Der grüne Fonds klimaVest legt bislang ausschließlich in Wind- und Solaranlagen an. Ist der Commerzbank-Fonds eine attraktive nachhaltige Geldanlage? / Foto: Pixabay

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Im Test: klimaVest von Commerz Real – der neue Klimaschutzfonds der Commerzbank

Der Fonds klimaVest soll einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Diese nachhaltige Wirkung will der Fonds derzeit vor allem mit Investitionen in Erneuerbare-Energien-Projekte erreichen. Mehrere Windparks und einen Solarpark hat er bislang gekauft. Mindestens 10 Milliarden Euro Eigenkapital sollen von Privatanlegern kommen, die den Fonds ab 10.000 Euro plus bis zu 5 Prozent Agio zeichnen können. ECOreporter hat das Angebot analysiert. Was müssen Anlegerinnen und Anleger vor einer möglichen Zeichnung wissen?

Den in Luxemburg ansässigen Fonds mit der Bezeichnung „klimaVest ELTIF“ verwaltet die luxemburgische Commerz Real Fund Management S.à r.l. Anlageberater des Fonds ist die Commerz Real AG aus Wiesbaden, die zur Commerzbank-Gruppe gehört. ELTIF steht für “European Long Term Investment Fund”.

Fonds-Initiator mit langjähriger Erfahrung

Commerz Real hat nach eigenen Angaben in den Bereichen Transport & Mobilität, netzgebundene Infrastruktur sowie Energieerzeugung bislang Transaktionen mit einem Volumen von zusammen ca. 7 Milliarden Euro abgeschlossen. Im Bereich Erneuerbare Energien verwaltet die Commerz Real den Angaben nach mehr als 50 Solarkraftwerke und neben dem klimaVest-Portfolio noch 14 weitere Windparks an Land und auf dem Meer mit einer Gesamtleistung von über 1 Gigawatt.

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Investitionsbereiche des Fonds

Auch beim klimaVest sollen Erneuerbare Energien einen Schwerpunkt darstellen. Laut Informationsmemorandum werden bis zu 100 Prozent der Anlagevermögenswerte im Bereich der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen (beispielsweise Wind, Solar, Wasserkraft, Kraft-Wärme-Kopplung, Bioenergie und Geothermie) investiert.

Bis zu 75 Prozent der Investitionen dürfen in den Bereich Energieübertragung und Energiespeicherung fließen, beispielsweise in Stromversorgungssysteme (Stromnetze und Umspannwerke), Gasnetze, Fernwärmenetze, Energieinfrastrukturen in Speichertechnik und andere Energietechnologien.


Der klimaVest ist ein nachhaltiges Investment mit flexiblem Konzept: Der Fonds kann in unterschiedliche Branchen investieren, u.a. in E-Autos. / Foto: Pixabay

Ebenfalls zusammen maximal 75 Prozent der Anlagevermögenswerte sind für die Bereiche sauberer Verkehr, Transport und Mobilität vorgesehen. Mögliche Projekte sind laut Informationsmemorandum beispielsweise Stromtankstellen und Elektromobilität in Form von Elektroautos, Pedelecs, Elektrolastkraftwagen, Batteriebussen, Schienen- und Nahverkehrssystemen.

Nicht mehr als 25 Prozent des Fondsvolumens dürfen in andere nachhaltige Vermögenswerte wie ökologische Land-, Forst- und Agrarwirtschaft sowie Recyclinganlagen fließen, die wie alle Investitionen des Fonds einen positiven und messbaren Beitrag zum Erreichen ökologisch nachhaltiger Ziele im Sinne der Taxonomie-Verordnung leisten sollen.

Umweltziele des Fonds

Die Taxonomie-Verordnung bezeichnet die EU-Verordnung Nr. 2020/852 vom 18. Juni 2020 über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 2019/2088.

Die Taxonomie-Verordnung verfolgt das Ziel, ein EU-weites Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten (Taxonomie) zu entwickeln. Eine der Voraussetzungen für eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeit im Sinne der Verordnung ist laut Informationsmemorandum, dass die Tätigkeit wesentlich zu einem oder mehreren Umweltzielen beiträgt. Die Vermögenswerte des klimaVest sollen einen Beitrag leisten zu den Verordnungszielen Klimaschutz (mindestens 50 Prozent der Vermögenswerte), Anpassung an den Klimawandel (höchstens 25 Prozent) und zur Vermeidung/Verringerung von Umweltschäden durch „Ermöglichungs- und Übergangsaktivitäten“ (höchstens 25 Prozent).

Wichtiger Nachhaltigkeitsindikator des Fondsverwalters, um das Erreichen der nachhaltigen Anlageziele zu messen, sind laut Informationsmemorandum die CO₂-Emissionen pro Kilowattstunde, die direkt mit jeder Investition des Fonds verbunden sind. Der Fondsverwalter wird sich laut Memorandum „nach Kräften bemühen, dass keines der in der Taxonomie-Verordnung definierten Umweltziele durch die Investitionen des Fonds erheblich beeinträchtigt wird“.

Schwerpunkt Europa

Die Investitionen des klimaVest sollen in erster Linie mittelbar, das heißt über andere Gesellschaften (zum Beispiel Zweckgesellschaften, Unternehmen) erfolgen. Der Investitionsfokus des Fonds soll in den Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und in Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegen. Investitionen in weitere Länder können bis zu einer Höhe von 30 Prozent des Nettoinventarwerts erfolgen. Bislang hat Commerz Real nach eigenen Angaben drei Windparks in Schweden, zwei Windparks in Nordrhein-Westfalen, zwei Windparks in Brandenburg und ein Solarparkprojekt in Spanien für das Portfolio des klimaVest erworben (Stand: 12.11.2020).

Kein Börsenhandel

Die Laufzeit des Fonds endet plangemäß im August 2070. Die Verwaltungsgesellschaft hat für die Anteile des Fonds laut Memorandum keine Zulassung zum Börsenhandel beantragt. Die Anteile werden auch nicht mit Zustimmung der Verwaltungsgesellschaft an organisierten Märkten gehandelt. Für Anlegerinnen und Anleger besteht die Möglichkeit, die Anteile unter bestimmten Bedingungen zu jedem Bankarbeitstag zum aktuellen Nettoinventarwert zurückzugeben. Der Nettoinventarwert wird von der Verwaltungsgesellschaft ermittelt.

Ziel: 3,0 bis 4,0 Prozent Rendite

Die angestrebte Gesamtrendite für die Anleger des klimaVest beträgt nach Angaben von Commerz Real 3,0 bis 4,0 Prozent pro Jahr, inklusive jährlicher Ausschüttungen von 1,5 bis 2,0 Prozent. Im Basisinformationsblatt wird empfohlen, die Fondsanteile mindestens fünf Jahre zu halten. Bei längerer Haltezeit mindern die Einstiegskosten (Agio) von bis 5 Prozent weniger die durchschnittliche Rendite pro Jahr. Während der Fondslaufzeit fallen laufende Kosten an, welche die Rendite für die Anleger laut Basisinformationsblatt um zusammen 2,42 Prozent pro Jahr verringern: die Portfoliotransaktionskosten (0,5 Prozent) für den Kauf und Verkauf von Anlagen und Kosten für die Anlageverwaltung (1,92 Prozent). Der klimaVest wird zunächst exklusiv von der Commerzbank vertrieben.

Fazit

Die Commerz Real verfügt über langjährige und umfangreiche Erfahrung als Asset Manager in den Bereichen Infrastruktur, Erneuerbare Energien und Transport. Sie bringt daher die Marktkenntnisse mit, um für den klimaVest rentable Investitionsprojekte akquirieren zu können. Bei dem geplanten Portfoliowert von mindestens 25 Milliarden Euro steht schätzungsweise erst rund 1 Prozent der Projekte des Fonds fest. Daher können Anlegerinnen und Anleger derzeit die Wirtschaftlichkeit und die ökologische Wirkung des künftigen Portfolios noch nicht konkret beurteilen. Zudem sind die möglichen Investitionsbereiche relativ weit gefasst, sodass schwer einzuschätzen ist, wie das Portfolio des Fonds in zehn oder 20 Jahren aussehen könnte.

Angesichts der Blind-Pool-Konzeption und der geplanten langen Laufzeit des Fonds von rund 50 Jahren (plus Verlängerungsoption) wären enge Investitionskriterien aber auch nicht zielführend gewesen. Wegen sich stetig verändernder Rahmenbedingungen benötigt das Fondsmanagement die Auswahlmöglichkeiten, um auch in späteren Jahren am Markt agieren zu können, falls es dann in einzelnen Bereichen keine aussichtsreichen Investitionsmöglichkeiten mehr geben sollte. Im Vergleich zu einem geschlossenen Publikumsfonds, der beispielsweise nur in einen Windpark investiert ist, bietet der sehr großvolumig geplante klimaVest-Fonds für Privatanlegerinnen und Privatanleger den Vorteil, dass sie mit nur einer Geldanlage eine breite Risikostreuung über zahlreiche Projekte erreichen können.

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