Die Fondswelt wird immer grüner - zumindest auf dem Papier. / Foto: Pixabay

  Fonds / ETF

Immer mehr ESG-Fonds – auch immer mehr Grünwäscherei?

In Deutschland sind 2020 so viele als nachhaltig beworbene Fonds neu aufgelegt worden wie nie zuvor. Ein Grund für den Boom sind neue EU-Vorschriften.

Nach Angaben des Berliner Research-Unternehmens Scope haben Fondsanbieter hierzulande im letzten Jahr 249 neue Produkte auf den Markt gebracht, die sich an ökologischen, sozialen und an Kriterien guter Unternehmensführung (den sogenannten ESG-Kriterien) orientieren. Bereits seit einigen Jahren wächst das Produktangebot rasant: 2017 kamen 110 neue ESG-Fonds heraus, 2018 schon 161, 2019 waren es 172. Insgesamt können Anlegerinnen und Anleger laut Scope in Deutschland mittlerweile unter mehr als 1.500 ESG-Produkten wählen. Im ersten Quartal 2021 seien 56 weitere hinzugekommen.

Mehr als die Hälfte aller ESG-Fonds (809) sind Scope zufolge Aktienfonds. Der Rest entfällt zu ungefähr gleichen Teilen auf Renten- und Mischfonds. Das Gesamtvolumen der nachhaltigen Fonds beträgt ungefähr 700 Milliarden Euro.

Welche Schublade darf's denn sein?

Neben der gestiegenen Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten ist der ESG-Boom auch auf die im März in Kraft getretene EU-Offenlegungsverordnung zurückzuführen, auf die sich einige Fondsanbieter bereits im letzten Jahr vorbereitet hatten. Kapitalverwaltungsgesellschaften müssen jetzt transparent über Nachhaltigkeitsaspekte ihrer Finanzprodukte informieren und ihre Fonds in eine von drei Schubladen einsortieren: Nicht nachhaltige Produkte fallen unter Artikel 6 der Verordnung. Wenn Fonds ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen, erfüllen sie die Kriterien nach Artikel 8, die Finanzbranche spricht in dem Fall von hellgrünen Fonds. Dunkelgrün nach Artikel 9 sind Produkte, die ein konkretes Nachhaltigkeitsziel verfolgen.

Um für Anlegerinnen und Anleger attraktiver zu werden, haben einige Fondsanbieter herkömmliche Produkte auf nachhaltig getrimmt – teilweise ohne größere inhaltliche Veränderungen. Zudem starten immer mehr Kapitelverwaltungsgesellschaften neue Fonds, die die Kriterien der Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung erfüllen sollen. Bislang legen die Gesellschaften allerdings alleine fest, in welche Schublade ihre Fonds gehören – eine unabhängige Überprüfung findet noch nicht statt.

Nach Angaben der Ratingagentur Morningstar dürften in Europa derzeit etwa 25 Prozent aller Fonds und ETFs als nachhaltig nach Artikel 8 oder 9 ausgewiesen sein (ECOreporter berichtete hier). Insbesondere als grün deklarierte ETFs fallen im ECOreporter-Test bei der Nachhaltigkeit meist durch – alle ETF-Tests finden Sie hier.

Informationen und Tests zu wirklich nachhaltigen Aktien-, Misch- und Mikrofinanzfonds finden Sie hier.

Mehr zum Thema EU-Offenlegungsverordnung können Sie hier lesen.

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