Glücksspiel ist bei vielen ETFs kategorisch ausgeschlossen – bei diesem sind Investments in Casinobetreiber nur ein Problem. / Foto: Pixabay

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ETF-Test: UBS ETF S&P 500 ESG

Der UBS ETF S&P 500 ESG investiert in 295 große US-Unternehmen, und für die soll „ESG“ gelten: Environmental, Social, Governance, also Umwelt, Soziales, gute Unternehmensführung. Die Kriterien für die Auswahl der Aktiengesellschaften sind, vorsichtig formuliert: atemberaubend. Kann die Auswahl finanziell überzeugen? Das Ergebnis des ETF-Tests ist deutlich.

Anbieter des ETFs ist die Schweizer Großbank UBS, die auch in Kohle- und Ölunternehmen investiert. Der nachgebildete Aktienindex stammt von dem US-Finanzdienstleister Standard & Poor’s (S&P). Lesen Sie im folgenden, zu welchem Fazit der ECOreporter-Test kommt.

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Finanzen/Risiko

Der ETF wurde am 18. April 2019 aufgelegt. Da der ETF damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine Finanznote. Auf ein Jahr gesehen hat der ETF 7 Prozent an Wert gewonnen, der weltweite Aktienindex MSCI World ist über den selben Zeittraum 17 Prozent im Plus. Seit Auflegung hat der ETF 36,5 Prozent zugelegt (MSCI World: 37,7 Prozent).

Die Jahresgebühren sind mit 0,12 Prozent sehr niedrig.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF legt nach einem Best-in-Class-Prinzip an. Das heißt: Die Unternehmen müssen in ihrer Branche zu den Besten bei Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) gehören.

Die Besten – das sind laut Duden die Ersten, die Gewinner. Vielleicht würde mancher auch die oberen zehn Prozent als „Beste“ akzeptieren? Die UBS interpretiert das Wort ganz anders: Für sie sind fast alle die Besten. Nur die schlechtesten 25 Prozent nicht. Und das heißt dann konkret für diesen ETF: Bis zu 75 Prozent der ganz normalen Großunternehmen einer Branche sind hier die „Nachhaltigkeitsbesten“. Mit anderen Worten: Hat eine Branche 500 Großunternehmen, dann kommen 375 davon für diesen ETF in Frage.

Der nachgebildete Index ist der S&P 500 ESG des US-Finanzdienstleisters Standard & Poor’s (S&P), er umfasst ausschließlich US-Unternehmen. S&P übernimmt die ESG-Bewertung der Unternehmen selbst.

Ausschlusskriterien

Vollständig ausgeschlossen sind Tabakhersteller und Unternehmen, die an Geschäften mit kontroversen Waffen (etwa Atomwaffen oder Landminen) beteiligt sind. Tabu sind auch Unternehmen, die Kohlestrom erzeugen, wenn sie mit dem Strom mehr als 5 Prozent ihres Umsatzes erzielen.

Nicht ausgeschlossen sind dagegen etwa Atomkraft, Ölkonzerne, „normale“ Rüstungsindustrie, Fluglinien oder auch Glücksspiel.

So nachhaltig ist dieser ETF

Der ETF hält Aktien der Kohlestromerzeuger CenterPoint Energy, Entergy, NextEra Energy und Public Service Enterprise. Der Umsatz des Kraftwerksgeschäfts liegt nach Erkenntnissen der Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E (ehemals Vigeo Eiris) bei allen vier Unternehmen unter der für den ETF maßgeblichen Umsatzschwelle von 5 Prozent. Gegen die Kriterien des ETFs verstoßen die Investments damit nicht – ECOreporter sieht die Aktien dennoch als kritische Werte. Entergy, NextEra Energy und Public Service Enterprise betreiben zudem Atomkraftwerke.

Vertreten sind auch diverse Ölkonzerne (Chevron, ConocoPhillips, ExxonMobil u.a.), Militärzulieferer (L3Harris Technologies, General Electric u.a.), Fluggesellschaften (Delta Airlines, American Airlines Group u.a.) Kreuzfahrtunternehmen (Royal Caribbean Group) und Casinobetreiber (Las Vegas Sands, MGM Resorts International u.a.).

Die größten Positionen des ETFs bilden hauptsächlich die an Kontroversen ebenfalls nicht armen US-Techkonzerne: Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und die Google-Mutter Alphabet.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind auf der Website von UBS knapp dargestellt. Der Indexanbieter S&P liefert weitere Informationen zum Auswahlprinzip des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, gibt es in den Dokumenten des ETFs („Factsheet“) keine Angaben.

Nachhaltige Wirkung

Die UBS übt nach eigenen Angaben Stimmrechte bei Hauptversammlungen aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an oder Informationen zu Dialogen mit Unternehmen. Eine nachhaltige Wirkung ist hier daher nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Günstige Gebühren

Schwächen:

  • Investments in Kohlestrom, Ölkonzerne und Atomkraft
  • Investments in Militärzulieferer
  • Investments in Fluglinien und Kreuzfahrbetreiber
  • Investments in Glücksspiel

Fazit

Ein wachsweiches Auswahlverfahren und schwache Ausschlusskriterien: So kann kein nachhaltiger ETF entstehen. Ein ETF mit fossiler Energie und Atomenergie – wie kommt die UBS darauf, hier von Umwelt und Sozialem zu sprechen? Und beim Best-in-Class-Ansatz die schlechtesten 25 Prozent auszuschließen – das ist zumindest der Beweis für kreative Definitionsmacht. ESG scheint hier zu stehen für: extrem schlecht grüngewaschen.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: --

Nachhaltigkeit: 6

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Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 11.2.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 11.2.2021

Name des ETFs: UBS ETF (IE) S&P 500 ESG UCITS ETF (USD) A-dis

ISIN: IE00BHXMHK04 / WKN: A2PEZ8

Nachgebildeter Index: S&P 500 ESG Index USD

Start des ETFs: 25.3.2019

Jährliche Gebühren: 0,12% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 348,2 Millionen US-Dollar (2/2021)

Internet: www.ubs.com

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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