Der Xtrackers-ETF investiert in nachhaltige Unternehmen wie den Windturbinenbauer Vestas – aber auch in kritischere Werte. / Foto: Vestas

  Fonds / ETF, ETF-Test

ETF-Test: Xtrackers MSCI Europe ESG

Der Xtrackers MSCI Europe ESG ETF verspricht Investments in europäische Aktiengesellschaften, die sich durch eine besonders gute Nachhaltigkeitsbilanz und einen geringen CO2-Ausstoß auszeichnen. Sind die Auswahlkriterien des ETFs für eine richtig grüne Geldanlage streng genug? Das erfahren Sie im ECOreporter-Test.

ECOreporter hat den ETF im Februar 2021 das erste Mal getestet. Damals erhielt er die Nachhaltigkeitsnote 3,0 und war für eine Finanznote noch zu jung, was nun nicht mehr der Fall ist. Wie fällt die Bewertung der Redaktion diesmal aus?

Anbieter des ETFs ist eine Tochter der Fondsgesellschaft DWS, die zur Deutschen Bank gehört. Ein beträchtlicher Teil des Geldes, das Xtrackers und die DWS anlegen, steckt in Kohle, Erdöl und Rüstung. Aufgrund von Greenwashing-Vorwürfen durchsuchte die Staatsanwaltschaft Ende Mai Büros von DWS und Deutscher Bank. DWS-Chef Asoka Wöhrmann trat daraufhin zurück.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im Mai 2018. Auf ein Jahr gesehen hat er 14 Prozent an Wert verloren, der weltweite Aktienindex MSCI World ist im selben Zeitraum 7,6 Prozent im Minus. Auf drei Jahre gesehen hat der ETF 9,4 Prozent zugelegt, der MSCI World gewann 26 Prozent an Wert.

Die Jahresgebühren von 0,2 Prozent sind auch für einen ETF günstig, die Wertschwankungen über drei Jahre vergleichsweise hoch. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens sieben, besser zehn Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in Aktien von 190 europäischen Unternehmen. Dabei bildet er einen Index des US-Finanzdienstleisters MSCI ab und legt nach dem "Best-in-Class-Prinzip" an. Im Auswahlprozess kommen zwei voneinander unabhängige Methoden zum Einsatz: Um für den ETF infrage zu kommen, müssen Unternehmen zunächst eine bestimmte ESG-Mindestbewertung besitzen. Innerhalb dieser Gruppe müssen sie dann zur besseren Hälfte ihrer Branche gehören. ESG steht für Umwelt (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Und die Firmen sollen zu den 50 Prozent der Unternehmen gehören, die am wenigsten CO2-Emissionen verursachen.

Ein mäßig anspruchsvolles ESG-Verfahren wird also durch Anforderungen an Emissionseinsparungen ergänzt. Hinzu kommen Ausschlusskriterien. Die Aktienauswahl wird vierteljährlich überprüft, für die Auswahl und Bewertung der Aktien ist MSCI verantwortlich.

Die weiteren wichtigen Informationen lesen Sie als ECOreporter-Premium-Leser/-in. Einloggen oder Premium-Leser/-in werden.

...

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Investments in Unternehmen aus, die mindestens 5 Prozent ihres Umsatzes mit Alkohol, Glücksspiel, Waffen, Tabakwaren und Atomkraft erzielen. Für die Stromerzeugung aus Kohle gilt eine großzügige Umsatzschwelle von 15 Prozent. Komplett tabu sind unter anderem Investments in kontroverse Waffen, etwa Streumunition, Atomwaffen oder Anti-Personen-Minen. Eine vollständige Auflistung der Ausschlusskriterien finden Sie rechts.

So nachhaltig ist dieser ETF

Der ETF investiert etwa in den dänischen Windanlagenbauer Vestas und den österreichischen Ökostromproduzenten Verbund. Andere Aktien im Portfolio mit vorbildlicher Nachhaltigkeitsbilanz sind etwa der dänische Gesundheitskonzern Coloplast, der Bonner Logistikriese Deutsche Post DHL Group oder der Schweizer Sanitärkonzern Geberit. Alle fünf Unternehmen gehören zu den ECOreporter-Aktien-Favoriten.

Insgesamt legt der ETF allerdings sehr konventionell an, auch in Unternehmen mit kritischen Geschäftsbereichen. So vertreiben die britischen Lebensmittelkonzerne Unilever und Associated British Foods sowie der Chemiekonzern Symrise aus Holzminden in Niedersachsen gentechnisch veränderte Produkte. Diverse Finanz- und Versicherungskonzerne wie die Münchner Allianz oder die französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale investieren in fossile Brennstoffe und die Rüstungsindustrie.

Viele Unternehmen im ETF, beispielsweise Akzo Nobel, Atos und Schneider Electric, machen in geringem Umfang Geschäfte als Zulieferer für Nuklearindustrie und Militär. Und Firmen wie der Sportartikelhersteller Adidas aus Herzogenaurach und der Getränkeabfüller Coca-Cola European Partners mit Sitz in Großbritannien haben eine grundsätzlich wenig nachhaltige Geschäftsausrichtung.

Transparenz

Xtrackers veröffentlicht alle aktuellen Aktienpositionen des ETFs. In den Unterlagen zum ETF wird das Auswahlverfahren knapp beschrieben. Auf der Internetseite des Indexanbieters MSCI erfahren Anlegerinnen und Anleger mehr über das Auswahlprinzip des nachgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien gibt es im Factsheet des ETFs keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Die DWS stellt auf ihrer Internetseite ihr Stimmverhalten und Fragen auf Aktionärsversammlungen sowie einen Leitfaden für Dialoge mit Unternehmen transparent und deutlich dar. Das ist auch ausführlicher als bei vergleichbaren ETFs. Zu einzelnen Unternehmen können Anlegerinnen und Anleger übersichtliche Fragenkataloge einsehen und herunterladen – ein Pluspunkt.

Stärken:

  • Niedrige Gebühren
  • Keine direkten Investments in fossile Energie
  • Keine Investments in Rüstung
  • Informationen über Stimmverhalten 

Schwächen:

  • Sehr konventionelle Investments
  • Viele Unternehmen mit kritischen Geschäftsbereichen
  • Durchwachsene Wertentwicklung

Fazit

Kerngrün ist dieser ETF nicht, er hält etliche Aktien von Unternehmen mit kritischen Geschäftsfeldern. Verglichen mit guten nachhaltigen Aktienfonds ist das schwach. Für einen ETF ist die Nachhaltigkeit aber zumindest ordentlich, weswegen ECOreporter letztlich bei der Bewertung "befriedigend" bleibt. Die finanzielle Entwicklung des ETFs ist nur mäßig.

Die ECOreporter-Noten:
Finanzen: 3,8
Nachhaltigkeit: 3,0

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

  • Geächtete Waffen
  • Nuklearwaffen
  • Kohlebergbau
  • Unkonventionelle Öl- und Gasförderung
  • Herstellung ziviler Waffen/Munition
  • Herstellung von Tabakprodukten
  • Verstöße gegen den UN Global Compact

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

  • Vertrieb von zivilen Waffen/Munition (5%)
  • Vertrieb von Tabakprodukten (5%)
  • Herstellung von Pornografie (5%)
  • Vertrieb und Geschäftsbeziehungen mit Herstellern von Pornografie (15%)
  • Alkoholproduktion (5%)
  • Vertrieb und Geschäftsbeziehungen mit Herstellern von Alkohol (15%)
  • Herstellung von konventionellen Waffen (5%)
  • Vertrieb und Geschäftsbeziehungen mit Herstellern von Waffen (15%)
  • Anbieter von Glücksspiel (5%)
  • Geschäftsbeziehungen mit Glücksspielanbietern (15%)
  • Herstellung gentechnisch veränderter Lebensmittel und Saatgut (5%)
  • Produktion von Atomstrom (5%)
  • Geschäftsbeziehungen mit Produzenten von Atomstrom (15%)
  • Produktion von Kohlestrom (15%)

Daten und Fakten

Stichtag des Tests : 24.10.2022

Name des ETFs: Xtrackers MSCI Europe ESG UCITS ETF

ISIN: IE00BFMNHK08 / WKN: A2JHSG

Nachgebildeter Index: MSCI Europe Low Carbon SRI Leaders Index

Start des ETFs: 8.5.2018

Jährliche Gebühren: 0,2% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 888 Millionen Euro (10/2022)

Internet: etf.dws.com

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

Verwandte Artikel

02.02.23
 >
06.02.23
 >
14.10.22
 >
27.02.21
 >
22.02.21
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x