Der ETF enthält viele nachhaltige und grüne Unternehmen – hat aber ein Problem mit Latexhandschuhen. / Symbolbild: Pixabay

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ETF-Test: UBS ETF MSCI ACWI Socially Responsible UCITS ETF (hedged to EUR)

Ein ETF der schweizerischen Bank UBS, der weltweit anlegt und nachhaltig sein soll. Sein komplizierter Name: UBS ETF MSCI ACWI Socially Responsible UCITS ETF (hedged to EUR). Wie nachhaltig ist der ETF? Die UBS selbst investiert auch in Kohle- und Ölunternehmen.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im Dezember 2017 und hat sich langfristig finanziell nur mäßig entwickelt. Auf ein Jahr gesehen hat er 41,7 Prozent an Wert gewonnen und schlägt damit den weltweiten Aktienindex MSCI World, der im selben Zeitraum 34,7 Prozent zulegte. Auf fünf Jahre gesehen bleibt der ETF mit einem Plus von 45,5 Prozent aber klar hinter dem MSCI World mit einer Steigerung um 86,1 Prozent zurück.

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs bei ECOreporter und Details zur Wertentwicklung

Die Jahresgebühren sind mit 0,48 Prozent günstig, aber etwas teurer als bei vergleichbaren ETFs. Der Kurs schwankte in den vergangenen drei Jahren leicht. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von fünf, besser sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

„MSCI ACWI Socially Responsible“: Das bedeutet, dass der ETF einen Index des US-Finanzdienstleisters MSCI nachbildet, und zwar den „All Country World Index“ (ACWI) in seiner nachhaltigen (Socially Responsible) Version. Dieser internationale Aktienindex enthält mittelgroße und große Unternehmen aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern. Industrieländer sind etwa Staaten wie Deutschland und die USA, als Schwellenländer gelten Brasilien und (seltsamerweise) China.

Der ETF ist zudem „hedged to Euro“. Das bedeutet, er ist durch einen fest bestimmten Wechselkurs zwischen Euro und Fremdwährungen gegen Wechselkursrisiken abgesichert.

Letztendlich legt der ETF nach zwei voneinander unabhängigen Methoden in immerhin 515 internationale Unternehmen an: Zum einen wendet er dafür das "Best-in-Class-Prinzip" an: Die Unternehmen müssen bei einer ESG-Bewertung zum nachhaltigsten Viertel ihrer Branche gehören. ESG steht für Umwelt (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Und zum zweiten sollen die Unternehmen in ihrer Branche zu den 50 Prozent gehören, die weniger CO2-Emissionen verursachen.

Für die Auswahl und Bewertung der Aktien ist MSCI verantwortlich.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen aus, die mindestens 5 Prozent ihrer Umsätze mit Alkohol, Pornografie, Glücksspiel, genetisch veränderten Organismen oder Schusswaffen erzielen. Vollständig tabu sind Unternehmen mit Umsätzen aus kontroversen Waffen oder Kohle, draußen bleiben müssen zudem Tabakproduzenten, Öl- und Gasförderer sowie Atomkraftwerksbetreiber.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

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Der ETF hält Aktien der Mineralölkonzerne Neste aus Finnland, Phillips 66 aus den USA und S-Oil aus Südkorea. Sie alle stellen Treibstoff her und transportieren Erdöl, fördern es aber nicht und verstoßen so nicht gegen die Kriterien des ETFs. Die niederländische Royal Vopak betreibt Öl- und Erdgaslager. Die Pipelinebetreiber Snam (Italien) und Oneok (USA) transportieren Erdgas.

Der französische Elektrotechnikkonzern Schneider Electric ist nach Erkenntnissen der Nachhaltigkeits-Ratingagentur Vigeo Eiris an der Installation von Waffensystemen auf Marineschiffen beteiligt. Das Unternehmen bietet außerdem Technologien und Dienstleistungen für Atomkraftwerke an. Der Pharmakonzern Merck (Darmstadt), der Lebensmittelproduzent Danone (Frankreich) und andere Unternehmen im ETF führen gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche durch.

Generell investiert der ETF in normale große und mittelgroße Unternehmen. Viele davon besitzen aber eine gute Nachhaltigkeitsbilanz: etwa der Düsseldorfer Chemiekonzern Henkel, der schwedische Hygienekonzern Essity oder der Walldorfer Software-Riese SAP. Kerngrün sind etwa die Windturbinenbauer Vestas aus Dänemark und Xinjiang Goldwind aus China. Andere Unternehmen kann man kritischer sehen, beispielsweise den Sportartikelhersteller Adidas aus Herzogenaurach oder der in diverse Kontroversen verwickelte schweizerische Lebensmittelkonzern Nestlé.

Eine besondere Position des ETF ist zudem der malaysische Handschuhhersteller Top Glove Sdn Bhd. Ende März 2021 ließ die US-Zollbehörde (CBP) sämtliche importierten Top Glove-Produkte beschlagnahmen. Laut den US-Behörden gibt es Hinweise auf Zwangsarbeit bei der Produktion. Das Unternehmen erklärte gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN, es würden "alle von der CBP geforderten Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass alle Bedenken berücksichtigt werden."

Das Geschäft mit der Handschuhherstellung boomt in der Pandemie. Zur Produktion benötigt das Unternehmen allerdings Kautschuk, und auch der ist problematisch: Zuletzt hatte die ARD über Regenwaldabholzung in Verbindung mit Kautschukplantagen berichtet und auch ECOreporter zu dem Thema befragt. Hier gibt es das Stück zum nachlesen.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind auf der Website von UBS knapp dargestellt. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlprinzip des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Die UBS übt nach eigenen Angaben Stimmrechte bei Hauptversammlungen aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Niedrige Gebühren
  • Breite Streuung
  • Viele Ausschlusskriterien
  • Keine Investments in Betreiber von Atomkraftwerken
  • Investments in viele nachhaltige Unternehmen

Schwächen:

  • Investments in die Kohle- und Ölbranche
  • Investments in Zulieferer für Militär und Nuklearindustrie
  • Verdacht auf Investments in Zusammenhang mit Zwangsarbeit

    Fazit

    Anspruchsvolle nachhaltige Anlegerinnen und Anleger werden auch mit diesem ETF nicht glücklich werden. Aber: Viel geht hier insbesondere bei den Ausschlusskriterien in die richtige Richtung, sodass man das Aktienpaket zumindest als hellgrün bezeichnen kann.

    ECOreporter-Noten:

    Finanzen: 2,4

    Nachhaltigkeit: 4,3

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    Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

    Daten und Fakten

    Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 4.5.2021

    Stichtag des Tests Finanzen: 4.5.2021

    Name des ETFs: UBS ETF (IE) MSCI ACWI Socially Responsible UCITS ETF (hedged to EUR) A-acc

    ISIN: IE00BDR55927 / WKN: A2H5CB

    Nachgebildeter Index: MSCI ACWI SRI Low Carbon Select 5% Issuer Capped with Developed Markets 100% hedged to EUR Index

    Start des ETFs: 20.12.2017

    Jährliche Gebühren: 0,48 % (Gesamtkosten)

    Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

    Ertragsverwendung: thesaurierend

    Fondsvolumen: 2,9 Milliarden Euro (4/2021)

    Internet: www.ubs.com/de

    Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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