Leeres Stadion im französischen Lille. Corona hat vieles verändert, nicht nur für Fußballvereine sind die Zukunftsaussichten unklar. Wie in vergangenen Krisen zahlt es sich aber auch jetzt oft aus, Geld nachhaltig anzulegen. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten, Anleihen / AIF, Finanzdienstleister, Fonds / ETF

Nachhaltig investieren in Corona-Zeiten: Das sollten Anlegerinnen und Anleger beachten

Auch wenn die Impfungen Anlass zur Hoffnung geben: Das Ende der Corona-Pandemie ist noch nicht in Sicht. Wie sich die Finanzmärkte in den nächsten Monaten entwickeln werden, ist unklar. Was heißt das für Besitzerinnen und Besitzer von grünen Aktien, Fonds und ETFs? Wie reagieren ethische Banken auf die Krise? In welchem Maß sind Investments in nachhaltige Anleihen, Mikrofinanzen, Nachrangdarlehen betroffen?

Die ECOreporter-Redaktion hat die wichtigsten Regeln für Krisenzeiten zusammengefasst. Für Anlegerinnen und Anleger, die schon investiert sind. Und für diejenigen, die nun überlegen, ob es ein besonders guter oder ein besonders mieser Zeitpunkt für neue nachhaltige Investments ist.

Grüne Aktien in Krisenzeiten?

Grundsätzlich spricht auch in der Corona-Krise nichts dagegen, in Aktien zu investieren. Allerdings sollten Sie dabei Folgendes beachten:

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
  • Falls es wieder wie im März 2020 zu einem Börsen-Crash konnten sollte: Verkaufen Sie keine Aktien, die wegen einer allgemeinen Börsenschwäche an Wert verloren haben. Die Kurse gut geführter Unternehmen haben sich bisher nach jedem Börsen-Abschwung schneller als erwartet wieder erholt – auch in der Corona-Krise ist dies bislang so, viele Aktien stehen Anfang März 2021 sogar deutlich besser da als vor einem Jahr.
  • Bei vielen Aktien besteht momentan eher die Gefahr, sie nach den Kurserholungen der letzten Monate zu teuer zu kaufen. Als Faustregel kann gelten: Ab einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 sind Aktien nicht mehr günstig und nur dann attraktiv, wenn die Wachstumsaussichten überdurchschnittlich gut sind. Wind- und Solaraktien sind beispielsweise trotz vergleichsweise hoher Verluste im Februar 2021 weiterhin überwiegend zu hoch bewertet. Bei Wasserstoffaktien schätzt ECOreporter die Gefahr einer Blasenbildung noch höher ein.
  • Verkaufen Sie keine Aktien, um später nach möglichen Kurseinbrüchen günstiger wieder einzusteigen. Dieses Pokerspiel funktioniert meist nicht. Denn niemand weiß, wann der ideale Zeitpunkt zum Wiedereinstieg ist. Ein extremes Beispiel dafür sind derzeit die Wetten auf Leerverkäufer-Lieblinge wie GameStop - ein Trend, der mittlerweile auch Grünstromaktien wie Encavis erfasst hat.
  • Investieren Sie ausschließlich in Unternehmen mit einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell. Eine Aktie nur deshalb zu kaufen, weil sie gerade billig ist oder weil sehr viele Anlegerinnen und Anleger sie kaufen, macht keinen Sinn. Unternehmen mit einem grünen Kerngeschäft haben sich auf lange Sicht oft besser entwickelt als Firmen mit einem weniger nachhaltigen Geschäftsmodell. Beispielsweise viele ECOreporter-Aktien-Favoriten der Kategorien Dividendenkönige, nachhaltige Mittelklasse und Grüne Spezialwerte.
  • Achten Sie darauf, dass Unternehmen nicht zu hoch verschuldet sind. Wer in Krisenzeiten teure Kredite bedienen muss, während die eigenen Umsätze zurückgehen, läuft Gefahr, zahlungsunfähig zu werden. ECOreporter hat sich die Verschuldungssituation seiner Aktien-Favoriten näher angesehen. Bei keinem der Unternehmen gibt es aktuell Anzeichen für eine Überschuldung.
  • Viele Leserinnen und Leser von ECOreporter sind mit ihren Investments auch nach den Kursturbulenzen der letzten Monate noch deutlich im Plus. Verständlich, wenn jemand sich sagt: „Ehe der nächste große Crash kommt, realisiere ich jetzt meinen Gewinn!“ Unser Rat dazu: Kalkulieren Sie die Quellensteuer ein. 25 Prozent des Gewinns behält in der Regel das Finanzamt. Ist es da nicht besser, die Aktien weiterhin zu halten? Auf lange Sicht haben sich Aktien-Investments bislang immer rentiert – auch wenn es zwischenzeitlich an den Börsen bergab ging.
  • Wenn Sie neu in eine Aktie investieren: Teilen Sie die Summe, die Sie in eine bestimmte Aktie investieren wollen, in drei bis fünf Teile auf und verteilen Sie ihre Kaufzeitpunkte über mehrere Wochen. So verringern Sie das Risiko, bei zu hohen Kursen einzusteigen.
  • Streuen Sie Ihr Anlagerisiko: Kaufen Sie nicht vier verschiedene Aktien, sondern 40 oder besser noch (über Aktienfonds) 400. Eine Liste nachhaltiger Aktien mit aktuellen Kursen finden Sie hier. Eine Übersicht aller von ECOreporter getesteten Aktienfonds hat die Redaktion hier für sie zusammengestellt. Viele dieser Fonds haben sich langfristig besser entwickelt als der Gesamtmarkt - mehr dazu können Sie hier lesen.
  • Investieren Sie nicht Ihr ganzes Vermögen in Aktien. Legen Sie auch in risikoärmere Finanzprodukte an, und behalten Sie eine ausreichend hohe Barreserve.
  • Machen Sie sich einen Plan. Beispielsweise für Aktienkäufe. Legen Sie Aktien fest, die Sie interessant finden. Kaufen Sie dann nur diese. Und nicht Werte, die gerade besondere Schnäppchen sind.

Wie steht es um nachhaltige ETFs?

Bei den bisher von ECOreporter getesteten ETFs, die sich nachhaltig nennen, hat die Redaktion Nachhaltigkeit eher als Spurenelement gefunden: höchst spärliche Dosis. Immerhin: Ein, zwei ETFs gibt es mittlerweile, die für anspruchsvolle Anlegerinnen und Anleger halbwegs geeignet sein könnten. Eine Übersicht über alle ECOreporter-ETF-Tests finden Sie hier.

Sind die ETFs aktuell wenigstens finanziell richtig interessant? Nicht unbedingt, denn auch nachhaltige ETFs investieren beispielsweise in Aktien von Ölkonzernen, Fluglinien oder Kreuzfahrtveranstaltern, die derzeit besonders schlecht laufen und bei denen es sogar zu Totalausfällen kommen kann. ECOreporter rät dazu, stattdessen bei den oben genannten nachhaltigen Fonds oder Aktien zu schauen.

Womit wir bei den Alternativen zu Aktien wären – Investments, die kaum vom Coronavirus betroffen sind:

Tages- und Festgeld

Achten Sie darauf, dass Sie jetzt liquide bleiben. Wer in Krisenzeiten Aktien oder Fonds mit hohem Verlust verkaufen muss, weil er Geld braucht, ärgert sich. Legen Sie einen Teil Ihres Vermögens so an, dass sie kurzfristig darauf zugreifen können. Dafür bieten sich Tages- und Festgeldkonten an. Die bringen derzeit zwar kaum Zinsen. Wenn Sie Ihr Geld bei einer nachhaltigen Bank parken, ermöglichen Sie damit aber die Finanzierung von Solaranlagen, energieeffizienten Gebäuden oder Bildungsprojekten. Eine aktuelle ECOreporter-Übersicht über die Zinsangebote grüner und ethischer Banken finden Sie hier.

Nachhaltige Anleihen

Anleihen versprechen nicht nur feste Zinsen, sondern sind auch weniger schwankungsanfällig im Kurs als Aktien. In Börsenkrisen gewinnen sie oft an Wert, weil Anlegerinnen und Anleger bei sinkenden Aktienkursen Vermögen in Anleihen umschichten. Auch in der Corona-Krise ist das bislang so. Während der globale Aktienindex MSCI World erst im November 2020 sein Vorkrisen-Niveau aus dem Februar wieder erreichte, schaffte dies der weltweite Anleihenindex Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond, der Staatsanleihen und Anleihen großer Unternehmen enthält, bereits im April. Auf Jahressicht ist der Index 4,3 Prozent im Plus (Stand 1.3.2021).

Es gibt Anleihen, die nachhaltige Unternehmen oder deren nachhaltige Projekte finanzieren. ECOreporter testet regelmäßig solche grünen Unternehmensanleihen (die Tests finden Sie hier). Sechs Anleihen, mit denen Wind- und Solarprojekte finanziert werden, können Sie sich hier näher ansehen.

Auch bei diesen Anleihen  gibt es Kursschwankungen – je höher der Anleihenkurs, desto niedriger die wahre Rendite. Aber Projektanleihen wie etwa von Energiekontor oder anderen haben einen Vorteil, nicht nur in Krisenzeiten: Ihr Geld finanziert hier beispielsweise einen Windpark. Und der erzeugt Strom. Der meist zu einem festen Preis abgenommen wird – die Corona-Krise spielt da kaum eine Rolle.

Grüne Nachrangdarlehen

Nachrangdarlehen bieten oft interessante Zinsen, sind allerdings auch riskanter als andere Geldanlagen: Schlittert das Unternehmen, dem die Anlegerinnen und Anleger Geld geliehen haben, in die Insolvenz, droht im schlimmsten Fall ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Wer in Nachrangdarlehen investiert, bleibt aber von Börsenturbulenzen verschont. Und bei gut wirtschaftenden Unternehmen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Anlegerinnen und Anleger ihr Geld zurückerhalten – plus die versprochenen Zinsen.

ECOreporter analysiert Nachrangdarlehensangebote grüner Unternehmen in ausführlichen ECOanlagechecks – beispielsweise Wind- und Solarangebote von Ranft und Wattner. Eine Liste aller ECOanlagechecks finden Sie hier. Darunter sind auch nachhaltige Beteiligungsangebote, unter anderem von CAV und Ökorenta.

Mikrofinanzfonds

Mikrofinanzfonds sind ein Investment mit hoher sozialer Wirkung. Die Kurse dieser Fonds schwanken längst nicht so stark wie die Kurse von Aktienfonds, weil die Preisbildung der Mikrofinanzfonds nicht über die Börse erfolgt. Die Corona-Krise geht auch am Mikrofinanzsektor nicht spurlos vorbei, allerdings erweisen sich die Mikrofinanzfonds bislang als überraschend robust – im letzten Jahr hat keiner der etablierten Fonds an Wert verloren (mehr dazu erfahren Sie hier). Lesen Sie auch den großen ECOreporter-Mikrofinanzfonds-Vergleichstest.

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