Aktien des Autobauers Toyota sind eine der größten Positionen im ETF. Ist das ein nachhaltiges Investment? / Foto: imago images, Jan Huebner

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ETF-Test: Der iShares MSCI Japan ESG Screened UCITS ETF

Der iShares MSCI Japan ESG Screened UCITS ETF will in nachhaltige mittelgroße und große japanische Unternehmen investieren. Gelingen soll das, indem er Aktien mit kritischen Geschäften ausschließt. Der ECOreporter-Test zeigt die Probleme und Chancen des ETFs und zieht ein klares Fazit.

Anbieter des ETFs ist iShares, eine Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock aus den USA. Dieser bemüht sich um ein nachhaltiges Image. Aber immer noch steckt ein bedeutender Anteil des von BlackRock verwalteten Geldes in Öl-, Gas- und Kohleinvestments. Macht dieser ETF es besser?

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im Oktober 2018. Da der ETF damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine Finanznote. Auf ein Jahr gesehen hat der ETF 33,5 Prozent an Wert gewonnen, der weltweite Aktienindex MSCI World ist im selben Zeitraum 42,5 Prozent im Plus. Seit Auflegung hat der ETF 20 Prozent zugelegt (MSCI World: 44 Prozent).

Die Jahresgebühren von 0,15 Prozent sind auch für einen ETF günstig, andere liegen bei 0,2 bis 0,3 Prozent.

Nachhaltigkeitskonzept

Die 292 japanischen Unternehmen des ETF sollen „ESG Screened“ sein, also „ESG-geprüft“. ESG steht für die Kriterien Umwelt (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance).

Der ETF bildet mit dieser Strategie einen Index des US-Finanzdienstleisters MSCI nach. Die Auswahl der Unternehmen erfolgt durch MSCI.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt zivile und militärische Waffenhersteller sowie Tabakproduzenten aus, ebenso Unternehmen, die Kohle abbauen und Ölsand fördern. Tabu sollen auch Aktiengesellschaften sein, die gegen die (nicht sonderlich strengen) Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen verstoßen. Der UN Global Compact ist ein Katalog international akzeptierter Normen zu Menschenrechten, Arbeit, Umwelt und Korruption.

Andersherum gesagt: Für den ETF erlaubt sind beispielsweise Investitionen in Kohlestromerzeugung, Atomkraft und Öl, in Unternehmen, die Tierversuche durchführen oder mit Gentechnik arbeiten.

So nachhaltig ist dieser ETF

Der ETF investiert etwa in die Kohlestromerzeuger und Kohlehändler Air Water, Itochu Corporation und Mitsubishi Corporation. Ebenso vertreten sind die Energiekonzerne Eneos Holdings und Idemitsu Kosan, die Öl und Gas fördern.

Bis auf Air Water sind die genannten Konzerne und zahlreiche andere Unternehmen im ETF ebenfalls als Zulieferer für die Atomindustrie und das Militär aktiv, vertreiben genmanipuliertes Saatgut und Lebensmittel und führen teils auch gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche durch. Mitsubishi ist in der Massentierhaltung aktiv.

Die Aktiengesellschaften des ETFs sind normale, mittelgroße und große Konzerne. Als überdurchschnittlich nachhaltig sticht keiner hervor. Zu den zehn größten Positionen zählen etwa der Autobauer Toyota, der Videospielhersteller Nintendo und der Kommunikationsriese und Technologieinvestor Softbank.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht alle aktuellen Aktienpositionen des ETFs. In den Unterlagen zum ETF wird das Auswahlverfahren vollständig beschrieben. Auf der Internetseite des Indexanbieters MSCI erfahren Anlegerinnen und Anleger mehr über das Auswahlprinzip des nachgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien gibt es im Factsheet des ETFs keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

BlackRock als Mutter des Anbieters iShares übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Geringe Gebühren

Schwächen:

  • Sehr schwache Ausschlusskriterien als einziges Auswahlverfahren
  • Investitionen in Öl- und Kohleunternehmen
  • Investments in Zulieferer für Militär und Nuklearindustrie
  • Investments in Unternehmen mit zahlreichen kontroversen Geschäftsfeldern

Fazit

Die „ESG-Prüfung“ durch den ETF mag stattfinden – aber was sich dann an Aktien wirklich im ETF tummelt, wirkt konventionell und ist teilweise sehr kritisch zu sehen. Kein Investment für nachhaltige Anlegerinnen und Anleger.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: --

Nachhaltigkeit: 5,3

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Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 10.3.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 10.3.2021

Name des ETFs: iShares MSCI Japan ESG Screened UCITS ETF USD (Dist)

ISIN: IE00BFNM3M05 / WKN: A2N6TG

Nachgebildeter Index: MSCI Japan ESG Screened Index

Start des ETFs: 19.10.2018

Jährliche Gebühren: 0,15 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: ausschüttend

Fondsvolumen: 398 Millionen US-Dollar (3/2021)

Internet: ishares.com

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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