MTU Aero Engines aus München baut Triebwerke für die zivile und militärische Luftfahrt. / Foto: imago images, eckel

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ETF-Test: Der Lyxor MSCI EMU ESG Trend Leaders

Der Lyxor MSCI EMU ESG Trend Leaders ETF investiert in 122 Unternehmen aus der „EMU“, der „Economic and Monetary Union“. Die Firmen sollen Vorreiter sein beim Thema ESG. Das steht für Environment, Social, Governance, also Umwelt, Soziales, gute Unternehmensführung. Klingt vielversprechend – ist es auch gut umgesetzt?

Anbieter des ETFs ist Lyxor, eine Tochter der französischen Großbank Société Générale. Die Bank selbst investiert auch in Öl, Gas und Kohle. Erst ab 2030 will Lyxor kein Geld mehr in Kohleförderer und Kohlestromerzeuger anlegen. Bereits bestehende Kohleinvestments sollen aber noch bis 2040 im Portfolio bleiben dürfen.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im März 2018. Da der ETF damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine Finanznote. Auf ein Jahr gesehen hat der ETF 4,4 Prozent an Wert gewonnen, der weltweite Aktienindex MSCI World ist im selben Zeitraum 24,7 Prozent im Plus. Seit Auflegung hat der ETF 15,3 Prozent zugelegt (MSCI World: 41,4 Prozent).

Die Jahresgebühren von 0,2 Prozent sind ETF-typisch günstig.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF bildet einen Index des US-Finanzdienstleisters MSCI ab und legt nach dem "Best-in-Class-Prinzip" an. Dieses ist hier allerdings nur ein „Bessere-Hälfte-Prinzip": In bis zu 50 Prozent der Unternehmen einer Branche darf der ETF investieren. Ausgeschlossen sind mit anderen Worten nur die schlechteren 50 Prozent.

Dabei verspricht der ETF doch Anteile an „ESG Trend Leaders“, an Vorreitern bei der Nachhaltigkeit – sind also 50 Prozent der Konzerne in der EU bereits solche Vorbilder? Das wäre schön. Ein genauerer Blick auf die 122 Unternehmen fördert aber weniger Schönes zutage.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Investments in Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Kernenergie und Waffen aus. Oder? Der Blick ins Kleingedruckte konkretisiert nämlich: All diese Ausschlüsse gelten erst ab einer Umsatzschwelle von 50 Prozent mit dem entsprechenden kontroversen Geschäft. Kohle und Erdöl werden gar nicht ausgeschlossen. Nur kontroverse Waffen – also etwa Streumunition oder Anti-Personen-Minen – sind tatsächlich tabu.

So nachhaltig ist dieser ETF

Der ETF investiert etwa in die Energieversorger Iberdrola und Naturgy aus Spanien sowie Enel aus Italien, die Kohle- und Atomkraftwerke betreiben. Der finnische Papierhersteller UPM-Kymmene hält über die Tochter UPM Energy Beteiligungen an Stromerzeugung aus Kohle und Atomkraft. Auch Aktien der Ölkonzerne Total aus Frankreich und Neste aus Finnland hält der ETF. Iberdrola, Enel und Total gehören zudem zu den zehn größten Positionen des ETFs.

Mehrere Unternehmen, an denen der ETF Anteile hält (CNH Industrial, Atos, MTU Aero Engines u.a.), sind zudem Zulieferer für Nuklearindustrie und Militär. Dazu gehört nach Erkenntnissen der Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E (früher: Vigeo Eiris) auch Schlüsseltechnologie für Waffen wie Steuerungssoftware oder die Modernisierung von Kampfpanzern.

Generell hält der ETF Aktien normaler großer Unternehmen aus der Eurozone, explizit grüne Unternehmen sind nicht vertreten.

Transparenz

Anlegerinnen und Anleger können alle Aktien des ETFs auf der Internetseite des Anbieters Lyxor einsehen. Das Auswahlverfahren ist in den Unterlagen zum ETF knapp beschrieben. Weitere Angaben gibt es beim Indexanbieter MSCI. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, gibt es im Factsheet des ETFs keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Lyxor übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Günstige Gebühren

Schwächen:

  • Schwaches Auswahlverfahren
  • Schwache Ausschlusskriterien
  • Investments in Kohle- und Atomstrom
  • Investments in Ölkonzerne
  • Investments in Zulieferer für Militär und Atomindustrie

Fazit

Noch ein ETF, der zeigt, wie man Prinzipien zu Tode reiten kann: Der ETF wendet ESG und Best-in-Class an  – aber was nutzt beispielsweise die angebliche gute Unternehmensführung, wenn man der Nuklearindustrie zuliefert? Was heißt es, Klassenbester der Nachhaltigkeit zu sein, wenn man Strom aus Kohle herstellt? Oder aus Atomenergie, bei der immer noch nicht klar ist, wie die strahlenden Abfälle auf Dauer gelagert werden sollen? Für nachhaltige Anlegerinnen und Anleger ungeeignet.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen --

Nachhaltigkeit: 6

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Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 23.2.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 25.2.2021

Name des ETFs: Lyxor MSCI EMU ESG Trend Leaders (DR) UCITS ETF - Acc

ISIN: LU1792117340 / WKN: LYX0YJ

Nachgebildeter Index: MSCI EMU Select ESG Rating and Trend Leaders Net Return EUR Index

Start des ETFs: 20.3.2018

Jährliche Gebühren: 0,2% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 43 Millionen Euro (2/2021)

Internet: lyxoretf.de

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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