Der im ETF vertretene japanische Konzern Komatsu ist der weltweit zweitgrößte Baumaschinenhersteller. Auch andere Geschäftsbereiche lassen die Aktie wenig nachhaltig erscheinen. / Foto: imago images, Klaus W. Schmidt

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ETF-Test: iShares MSCI Japan SRI EUR hedged

Nachhaltige Investments in 63 japanische Unternehmen verspricht dieser ETF. Ökologie, Soziales und faire Unternehmensführung sollen die Auswahlkriterien sein. Enthalten ist auch eine Währungsabsicherung. ECOreporter hat Nachhaltigkeit und finanzielle Entwicklung des ETF im Test bewertet.

Anbieter des ETF ist iShares, eine Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock aus den USA. BlackRock bemüht sich derzeit um ein nachhaltiges Image. Aber immer noch steckt ein bedeutender Anteil aller verwalteten Gelder in Öl-, Gas- und Kohleinvestments. Wie ist es bei diesem ETF?

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Finanzen / Risiko

Finanziell hat sich der ETF mäßig entwickelt. Auf ein Jahr gesehen hat er 12,8 Prozent an Wert gewonnen und bleibt damit hinter dem weltweiten Aktienindex MSCI World zurück, der im selben Zeitraum um 14,8 Prozent stieg. Auf drei Jahre gesehen ist der 2016 aufgelegte ETF 10,9 Prozent im Plus, der MSCI World 30,8 Prozent.

Mit 0,25 Prozent sind die jährlichen Gebühren etwas günstiger als bei vergleichbaren ETFs, auch schwankt der Kurs weniger stark. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens 5, besser 7 Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

iShares nennt den ETF „SRI“. Das Kürzel steht für "Socially Responsible Investment", frei übersetzt: "nachhaltiges Investieren". Als weiteren Zusatz trägt der ETF „EUR hedged“. Das bedeutet, er ist durch einen fest bestimmten Wechselkurs zwischen Euro und japanischem Yen gegen Wechselkursrisiken abgesichert. Die UCITS-Richtlinie ist eine EU-Regelung, die definiert, in welche Vermögensgegenstände und Finanzinstrumente eine Fondsgesellschaft investieren darf. Der Vollständigkeit halber hier der ganze, komplizierte Name des Produktes: iShares MSCI Japan SRI EUR hedged UCITS ETF.

Der ETF legt nach dem Best-in-Class-Prinzip an. Hierbei hilft der US-Indexanbieter MSCI. Er wählt nach eigenen Angaben für den ETF aus dem Vergleichsindex MSCI Emerging Markets bis zu 25 Prozent der nachhaltigeren Unternehmen ihrer Branche („Class“) aus. Für die Nachhaltigkeitsanalysen ist die Ratingagentur MSCI ESG verantwortlich.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt einige Branchen aus: Atomkraft, Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Waffen, Gentechnik und Pornografie.

Nicht ausgeschlossen sind etwa Kohlestrom und -förderung, Geschäfte mit Erdöl oder Bergbau. Zu den Negativkriterien gehören auch nicht Tierversuche, Menschenrechtsverletzungen, Steuervermeidung und vieles anderes. Hinweis: Dass nur die nachhaltigsten 25 Prozent der Unternehmen einer Branche ausgewählt werden, bedeutet nicht automatisch, dass Unternehmen, die trotz Milliarden-Gewinnen keine Steuern zahlen, für diesen ETF tabu wären.

Und: Für Anlegerinnen und Anleger ist mit angemessenem Zeitaufwand nicht zu recherchieren, wie weit bestimmte Ausschlüsse gehen sollen. So sind Atomkraft und Waffen zwar tabu – Zulieferer der Nuklearindustrie und ein Munitionshersteller sind im Index aber vertreten.

So nachhaltig ist dieser ETF

Der ETF hält etwa Aktien des Konzerns Komatsu. Komatsu ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Bergbaumaschinen. Das Unternehmen verkauft aber auch Munition und Fahrzeuge an das Militär.

Das ebenfalls im ETF vertretene Unternehmen Sumitomo Metal Mining stellt technische Lösungen etwa für Abgasreinigung und Wasseraufbereitung im Bergbau bereit, liefert diese aber auch an die Nuklearindustrie.

Ebenfalls im ETF findet sich Hitachi Metal. Das ist eine Tochter der Hitachi Group, die über ein Joint Venture mit dem US-amerikanischen Mischkonzern General Electric Atomkraftwerke betreibt. Hitachi Metal selbst stellt Komponenten wie Kabel her, die in Atomkraftwerken verbaut werden.

Ansonsten finden sich im Portfolio des ETF hauptsächlich konventionelle Unternehmen. Zu den größten Positionen gehören etwa der Elektronikkonzern Sony, der Spiele- und Konsolenhersteller Nintendo und der Autobauer Honda. Auffallend grüne Unternehmen sucht man im Portfolio vergebens.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETF auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind auf der Seite von iShares sehr knapp dargestellt. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlprinzip des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, gibt es vom ETF-Anbieter keine Angaben, die für Anlegerinnen und Anleger mit angemessenem Zeitaufwand zu recherchieren sind.

Nachhaltige Wirkung

BlackRock als Mutter des Anbieters iShares übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Günstige Gebühren

Schwächen:

  • Investments in Bergbauunternehmen
  • Investments in Atomenergiezulieferer
  • Investments in Munitionshersteller und Militärzulieferer
  • Zukunftsträchtigkeit der Investments fraglich

Fazit

Auch neun Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima kann Japan nicht von der Atomkraft lassen – und über Umwege findet diese auch ihren Weg in diesen ETF. Davon abgesehen legt der ETF in ganz normale, nur eben japanische Unternehmen an. ESG, also Ökologie, Soziales und verantwortliche Unternehmensführung, findet sich vor allem im Titel des ETF. Innendrin ist es eher dunkel als grün.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: 4,0

Nachhaltigkeit: 5,0

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 15.12.2020

Stichtag des Tests Finanzen: 6.1.2021

Name des ETF: iShares MSCI Japan SRI EUR hedged

ISIN: IE00BYVJRQ85 / WKN: A2AFC1

Nachgebildeter Index:  MSCI Japan SRI 100% Hedged to EUR Index

Start des ETF: 29.4.2016

Jährliche Gebühren: 0,25 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 112 Millionen Euro (11/2020)

Internet: www.ishares.com/de

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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