Der ETF investiert in Aktien aus dem Wirtschaftsraum Asien-Pazifik, darunter etwa der Finanzplatz Hong Kong. / Foto: Pixabay

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ETF-Test: L&G Asia Pacific ex Japan Equity UCITS ETF

Dieser ETF von Legal & General kauft nach eigenen Angaben nachhaltige Aktien aus der Region Asien-Pazifik, also z.B. aus Australien und Singapur. L&G Asia Pacific ex Japan Equity ETF heißt das Produkt – wie nachhaltig ist es wirklich? ECOreporter hat den ETF eingehend getestet.

Anbieter des ETFs ist der britische Vermögensverwalter Legal & General Investment Management (LGIM). LGIM ist Mitbegründer der Klima-Initiative „Net Zero Asset Managers“. Fondsgesellschaften versprechen hier, ihre Portfolios klimaneutral aufstellen zu wollen. Der Haken an diesem Versprechen: Sie räumen sich selbst eine Frist bis zum Jahr 2050 ein. Bleibt zu hoffen, dass es dann sowieso nur noch klimaneutrale Investments gibt – und dass das Klima dann noch zu retten ist.

Sinnvoll: LGIM listet jährlich Unternehmen auf, die beim Klimaschutz besonders hinterherhinken. Investments in diese Unternehmen schließt LGIM aus. So steht etwa der Ölriese Exxon Mobil für LGIM und damit auch für diesen ETF auf der Ausschlussliste.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im November 2018. Da er damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine ECOreporter-Finanznote.

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs und Details zur Wertentwicklung bei ECOreporter.

Die Jahresgebühr von 0,10 Prozent ist auch für einen ETF sehr günstig.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF legt in 165 Unternehmen aus entwickelten Märkten des Wirtschaftsraums Asien-Pazifik ohne Japan an. Asien-Pazifik ist eine Schöpfung der Wirtschaftswissenschaften und bildet gemeinsam mit der EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) und Amerika die Triade der drei größten Wirtschaftsräume der Welt. Grob umfasst Asien-Pazifik die Regionen Asien, Australien und Ozeanien, die im Westpazifik oder in der Nähe davon liegen.

Allerdings ist nicht fest definiert, welche Länder genau zu diesem Raum zählen. Das Asia-Pazifik des ETFs umfasst Australien, Hongkong, Singapur, die Kaimaninseln, Neuseeland, Bermuda, Papua Neu-Guinea – und die USA. Aus den Vereinigten Staaten sind aber kaum Unternehmen vertreten.

Laut Eigenbeschreibung „fördert“ der ETF „eine Reihe von ökologischen und sozialen Merkmalen, die durch die Nachbildung des Index erfüllt“ werden sollen. Der Anbieter L&G vertreibt den ETF explizit in der Kategorie „Verantwortungsvolles Investieren“.

Der nachgebildete Index ist der Solactive Core Developed Markets Pacific ex Japan Large & Mid Cap Index. Dieser soll in große und mittlere Unternehmen investieren, die insgesamt 85 Prozent der Marktkapitalisierung der Pazifikregion ausmachen. Dabei gibt es keine konkreten Ansprüche an eine messbare Nachhaltigkeits-Leistung durch Unternehmen, etwa an eine Mindestbenotung durch eine Nachhaltigkeits-Ratingagentur. Es gibt lediglich recht vage Ausschlusskriterien.

Der Frankfurter Finanzdienstleister Solactive trifft die Auswahl der Unternehmen und erstellt den Index im Auftrag des ETF-Anbieters LGIM. Die Kriterien legt LGIM fest.

Ausschlusskriterien

Laut Solactive „wird angestrebt“, Unternehmen auszuschließen, die an der Herstellung umstrittener Waffen beteiligt sind, anhaltende Verstöße gegen den UN Global Compact begehen und/oder reine Kohlebergbauunternehmen sind beziehungsweise mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohlebergbau erzielen.

Nicht ausgeschlossen sind damit generell etwa Kohlestromerzeuger, Betreiber von Atomkraftwerken und Waffenproduzenten.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF investiert beispielsweise in mehrere Bergbaukonzerne, darunter etwa die BHP Group und Rio Tinto aus Australien, die einen Teil ihrer Umsätze mit dem Fördern von Öl, Kohle und Uran erzielen. Die Unternehmen betreiben weder ausschließlich Kohlebergbau, noch verletzten sie mit ihrem Kohlegeschäft die in den Ausschlusskriterien genannte Umsatzschwelle. Sie verstoßen daher nicht gegen die Kriterien des ETFs. Die Energiekonzerne AGL Energy und Origin Energy aus Australien sowie Genesis Energy aus Neuseeland erzeugen Kohlestrom.

Rio Tinto und BHP sehen sich zudem immer wieder zahlreichen Vorwürfen ausgesetzt, mit ihren Bergwerkstätigkeiten zu Umweltzerstörung und Gewässerverschmutzung beizutragen. Beide Konzerne sollen wiederholt die Bildung von Gewerkschaften aktiv bekämpft und Regelungen zum Schutz der Mitarbeiter aktiv missachtet haben. "Anhaltende Verstöße gegen den UN Global Compact" sind den Unternehmen damit aber nicht nachgewiesen.

Ebenfalls im ETF vertreten ist der Rüstungs- und Technologiekonzern ST Engineering aus Singapur, der konventionelle Waffen wie Sturmgewehre und Granatwerfer produziert. Immerhin: Anders als sein europäisches Gegenstück enthält der ETF keine Hersteller von Atomwaffen.

Andere Unternehmen (CK Infrastructure Holdings, Bluescope Steel, Singapore Telecommunications u.a.) sind nach Erkenntnissen der Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E (ehemals Vigeo Eiris) in geringem Umfang als Dienstleister oder Zulieferer für Militär und Nuklearindustrie tätig, etwa von Technikkomponenten, Stahl oder Software.

Die Endeavour Group aus Australien besitzt etwa 30 Prozent der Pubs im Land und betreibt Glücksspielautomaten.

Kurzes Zwischenfazit: Der ETF investiert in konventionelle Unternehmen, auffallend grüne Firmen sind nicht darunter. Gute Nachhaltigkeitsnoten erhalten bei V.E etwa der Immobilieninvestor Dexus oder der Palettenvermieter und ECOreporter-Aktien-Favorit Brambles, beide aus Australien.

Auch bemerkenswert: Die meisten Unternehmen im ETF stammen aus dem Finanzsektor. So sind unter den zehn größten Positionen fünf australische Banken: die Commonwealth Bank of Australia, die Westpac Banking Corporation, die National Australia Bank, die Australia and New Zealand Banking Group und die Macquarie Group. Dazu kommen noch, ebenfalls in den Top Ten, die Versicherungsgruppe AIA und das Holdingunternehmen Hong Kong Exchanges and Clearing, beide aus Hong Kong.

Transparenz

LGIM veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind online umfassend dargestellt. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, gibt es vom ETF-Anbieter im Factsheet keine Angaben.

Nachhaltige Wirkung

Anlegerinnen und Anleger können auf der LGIM-Website den jährlich erneuerten „Climate Impact Pledge“-Report herunterladen, der auch über Fragen und Forderungen an Unternehmen zu Nachhaltigkeitsthemen informiert. Über Dialoge mit Unternehmen finden sich mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen.

Stärken:

  • Sehr günstige Gebühren
  • Transparente Berichterstattung

Schwächen:

  • Kein nachvollziehbares Nachhaltigkeitskonzept
  • Sehr schwaches Auswahlverfahren
  • Investments in Kohlestrom
  • Investments in Kohle- und Uranbergbau
  • Investments in Ölförderung
  • Investments in Rüstung
  • Investments in Glücksspiel und Alkohol

Fazit

Die angebliche Nachhaltigkeit dieses ETFs entpuppt sich beim Blick auf Methodik und konkrete Investments schnell als bloße Werbe-Behauptung. Mit einer nachhaltigen Geldanlage hat dieser ETF nicht viel zu tun.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: --

Nachhaltigkeit: 4,7

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Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 13.8.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 13.8.2021

Name des ETFs: L&G Asia Pacific ex Japan Equity UCITS ETF

ISIN: IE00BFXR5W90 / WKN: A2N4PT

Nachgebildeter Index: Solactive Core Developed Markets Pacific ex Japan Large & Mid Cap Index

Start des ETFs: 13.11.2018

Jährliche Gebühren: 0,10 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 184,9 Millionen US-Dollar (8/2021)

Internet: www.fundcentres.lgim.com

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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