Schutz vor Hacker-Angriffen und andere Cybersecurity-Themen erfahren aktuell neue Aufmerksamkeit. / Foto: Pixabay

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ETF-Test: L&G Cyber Security UCITS ETF

Cyberattacken sind Teil der modernen Kriegsführung. Bereits am Tag vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine legten Hacker, mutmaßlich in Diensten des Kreml, wichtige Regierungsseiten in Kiew lahm. Und auch hinter digitalen Attacken auf westliche Medien vermuten Experten eine "pro-russische Desinformationskampagne". Ein ETF zur Cybersicherheit ist also am Puls der Zeit – doch kann der L&G Cyber Security auch bei Nachhaltigkeit und Wertentwicklung überzeugen?

Anbieter des ETFs ist der britische Vermögensverwalter Legal & General Investment Management (LGIM). LGIM ist Mitbegründer der Klima-Initiative „Net Zero Asset Managers“. Fondsgesellschaften versprechen hier, ihre Portfolios klimaneutral aufzustellen. Der Haken an diesem Versprechen: Die Fondsanbieter räumen sich selbst eine Frist bis zum Jahr 2050 ein. Bleibt zu hoffen, dass es dann sowieso nur noch klimaneutrale Investments gibt – und dass das Klima dann noch zu retten ist.

Sinnvoll: LGIM listet jährlich Unternehmen auf, die beim Klimaschutz besonders hinterherhinken. Investments in diese Unternehmen schließt die Fondsgesellschaft aus. So steht etwa der Ölriese Exxon Mobil für LGIM und damit auch für diesen ETF auf der Ausschlussliste.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im September 2015 und hat sich langfristig stark entwickelt. Zwar blieb er auf ein Jahr gesehen mit einem Wertzuwachs von 9,7 Prozent hinter dem weltweiten Aktienindex MSCI World zurück, der in der gleichen Zeit 19,6 Prozent gewann. In den letzten fünf Jahren konnte der ETF allerdings 115,3 Prozent zulegen und schlägt den MSCI World (plus 66,1 Prozent) deutlich.

Die Jahresgebühr ist mit 0,69 Prozent für einen ETF eher teuer, auch die Wertschwankungen fielen in den letzten Jahren hoch aus. ECOreporter empfiehlt daher eine Haltedauer von mindestens sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in 56 große und mittlere Unternehmen weltweit, die einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes in der Cyber-Sicherheitsbranche erwirtschaften. Die Unternehmen dieser Branche können in folgende Teilsektoren unterteilt werden:

  1. Infrastrukturanbieter, die Hardware und Software zum Schutz des internen und externen Zugriffs auf Dokumente, Websites und Netzwerke entwickeln
  2. Dienstleister, die Beratung und sichere internetbasierte Dienstleistungen anbieten.

LGIM bewirbt den ETF als nachhaltiges Produkt: Um in das Aktienpaket aufgenommen zu werden, dürfen Unternehmen nicht gegen bestimmte ESG-Ausschlusskriterien verstoßen. ESG steht für die Nachhaltigkeits-Kriterien Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance).

Der ETF bildet einen Index des US-Börsenkonzerns Nasdaq nach. Die Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammt von Nasdaq.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen mit Verbindungen zu Geschäften mit geächteten Waffen vollständig aus. Außerdem tabu sind Unternehmen, die ihre Kapazitäten bei der Erzeugung von Energie aus Öl und Gas in den letzten zwölf Monaten erhöht haben. Auch Verstöße gegen den UN Global Compact werden mit Ausschluss geahndet.

Zudem gelten Umsatzschwellen von in der Regel 5 Prozent etwa für Hersteller von Tabakwaren, von Waffen sowohl für den militärischen als auch zivilen Bereich und für eine Reihe von Geschäften mit fossiler Energie und Atomkraft. Die Details finden Sie in einer Auflistung im Premium-Bereich des Tests.

Die Haltung zu Nuklearwaffen wird nicht explizit angegeben. Da diese nicht unter die Definition geächteter Waffen nach dem Verständnis der Vereinten Nationen fallen, ist es also möglich, dass Hersteller von Atomwaffen für den ETF zugelassen wären.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

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Der ETF hält Anteile an den US-Technologieunternehmen Booz Allen Hamilton und Parsons sowie dem französischen IT-Konzern Atos. Alle drei haben ein umfangreiches Militärgeschäft.

So ist Booz Allen Hamilton ein führendes Unternehmen im Bereich der militärischen Dienstleistungen für das US-Verteidigungsministerium, das auch eng mit verschiedenen US-Geheimdiensten zusammenarbeitet. Da diese Dienstleistungen nicht in direktem Zusammenhang mit Waffen oder Waffentechnik stehen, sind sie nicht von den Ausschlusskriterien berührt.

Der wohl berühmteste ehemalige Angestellte von Booz Allen Hamilton ist der Whistleblower Edward Snowden, der über seine Arbeit für das Unternehmen die umfangreichen Internet-Überwachungsprogramme PRISM und Boundless Informant des amerikanischen Geheimdienstes NSA erkannte und öffentlich machte.

Atos bezeichnet sich selbst als „vertrauenswürdigen Partner von Defensivstreitkräften weltweit“ und liefert nach eigenen Angaben „Kampfinformationen, die einen echten taktischen Vorteil auf dem Schlachtfeld bieten“. Auch hier werden die Ausschlusskriterien des ETFs mangels direkten Kontaktes zu Waffen nicht verletzt. Atos hat auch in geringem Umfang Verträge mit der Nuklearindustrie.

Die direkteste Beziehung zu Waffentechnologie findet sich bei Parsons. Der Konzern stellt Raketenabwehr- und -lenktechnik her, wobei die Umsätze aus diesem Bereich laut Geschäftsbericht unter der kritischen Umsatzschwelle von 5 Prozent liegen. Zu Parsons sonstigen Tätigkeiten für Militärkunden gehört neben Dienstleistungen etwa in der Cybersicherheit auch die Beseitigung von Kampfmitteln wie Munition, um beispielsweise ehemalige Truppenübungsplätze zu renaturieren.

Die Militärgeschäfte sind nach Untersuchung von ECOreporter der kritischste Aspekt des Portfolios. Die Redaktion hat keine aktuellen größeren Datenschutzproblematiken in Zusammenhang mit den Unternehmen im Aktienpaket festgestellt. Aus nachhaltiger Sicht sticht etwa der US-Netzwerkausrüster und ECOreporter-Aktien-Favorit Cisco hervor. Mit einem Anteil von knapp 70 Prozent stammen die meisten Unternehmen im ETF aus den USA.

Transparenz

LGIM veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind online knapp zusammengefasst. Weiterführende Informationen finden Anlegerinnen und Anleger beim Index-Anbieter Nasdaq. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, gibt es in den Unterlagen zum ETF keine Angaben.

Nachhaltige Wirkung

Anlegerinnen und Anleger können auf der LGIM-Website den jährlich erneuerten „Climate Impact Pledge“-Report herunterladen, der zumindest knapp über Fragen und Forderungen an Unternehmen zu Nachhaltigkeitsthemen informiert. Zu Dialogen mit Unternehmen finden Anlegerinnen und Anleger keine Informationen.

Stärken:

  • Gute Wertentwicklung
  • Keine Investments in fossile Energie

Schwächen:

  • Vergleichsweise hohe Gebühren
  • Starke Wertschwankungen
  • Nicht sehr breit aufgestellter ETF
  • Umfangreiche Militär- und Geheimdienstgeschäfte
  • Investments in Nuklearwaffen nicht ausgeschlossen

    Fazit

    Dieser ETF stellt Anlegerinnen und Anleger vor eine Gewissensfrage: Ist es für die Nachhaltigkeit kritisch, dass er in Unternehmen mit einem breiten Militärgeschäft investiert – oder zeigt sich im Ukraine-Krieg gerade, dass genau das angebracht ist? Anlegerinnen und Anleger müssen das letztlich selbst entscheiden. Kritisch sieht ECOreporter den ebenfalls enthaltenen Überwachungsaspekt. Erfreulich hingegen: Kompromisse in Bezug auf fossile Energien müssen hier nicht gemacht werden. Und finanziell überzeugt der ETF.

    Alternativ kann für Anlegerinnen und Anleger, die in digitale Sicherheit investieren möchten, auch der Rize Cybersecurity and Data Privacy ETF ein Kandidat sein, hier kommen Sie zum ECOreporter-Test. Dieser ETF besitzt eine deutlich weniger starke Militärausrichtung, ist aber auch erst kurze Zeit am Markt.

    Die ECOreporter-Noten:

    Finanzen: 1,9

    Nachhaltigkeit: 3,3

    Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

    Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

    Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

    Geächtete Waffen

    Unternehmen, die ihre Kapazitäten bei der Erzeugung von Energie aus Öl und Gas in den letzten zwölf Monaten erhöht haben

    Unternehmen, die gegen den UN Global Compact verstoßen

    Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

    Herstellung und Vertrieb von Waffen für den zivilen Markt (5%)

    Herstellung und Vertrieb von Waffen für Militär oder Sicherheitskräfte (5%)

    Herstellung und Vertrieb von Tabakerzeugnissen (5%)

    Förderung Ölsand oder Schiefergas (5%)

    Ölförderung in der Arktis (5%)

    Stromerzeugung aus Kohle (5%)

    Stromerzeugung mit Nuklearenergie (5%)

    Öl- oder Gashandel (5%)

    Energieerzeugung aus Öl oder Gas (5%)

    Daten und Fakten

    Stichtag des Tests : 7.3.2022

    Name des ETFs: L&G Cyber Security UCITS ETF

    Nachgebildeter Index: Nasdaq ISE Cyber Security UCITS Index

    Start des ETFs: 28.9.2015

    Jährliche Gebühren: 0,69 % (Gesamtkosten)

    Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

    Ertragsverwendung: thesaurierend

    Fondsvolumen: 2,8 Milliarden US-Dollar (3/2022)

    Internet: www.fundcentres.lgim.com/de

    Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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