Wasserkraftwerk des österreichischen Stromversorgers Verbund. Die ECOreporter-Favoriten-Aktie ist im Portfolio des ETFs vertreten. / Foto: Unternehmen

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ETF-Test: Lyxor New Energy (DR) UCITS ETF

Erneuerbare Energie: Das ist das Versprechen dieses Themen-ETFs. Und tatsächlich sind viele grüne Unternehmen im Portfolio vertreten. Ein wirklich nachhaltiger ETF also? Und wie entwickelt sich sein Wert?

Anbieter des ETFs ist Lyxor, eine Tochter der französischen Großbank Société Générale. Die Bank selbst investiert Kundengelder auch in Öl, Gas und Kohle. Erst ab 2030 will Lyxor keine neuen Gelder mehr in Kohleförderer und Kohlestromerzeuger anlegen. Bereits bestehende Kohleinvestments sollen aber noch bis 2040 im Portfolio bleiben dürfen.

Wie sauber ist der ETF? Der ECOreporter-Test liefert die Antworten.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Finanzen/Risiko

Der ETF hat sich finanziell herausragend entwickelt. Auf ein Jahr gesehen hat er 57,9 Prozent an Wert gewonnen, der weltweite Aktienindex MSCI World stieg im selben Zeitraum nur um 16,3 Prozent. Auf fünf Jahre gesehen ist der ETF 186 Prozent im Plus und schlägt damit ebenfalls die sehr guten 92,2 Prozent Zugewinn des MSCI World.

Die Gebühren (TER) sind mit 0,6 Prozent deutlich höher als bei vergleichbaren ETFs. Der Kurs schwankt stark, die Kursausschläge nach oben und unten betrugen über die letzten drei Jahre im Durchschnitt 24,4 Prozent. ECOreporter empfiehlt daher eine Haltedauer von mindestens sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF bildet den World Alternative Energy Total Return Index des Lyxor-Mutterkonzerns Société Générale nach. Der Index soll die Wertentwicklung der 40 weltweit größten Unternehmen darstellen, die in den Bereichen erneuerbare Energien, dezentrale Energie oder Energieeffizienz tätig sind und mindestens 40 Prozent ihres Umsatzes mit Aktivitäten im Zusammenhang mit alternativen Energien erzielen. Die Auswahl der Aktien übernimmt die internationale Investmentgesellschaft Robeco.

Ausschlusskriterien

Als Themen-ETF investiert der New Energy ETF ausschließlich in Unternehmen aus den Bereichen Erneuerbare-Energie-Erzeugung sowie Ausrüstung und Technologie für erneuerbare Energien. Ausschlusskriterien gibt es nicht, auch nicht für fossile Energieträger. Das bedeutet: Liegt der Umsatz mit erneuerbarer Energie bei einem Unternehmen bei den mindestens geforderten 40 Prozent, kann es durchaus auch als Kohle- und Atomstromversorger tätig sein.

So nachhaltig ist dieser ETF

Zahlreiche kerngrüne Unternehmen sind im ETF vertreten: etwa der österreichische Stromversorger Verbund, der dänische Windturbinenbauer Vestas oder der israelische Solarkonzern SolarEdge. Das sind Gewinner und Antreiber der Energiewende sowie ECOreporter-Favoriten-Aktien. Auch in Wasserstoffunternehmen wie Ballard Power und Plug Power aus den USA investiert der ETF.

Aber der ETF hält auch Anteile an problematischen Unternehmen. Beispielsweise Aktien des französischen Elektrotechnikkonzerns Schneider Electric. Dieser stellt etwa Steuerungssoftware und Dienstleistungen für Kernkraftwerke bereit. Und die Energieversorger NextEra Energy aus den USA, Iberdrola aus Spanien und Electric Power Development aus Japan betreiben sowohl Kohle- als auch Atomkraftwerke.

Transparenz

Anlegerinnen und Anleger können alle Aktien des ETFs auf der Internetseite des Anbieters Lyxor einsehen. Das Auswahlverfahren ist in den Unterlagen zum ETF vollständig beschrieben. Mit vertretbarem Zeitaufwand finden Anleger beim ETF-Anbieter keine Informationen zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält.

Nachhaltige Wirkung

Der ETF-Anbieter Lyxor übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an oder Informationen zu Dialogen mit Unternehmen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Sehr starke finanzielle Entwicklung
  • Investments in viele nachhaltige Unternehmen

Schwächen:

  • Investitionen in Unternehmen, die Geschäfte im Bereich Kohle- und Atomstrom machen
  • Starke Wertschwankungen

Fazit

Erneuerbare Energie ja – aber mit viel Kohle, Atomkraft und anderen Geschäftsfeldern. Lyxor setzt mit diesem ETF nur teilweise auf grüne Energieunternehmen und erlaubt reichlich Geschäftsbereiche, die dem Klima schaden. Das ist nicht nachhaltig und auf längere Sicht auch mit finanziellen Risiken verbunden. Wobei die Wertentwicklung bei diesem ETF bisher noch der positivste Faktor ist. Fällt der weg, dann gibt es gar kein Argument mehr für das Produkt.

Wenn die Lyxor-Verantwortlichen zumindest auf Unternehmen setzen würden, die den Ausstieg aus der Kohle und der Atomkraft in den nächsten Jahren festgeschrieben haben – man könnte dahinter eine Unterstützung für die Energiewende vermuten. Ausstiegspläne hat aber nur Iberdrola, und das auch lediglich für die Kohle. So kann es nur ein Fazit geben: Hier handelt es sich um Greenwashing.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: 1,4

Nachhaltigkeit: 5,3

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 11.01.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 13.01.2021

Name des ETFs: Lyxor New Energy (DR) UCITS ETF

ISIN: FR0010524777 / WKN: LYX0CB

Nachgebildeter Index: World Alternative Energy Total Return Index

Start des ETFs: 10.10.2007

Jährliche Gebühren: 0,60 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: ausschüttend

Fondsvolumen: 962,1 Millionen Euro (1/2021)

Internet: www.lyxoretf.de

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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