz, der von der Emittentin als Höchstgebot noch angenommen wird, deutlich unter 7 Prozent liegen wird. Aber auch ein möglicher Zinssatz von um die 4 Prozent in Geld – ergibt 6 Prozent in Gutscheinen – könnte noch als angemessen gelten.

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