Denken Roboter bei der Geldanlage nun nachhaltig? Bisher sind die „Robo-Advisors“ nur eine Software, die meist mit recht wenigen Finanzprodukten gefüttert ist und Kundenwünsche erfüllen soll. / Foto: imago images, Ronald Grant

  Fonds / ETF

Fünf nachhaltige Robo-Advisors im Test – können Roboter grün denken?

Einen schlauen Computer ohne viel Aufwand und Kosten die Geldanlage regeln lassen – das versprechen Robo-Advisors. Es gibt auch nachhaltige Angebote. ECOreporter hat fünf getestet.

Kann der Computer auch Moral? Nachhaltigkeit? Ethik? Wenn es um Geld geht: angeblich ja. Dann heißt der Computer „nachhaltiger Robo-Advisor“. Seine Rolle: Vermögensverwalter, aber digital. Letztlich geht es um Software, um Algorithmen. Die Software soll für Kundinnen und Kunden die passende Geldanlage auswählen. Folglich fragt der Robo-Advisor online, welche Rendite man erwartet, welches Risiko man eingehen möchte und wie lange man sein Geld anlegen will.

Die Software stellt dann verschiedene Finanzprodukte zusammen, meist Fonds oder ETFs. Soll das Risiko gering sein, legt der Robo-Advisor den Schwerpunkt auf Rentenfonds. Wer mehr wagen will, bekommt vor allem Aktienfonds oder -ETFs angeboten. Bei einigen Anbietern enthalten die Portfolios nur eine Handvoll Fonds, bei anderen mehrere Dutzend. Maßgeschneiderte Geldanlage, tönt manche Robo-Advisor-Werbung. In Wahrheit haben die Anbieter meist nur drei bis sieben feste Produktkörbe. Diese fünf Robo-Advisors hat ECOreporter getestet:

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Einer der ältesten Robo-Advisors in Deutschland ist VisualVest. Union Investment, die Frankfurter Investmentgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, hat ihn 2016 gestartet. Er bietet – anders als die anderen hier vorgestellten Robo-Advisors – auch nicht-nachhaltige Finanzprodukte an. In den sieben GreenFolios von VisualVest finden sich aber nur Fonds und ETFs mit nachhaltigem Anspruch. Tiefgrün sind die GreenFolios allerdings nicht, Näheres zeigt die Tabelle unten. Dafür punktet VisualVest mit vergleichsweise niedrigen Jahreskosten von ungefähr 1,2 Prozent. Die jährliche Servicegebühr beträgt günstige 0,6 Prozent, dazu kommen die laufenden Kosten für die Fonds und ETFs.

Auch Klimafonds.de richtet sich an Anlegerinnen und Anleger, die keine großen Ansprüche an Nachhaltigkeit stellen. Der Robo-Advisor des Finanzdienstleisters Grünes Geld aus Aschaffenburg investiert ausschließlich in ETFs. Eine Einmalanlage ist ab 500 Euro möglich, ein Sparplan ab 100 Euro im Monat. Wie bei den meisten vorgestellten Robo-Advisors können Kundinnen und Kunden jederzeit Geld entnehmen und die Zusammensetzung der Portfolios bereits vor Vertragsabschluss einsehen. Mit Jahresgesamtkosten von im Schnitt knapp 1,6 Prozent ist Klimafonds.de für ein ETF-Angebot nicht günstig. ETFs kosten meist nur zwischen 0,2 und 0,4 Prozent.

Im direkten Vergleich: Fünf nachhaltige Robo-Advisors

NameGLS onlineInvestKlimafonds.devividamVisualVestpax-investify
InitiatorGLS BankGrünes Geld GmbHFiNet A.M. AGUnion InvestmentPax-Bank
Gestartet20202018201820162018
Internetwww.gls.deklimafonds.dewww.vividam.dewww.visualvest.dewww.investify.com/pax-investify
Verwaltetes Vermögen 31.8.202125,6 Mio. €k.A.15,0 Mio. €> 3.000 Mio. €k.A.
Einmalanlage ab500 €500 €1.000 €500 €5.000 €
Sparplan ab25 €/Monat100 €/Monat50 €/Monat 25€/Monat50 €/Monat 
Entnahmen jederzeit möglich?jajajajabis zum Mindest-anlagebetrag
Jahresgebühren inkl. Fondskosten1,99 - 2,58 %ca. 1,57 %2,53 - 2,97 %1,1 - 1,3 %ca. 1,67 %
Nachhaltige Anlagestrategien33477 (plus Zusatzthemen)
ProduktartenFondsETFsFonds, ein ETFFonds, ETFsFonds, ETFs
Fonds/ETFsGLS Bank Klimafonds, GLS Bank Aktienfonds, B.A.U.M. Fair Future Fonds, FairWorldFonds, CSR Bond PlusiShares Euro Corp Bond SRI 0-3yr ETF, UBS MSCI World Socially Responsible ETF, iShares Global Clean Energy ETF, iShares Global Timber & Forestry ETF, iShares Global Water ETFu.a. avesco Sustainable Hidden Champions, LSF Solar & Sustainable Energy, Ökoworld – Klima, Pictet Global Environmental Opportunities, RobecoSAM Sustainable Water Equities, terrAssisi Aktien, Kepler Ethik Rentenfonds, Sarasin FairInvest-Bond, Steyler Fair Invest Bonds (insgesamt 27)Allianz Euro Credit SRI, UBS Lux Money Market, DPAM L Bonds Government, Xtrackers II - ESG EUR Corp. Bond ETF, iShares Euro High Yield Corp. Bond ESG ETF, JSS OekoSar Equity - Global P, iShares MSCI World SRI ETF, iShares MSCI Emerging Markets SRI ETF k.A.
Nachhaltigkeit der Fonds/ETFssehr hochgeringhochgering-
Transparenzhochhochhochhochgering
Ausschlusskriterienstrengnicht anspruchsvollstrengnicht anspruchsvollstreng
Wertentwicklung sicherste Anlagevariante:
1 Jahr (1.11.2020-31.10.2021)

2,3% 1

11,0%11,9%4,0%-1,7%
3 Jahre (1.11.2018-31.10.2021)-28,1%24,3% 211,9%0,9%
Wertentwicklung riskanteste Anlagevariante:
1 Jahr (1.11.2020-31.10.2021)10,3% 128,2%35,9%18,9%23,7%
3 Jahre (1.11.2018-31.10.2021)-68,1%53,0% 332,9%37,8%

Daten ohne Gewähr; 1 Seit Start am 1.12.2020; 2 Seit Start am 1.12.2018; 3 Seit Start am 1.7.2019

vividam verwaltete im September 2021 ein Vermögen von 15 Millionen Euro und ist damit der kleinste Robo-Advisor in der Liste. Bei der Vielfalt des Fondsangebots liegt er jedoch ganz vorne: vividam wählt aus 26 Fonds und einem ETF aus. Die meisten Produkte sind nach Einschätzung von ECOreporter sehr nachhaltig. Der Robo-Advisor investiert beispielsweise in Fonds von Ökoworld, Pictet und der Steyler Bank. Weil diese Fonds meist deutlich höhere Gebühren haben als etwa ETFs, liegen die Jahresgesamtkosten zwischen 2,5 und knapp 3 Prozent. Angeboten wird vividam vom Vermögensverwalter FiNet Asset Management aus Marburg, der auch nachhaltige Fonds managt.

Einen hohen Nachhaltigkeitsanspruch verfolgt auch GLS onlineInvest. Das ist der Ende 2020 gestartete Robo-Advisor der GLS Bank aus Bochum. Er legt fast ausschließlich in Fonds an, welche die GLS selbst gestartet oder mitentwickelt hat, etwa den GLS Bank Aktienfonds und den FairWorldFonds. Die Jahreskosten liegen zwischen 2 und knapp 2,6 Prozent. Sparpläne sind bereits ab 25 Euro im Monat möglich.

Der pax-investify kommt von der kirchennahen Pax-Bank aus Köln. Die Jahreskosten sind mit ungefähr 1,67 Prozent nicht hoch, die Pax-Bank macht aber im Gegensatz zu den anderen getesteten Anbietern nicht öffentlich, in welche Fonds und ETFs sie investiert. Das erfahren Anlegerinnen und Anleger erst, wenn sie zum ersten Mal Geld eingezahlt haben. Auch die hohe Mindestanlagesumme von 5.000 Euro könnte Interessenten abschrecken. Immerhin: Für die Auswahl der Fonds und ETFs gelten bis auf Verhütung und Abtreibung die überwiegend strengen Ausschlusskriterien der Pax-Bank.

Und die Renditen?

ECOreporter hat bei den Anbietern die Wertentwicklungen ihrer jeweils risikofreudigsten und risikoärmsten Anlagestrategie abgefragt. In beiden Kategorien schneiden vividam und Klimafonds.de gut ab (siehe Tabelle). Auf lange Sicht legten ihre risikofreudigsten, also aktienlastigsten Portfolios etwas mehr zu als der MSCI World Index, in dem Aktien aus der ganzen Welt versammelt sind: Er gewann in den letzten drei Jahren 64 Prozent, seit dem etwas späteren Start des risikofreudigsten vividam-Angebots legte er 47 Prozent zu.

Auch bei den defensivsten Anlagestrategien stehen vividam und Klimafonds.de etwas besser da als der Gesamtmarkt. VisualVest und pax-investify erzielten auf Sicht von einem und drei Jahren schwächere Renditen, weil die Aktienquoten in den Portfolios niedriger sind. Der GLS onlineInvest ist noch zu jung, um seine Wertentwicklungen bewerten zu können.

Fazit

Robo-Advisors eignen sich für Menschen, die in Aktien und Anleihen investieren wollen, ohne sich Gedanken um die Auswahl und Gewichtung von Fonds machen zu müssen. Der Preis dafür: etwa 1 Prozent Servicegebühr pro Jahr (bei VisualVest 0,6 Prozent). Dazu kommen die laufenden Fondskosten, die auch bezahlen muss, wer die Fonds und ETFs selbst kauft.

Bis auf pax-investify sind alle hier vorgestellten Vermögensverwalter sehr transparent, bei der Nachhaltigkeit der Portfolios gibt es aber deutliche Unterschiede: GLS onlineInvest und vividam sind kerngrün, VisualVest und Klimafonds.de deutlich konventioneller. Das Angebot von pax-investify kann ECOreporter nicht bewerten, weil der Anbieter die dazu notwendigen Daten nicht herausgibt. Im Renditevergleich liegen vividam und Klimafonds.de vorne.

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