Unternehmen, die Öl und Erdgas fördern, sind im ETF ausgeschlossen – Ölraffination und Erdgas-Geschäfte aber nicht. / Foto: Pixabay

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ETF-Test: Amundi Index MSCI World SRI UCITS ETF DR USD ACC

Dieser ETF will weltweit und nachhaltig investieren. Sein Name: Amundi Index MSCI World SRI. ECOreporter hat sich den ETF genau angeschaut – und bei der Auswahl seiner Aktien klare Stärken und deutliche Schwächen ausgemacht. Die Analyse zieht ein eindeutiges Fazit und zeigt auch, wie der ETF sich finanziell entwickelt hat.

Anbieter des ETFs ist der französische Vermögensverwalter Amundi, ein 2010 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen der französischen Großbanken Crédit Agricole und Société Générale. Sowohl Amundi als auch die beiden Banken selbst investieren Kundengelder in Öl, Kohle und Rüstung.

Finanzen / Risiko

Der ETF wurde im September 2018 aufgelegt. Auf ein Jahr gesehen ist er 33,5 Prozent im Plus, der weltweite Aktienindex MSCI World hat in der gleichen Zeit 32,2 Prozent an Wert gewonnen. In den letzten drei Jahren konnte der ETF 77,7 Prozent zulegen (MSCI World: 72,5 Prozent).

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs bei ECOreporter und Details zur Wertentwicklung.

Die Jahresgebühren sind mit 0,18 Prozent auch für einen ETF günstig. Die Wertschwankungen über drei Jahre liegen im Rahmen vergleichbarer ETFs. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von fünf, besser sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in 380 mittlere und große Unternehmen aus 23 Industrieländern. Als Industrieländer gelten nach Definition der Finanzwelt etwa die USA, Deutschland oder Japan – nicht aber beispielsweise Südkorea oder China. Der Grund sind Beschränkungen für ausländische Investoren in den beiden asiatischen Ländern.

Für die Auswahl der Aktien wendet der ETF ein „Best-in-Class“-Verfahren in zwei Schritten an. Zunächst müssen alle Unternehmen bei einer ESG-Bewertung eine Mindestnote aufweisen, um für den ETF in Frage zu kommen. ESG steht für die Kriterien Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Unter den verbliebenen Unternehmen wird dann in jeder Branche das nachhaltigste Viertel ausgewählt.

Der ETF bildet einen Aktienindex des US-Finanzdienstleisters MSCI ab. Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammen ebenfalls von MSCI.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die in Beziehung zu Herstellung oder Vertrieb von geächteten Waffen (etwa Streumunition oder Chemiewaffen) stehen oder die Tabakprodukte herstellen. Auch der Abbau von Thermalkohle und die Öl- und Gasförderung sind tabu.

Eine Umsatzschwelle von 5 Prozent gilt für die Herstellung von Alkohol, Pornografie und Waffen, den Verkauf von Tabakprodukten, Glücksspielangebote und den Handel mit gentechnisch modifiziertem Saatgut oder Lebensmitteln, die Gentechnik enthalten.

Erlaubt ist hingegen die Stromerzeugung aus Atomkraft oder Kohle, wenn der Anteil dieses Geschäfts am Gesamtumsatz des Unternehmens unter 5 Prozent bleibt. Bei der Energieerzeugung aus Öl und Gas liegt die Grenze sogar erst bei 30 Prozent.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF investiert in die Ölkonzerne Ampol (ehemals Caltex) aus Australien, Neste aus Finnland, Phillips 66 aus den USA und Royal Vopak aus den Niederlanden. Alle stellen Treibstoff her und betreiben etwa Öl-Pipelines. Auch im ETF vertreten sind die Erdgas-Verteiler Atmos Energy, Cheniere Energy, ONEOK (alle USA), Enagas (Spanien) und Snam (Italien). Da keines der Unternehmen selbst Öl oder Gas fördert, verstoßen Investments in diese Firmen nicht gegen die Kriterien des ETFs.

Im ETF finden sich zudem die Industriekonzerne Daikin Industries und Komatsu aus Japan, die als Rüstungszulieferer für die japanischen Streitkräfte aktiv sind. Daikin stellt etwa Granaten und Gefechtsköpfe her, Komatsu Munition. In beiden Fällen liegt der Umsatz mit Waffentechnik nach Erkenntnissen der Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E (ehemals Vigeo Eiris) unter 5 Prozent, der ETF verstößt also auch hier nicht gegen seine Ausschlusskriterien.

Mehrere im ETF vertretene Unternehmen (Ball Corporation, Caterpillar, Microsoft u.a.) sind nach V.E-Erkenntnissen im begrenzten Maße als Zulieferer für Militär und Nuklearindustrie tätig und liefern etwa Motoren, Stromgeneratoren oder Software.

Kritisch sieht ECOreporter auch Investments wie die Fluglinie Delta Airlines oder den Unterhaltungskonzern Walt Disney, der auch ein großer Kreuzfahrtanbieter ist, sowie Finanzkonzerne wie den US-Vermögensverwalter BlackRock.

Im Aktienpaket des ETFs finden sich zahlreiche nachhaltige Unternehmen, beispielsweise der dänische Windturbinenbauer Vestas, der österreichische Wasserstoffexperte Verbund, der australische Palettenvermieter Brambles oder die Bonner Deutsche Post DHL Group. Insgesamt ist die Aktienauswahl konventionell. Zu den zehn größten Positionen des ETFs gehören der US-Elektroautobauer Tesla, der US-Limonadenhersteller Coca-Cola und der Schweizer Pharmakonzern Roche.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind auf der Website von Amundi knapp dargestellt. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlprinzip des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien im ETF finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Amundi übt nach eigenen Angaben Stimmrechte bei Hauptversammlungen aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken

  • Sehr günstige Gebühren
  • Viele Investments mit guter Nachhaltigkeitsbilanz
  • Keine Investments in Erdöl-, Gas- und Kohleförderung

Schwächen

  • Investments in Ölgeschäfte und Erdgas
  • Atomenergie und Kohlestrom bis 5 Prozent erlaubt
  • Ausschlusskriterien mit vielen Schlupflöchern

Fazit

Viel der konventionellen Unternehmen im ETF besitzen eine gute Nachhaltigkeitsbilanz – das Best-in-Class-Verfahren ist hier vergleichsweise anspruchsvoll. Allerdings lassen Schlupflöcher in den Ausschlusskriterien gleichzeitig Investments in Erdöl-, Gas- und Rüstungsgeschäfte zu. So gehört der ETF zwar insbesondere unter den weltweit orientierten ETFs bei weitem nicht zu den schmutzigsten Vertretern der Branche. Allerdings finden kompromissbereite Anlegerinnen und Anleger noch bessere ETF-Alternativen. Orientierung gibt diese ECOreporter-Übersicht.

ECOreporter-Noten:

Finanzen: 2,0

Nachhaltigkeit: 4,7

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests: 7.12.2021

Name des ETFs: Amundi Index MSCI World SRI UCITS ETF DR USD ACC

ISIN: LU1861134382 / WKN: A2JSDA

Nachgebildeter Index: MSCI World SRI Filtered ex Fossil Fuel Index

Start des ETFs: 10.9.2018

Jährliche Gebühren: 0,18 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 2,7 Milliarden Euro (12/2021)

Internet: www.amundietf.de

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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