Proteste gegen BlackRock. Der US-Vermögensverwalter ist nach den Kriterien des ETFs das bestbewertete Unternehmen. / Foto: imago images, MediaPunch

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ETF-Test: iShares Refinitiv Inclusion and Diversity UCITS ETF

Ein ETF, bei dem die Unternehmenskultur im Vordergrund steht: Inklusion und Diversität, also Vielfalt. Er heißt iShares Refinitiv Inclusion and Diversity. Eine gute Basis für einen nachhaltigen ETF? Der ECOreporter-Test zeigt es.

Anbieter des ETFs ist iShares, eine Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock aus den USA. Dieser bemüht sich um ein nachhaltiges Image. Aber immer noch steckt ein bedeutender Anteil des von BlackRock verwalteten Geldes in Öl-, Gas- und Kohleinvestments.

BlackRock investierte nach eigenen Angaben zwischen Juni 2008 und März 2010 Geld auch in Finanzprodukte, die zu sogenannten Cum-Ex-Geschäften genutzt wurden. Bei diesen hatten sich Banken und andere Investoren vom Finanzamt Steuern erstatten lassen, die zuvor gar nicht bezahlt worden waren. BlackRock hat in der Vergangenheit stets erklärt, von den Geschäften nichts gewusst zu haben.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im September 2018. Da er damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine ECOreporter-Finanznote.

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs bei ECOreporter und Details zur Wertentwicklung.

Die Jahresgebühren von 0,25 Prozent sind ETF-typisch günstig.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in 100 Unternehmen aus 24 Industrieländern, die führend auf den Feldern Diversität und Inklusion sein sollen. Diversität meint hier die Vielfalt in einer Belegschaft, neben Geschlecht und Hautfarbe geht es dabei auch um Alter, Sexualität, mögliche Behinderungen und die soziale Herkunft. Es soll also eine möglichst große Vielfalt von individuellen Lebensläufen und Erfahrungen vereint werden. Inklusion wiederum bedeutet, allen Angehörigen dieser diversen Belegschaft auch gleichberechtigt Gehör zu verschaffen und sie individuell angepasst zu fördern.

Die Auswahl der Unternehmen übernimmt der US-amerikanische Daten-Dienstleister Refinitiv. Refinitiv listet nach eigenen Angaben mehr als 7.000 Unternehmen weltweit auf und identifiziert die 100 börsennotierten Unternehmen mit den vielfältigsten und integrativsten Arbeitsplätzen, die anhand von 24 separaten Kennzahlen in vier Schlüsselbereichen bewertet werden. Wichtig sind etwa die Anzahl weiblicher Führungskräfte, flexible Arbeitszeiten oder interne Beförderung und gleichwertige Bezahlung.

Die 100 besten Unternehmen fasst Refinitiv im Global D&I Index zusammen, den der ETF nachbildet.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt lediglich Hersteller kontroverser Waffen wie Streumunition, Anti-Personen-Minen oder Nuklearwaffen aus. Ansonsten konzentriert er sich als Themen-ETF ausschließlich auf die Bewertung der Unternehmenskultur.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

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Der ETF investiert etwa in den australischen Bergbaukonzern BHP, dieser fördert Öl, Gas, Kohle und Uran. Die japanische Reederei Nippon Yusem fördert Erdöl und Gas auch mit Bohrschiffen. Die „Ultra-Deep“-Bohrungen der Japaner in extremen Tiefen von bis zu 9.000 Metern bewertet die Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E (ehemals Vigeo Eiris) zudem als besonders riskante Fördermethode.

Ebenfalls im ETF vertreten sind der italienische Energiekonzern Enel, dessen Energiemix auch Kohlestrom enthält, und der australische Raffineriebetreiber Ampol.

Mehrere Unternehmen des ETFs wie IBM, Air Liquide und Red Electrica sind nach Erkenntnissen von V.E in geringem Umfang auch als Zulieferer für das Militär und die Nuklearindustrie tätig. Das umfasst etwa Software oder technische Bauteile.

Ebenfalls kritisch sehen könnten nachhaltige Anlegerinnen und Anleger die Beteiligung am französischen Luxusgüterkonzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton: Der Konzern stellt Alkohol her und vertreibt Pelzwaren. Mit MGM Resorts International aus den USA ist auch ein Casinobetreiber vertreten.

Insgesamt investiert der ETF in gewöhnliche große Unternehmen, die meisten kommen aus der Finanzbranche. Konzerne wie der US-Vermögensverwalter BlackRock (gleichzeitig Nummer eins der D&I-Liste) oder der Münchner Versicherer und Vermögensverwalter Allianz investieren erhebliche Summen in fossile Brennstoffe und Rüstung.

Wie aber verhält es sich mit dem Kernbestreben des ETFs, also Diversität und Chancengleichheit? Hier fällt auf, dass bei den Unternehmen im ETF auch V.E entsprechende Punkte oft hervorhebt – etwa gleichwertige Bezahlung oder die Möglichkeit für Mitarbeiter, auch anonym Fälle von Diskriminierung zu melden.

So erhält zwar beispielsweise MGM Resorts insgesamt eine schwache Nachhaltigkeitsnote von V.E. Die Agentur hebt aber hervor, dass der Konzern eine strikte Antidiskriminierungspolitik verfolge, bei der Verstöße disziplinarisch geahndet würden, "was bis zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses und/oder zur Einleitung rechtlicher Schritte führen kann." Etwas über 40 Prozent der Führungskräfte des Konzerns sind nach dessen Angaben weiblich, der Anteil ethnischer Minderheiten im Management liegt bei knapp 50 Prozent.

Beim Bergbaukonzern BHP sind Mitarbeiter etwa verpflichtet, einmal jährlich eine Schulung zum Verhaltenskodex des Unternehmens zu besuchen, es gibt klare Ziele etwa zur Erhöhung des Frauenanteils im Management, über die das Unternehmen Bericht erstattet. Hinzu kommen etwa Talentförderprogramme für Angehörige ethnischer Minderheiten.

Transparenz

Der Anbieter iShares veröffentlicht alle aktuellen Aktienpositionen des ETFs. In den Unterlagen zum ETF wird das Auswahlverfahren knapp beschrieben. Auf der Internetseite des Indexanbieters Refinitiv erfahren Anlegerinnen und Anleger mehr über das Auswahlprinzip des nachgebildeten Index. Bei Refinitiv finden sich auch (auf Englisch) zusätzliche Informationen zur Bewertung der ausgewählten Aktien.

Nachhaltige Wirkung

BlackRock als Mutter des Anbieters iShares übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Niedrige Gebühren
  • Keine Investments in Atomkraftbetreiber
  • Interessanter sozialer Ansatz mit strengem Auswahlverfahren

Schwächen:

  • Investments in Öl und Kohle
  • Investments in Alkohol
  • Investments in Glücksspiel
  • Themen-ETF ohne weitere Ausschlusskriterien

Fazit:

Diversität und Inklusion sind wichtige soziale Themen. Auf diese konzentriert sich der ETF. Andere Aspekte werden nicht beachtet. So ist dann das Ergebnis, dass in diesem ETF Firmen zu finden sind, die – wenn die Bewertungsergebnisse stimmen – ihre Belegschaft vorbildlich fördern, aber Teile für Kriegswaffen zuliefern oder Geschäfte betreiben, mit denen sie Umwelt und Klima erheblich schaden. Nachhaltig ist dieser ETF nicht.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: --

Nachhaltigkeit: 4,0

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Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 27.7.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 27.7.2021

Name des ETFs: iShares Refinitiv Inclusion and Diversity UCITS ETF

ISIN: IE00BD0B9B76WKN / WKN: A2DVK8

Nachgebildeter Index: Refinitiv Global Large/Mid Diversity & Inclusion ex. Controversial Weapons Equal Weight Net Total Return

Start des ETFs: 7.9.2018

Jährliche Gebühren: 0,25 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 41,9 Millionen US-Dollar (7/2021)

Internet: www.ishares.com/de/

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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