In dieser Rubrik beantwortet ECOreporter Fragen rund um das Thema nachhaltige Geldanlage. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten, Meldungen, Fonds / ETF

Was wollen Sie wissen? ECOreporter antwortet

Wie definiert ECOreporter eigentlich Nachhaltigkeit? Was hält die Redaktion vom "Spiegel"-Artikel zum "Ökofonds-Bluff"? Ist Cannabis ein nachhaltiges Investment? Solche Fragen erreichen die ECOreporter-Redaktion täglich. Wir beantworten sie alle und meist sehr zügig. Hier finden Sie, was Leserinnen und Leser fragen und wie ECOreporter antwortet (letztes Update: 22.9.2021).

  • Frage: Im „Spiegel“ vom 18.9.2021 werden Ökofonds als „Der grüne Bluff“ bezeichnet. Können Sie den Artikel bitte kommentieren!?

ECOreporter-Antwort vom 21.9.2021: In dem Artikel wird einiges an Kritik an nachhaltigen Finanzangeboten aufgegriffen, worüber wir zuvor auch schon berichtet hatten. Zum Beispiel:

Die Äußerungen von Ex-BlackRock-Nachhaltigkeitschef Tariq Fancy zur mangelnden Nachhaltigkeit von BlackRock und anderen Anbietern.

Die Studie von InfluenceMap zur wenig klimafreundlichen Ausrichtung vieler sogenannter Klimafonds.

Die Greenwashing-Vorwürfe gegen die Deutsche Bank-Tochter DWS.

Die bisherigen Mängel der EU-Offenlegungsverordnung.


Amazon.com: Kein Investment-Thema für kerngrüne Fonds. / Foto: Pixabay

ECOreporter teilt die Ansicht des "Spiegel", dass viele angeblich grüne Fonds und ETFs, insbesondere von herkömmlichen Anbietern, Mogelpackungen sind. Darauf weisen wir in Fonds- und ETF-Tests auch immer wieder hin. Greenwashing findet weiterhin im großen Stil statt, auch weil der Begriff Nachhaltigkeit immer noch sehr „kreativ“ ausgelegt werden kann, trotz aller EU-Bemühungen um eindeutige Definitionen.

Was in dem "Spiegel"-Artikel unserer Meinung nach nicht bzw. nur eingeschränkt stimmt:

•    Nachhaltige Fonds haben nicht unbedingt höhere Gebühren als konventionelle. Fonds mit hohem Research-Aufwand sind natürlich nicht zu ETF-Kosten zu bekommen, die meisten tiefgrünen Fonds sind unserer Einschätzung nach aber nicht unverhältnismäßig teuer. Ausnahmen gibt es natürlich, bei hellgrünen Fonds wahrscheinlich auch nicht wenige.
•    In tiefgrünen Fonds finden sich meist keine umstrittenen Tech-Riesen wie Amazon oder Facebook. Wer es wirklich ernst meint mit ESG, berücksichtigt nicht nur E, sondern auch S und G.

ECOreporter wird Fonds und ETFs auch weiterhin kritisch bis in den letzten Winkel durchleuchten, sprich jede Aktie auf ihre Nachhaltigkeit prüfen und bei jedem Ausschlusskriterium die Details im Kleingedruckten analysieren. Das kostet viel Zeit, ist nach unserer Ansicht aber der einzige Weg, um wirklich grüne von lediglich grün gewaschenen Fonds unterscheiden zu können. Denn auch wenn der "Spiegel" etwas anderes suggeriert: Es gibt sie durchaus, die wirklich nachhaltigen Fonds. Die ECOreporter-Fondstests finden Sie hier.

  • Als Neuling in Geldanlagen bitte ich um Informationen zu einem ETF: Wie steht es um die Nachhaltigkeit des MSCI World SRI? Vor allem bezüglich des Ausschlusses von Firmen, die mit Waffen ihr Geld verdienen?

Antwort 10.9.2021: Das lässt sich so pauschal nicht beantworten: Es gibt nämlich verschiedene MSCI World SRI-Indizes, etwa den "MSCI World SRI Low Carbon Select" oder auch den "MSCI World SRI Select Reduced Fossil Fuel Index". Dabei geht es dann um Unterschiede: wie konsequent etwa fossile Energie ausgeschlossen wird und wie genau Aktien für den Index ausgewählt werden, auch wie viele Aktien im Index sind. Und auf diese unterschiedlichen Indizes gibt es dann wiederum verschiedene ETFs verschiedener Anbieter. Deshalb können Aussagen immer nur zu einem konkreten ETF getroffen werden, wenn wir diesen getestet haben.

  • In einem der letzten ECOreporter-Newsletter schrieben Sie, dass der Erste WWF Stock Fond ein Plus mache. Bei mir bleibt er aber im Minus. Genauso geht es mir mit dem Ökoworld Klima. Wie ist das möglich? Beide habe ich im Februar 2021 gekauft.

Antwort 3.9.2021: Die Wertentwicklung hängt immer davon ab, wann Sie einen Fonds gekauft haben. Wir geben in unseren Überblicken die Wertentwicklung auf Sicht von einem Monat sowie einem, fünf und zehn Jahren an, ausgehend von dem Tag, an dem wir den Artikel schreiben.

In unserem aktuellen Überblick finden Sie also keine Angabe dazu, wie sich die Fonds seit Februar 2021 entwickelt haben, weil wir dazu (Stand September 2021) die Wertentwicklung auf Sicht von sieben Monaten angeben müssten.

Die beiden von Ihnen genannten Fonds erreichten im Februar einen historischen Höchststand, fielen danach etwas und haben den damaligen Höchstwert noch nicht ganz wieder erreicht. Wenn Sie im Februar gekauft haben, sind Sie also noch im Minus. Bei der von uns empfohlenen Haltedauer von fünf, besser sieben Jahren sollten die Fonds aber auf längere Sicht positive Renditen erzielen. Zudem empfehlen wir, über Sparpläne in Fonds zu investieren. Dadurch vermeiden Sie, Ihre ganze Investitionssumme zu einem ungünstigen Zeitpunkt wie beispielsweise im Februar anzulegen.

  • Ich bin Student und interessiere mich extrem für Nachhaltigkeit. Wie definieren Sie diese, und wie kann ich mir sicher sein, dass Sie nur nachhaltige Unternehmen bewerben?

ECOreporter-Antwort vom 27.7.2021: Nachhaltigkeitsdefinitionen sind eine komplexe Angelegenheit: Wir haben in der Redaktion jeder sicherlich persönliche, eigene Nachhaltigkeitsdefinitionen. Bis in die Details hinein. Und dazu kommen ethische Kriterien. Wir verwenden für unsere Arbeit aber alle gängigen Nachhaltigkeitsdefinitionen. Warum nicht eine einzige ECOreporter-Nachhaltigkeit? Weil wir ja für die Leser/innen schreiben. Damit sie ihre eigene Vorstellung von Nachhaltigkeit in der Geldanlage individuell verwirklichen können. 

Wir liefern also die Fakten, die es braucht, um die persönliche Wertung vorzunehmen. Natürlich soll das nicht in Beliebigkeit ausarten. Daher ist für uns beispielsweise das Geschäft mit Braunkohle nicht nachhaltig und wird es auch nicht mehr werden - es sei denn, ein Unternehmen baut Braunkohle in geringen Mengen ab, um daraus Filtersubstrat zu gewinnen.

Noch eine Anmerkung zu den nachhaltigen Unternehmen, die wir "bewerben": Wir bewerben sie ja nicht wirklich. Wir bekommen kein Geld von ihnen, wir benutzen in der Regel nicht einmal diese Unternehmen selbst als Info-Quelle. Wir sind eine neutral recherchierende Redaktion. Den allergrößten Anteil unserer Einnahmen, die wir brauchen, um unsere Kosten zu decken, erhalten wir durch die Premium-Abos. Die Internetwerbung macht bei uns nur etwa 2 Prozent der Einnahmen aus. Von daher: Höchstmögliche Neutralität.


  • Iberdrola investiert viel in erneuerbare Energie – ist der spanische Energiekonzern also nachhaltig? / Foto: Unternehmen
    Ich habe eure Berichte über den iShares Global Clean Energy (zum Test) und den Lyxor New Energy (zum Test) gelesen. In beiden sind fragwürdige Unternehmen wie Iberdrola, Enel etc. vertreten. Diese Unternehmen verpflichten sich aber fast alle den SDGs (den 17 Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung , Anm. d. Red.) und haben Ambitionen, komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen. Ist ein Investment also wirklich so wenig nachhaltig, wenn man bedenkt, wie viele grüne Unternehmen im ETF enthalten sind und wie fragwürdigere Unternehmen auch schon Richtung saubere Energien umschwenken?

Antwort 2.7.2021: Richtig, die Unternehmen zeigen Ambitionen beim Umstieg auf erneuerbare Energien – so wie etwa auch RWE Ambitionen beim Umstieg auf erneuerbare Energien hat. Denn auch diesen Konzernen ist klar, dass die erneuerbaren Energien die Zukunft sind, und zwar auch die Zukunft des Geldverdienens.

Der Punkt ist aber, dass diese Konzerne gleichzeitig versuchen, mit fossilen Energien und Atomkraft so lange Geld zu verdienen, wie das noch möglich ist. Beispielsweise hat Iberdrola mittlerweile seine letzten beiden Kohlekraftwerke stillgelegt – aber nur, weil sie sich nicht mehr rentieren. Solange es vom spanischen Staat (der bis 2025 aus der Kohle aussteigt, indem er die Kraftwerke schlicht unrentabel werden lässt) noch Subventionen für die eigentlich längst defizitären Anlagen gab, liefen sie auch. Den Atomausstieg will Iberdrola über einen Zeitraum von zehn Jahren zwischen 2025 und 2035 strecken und hat mit dem spanischen Staat bereits entsprechende Vereinbarungen getroffen.

Ein populäres Gegenbeispiel ist Ørsted – das Unternehmen treibt seine Transformation zum reinen Ökostromproduzenten aktiv voran. 2009 stammten nach Angaben der Dänen noch 85 Prozent des produzierten Stroms aus fossilen Brennstoffen. Bis 2025 will Ørsted nun Klimaneutralität erreichen und investiert dafür Milliarden.

  • Vom Erste Stock Environment Fonds (zum Test) gibt es eine thesaurierende Tranche (AT0000A2BYE6) und eine vollthesaurierende Tranche (AT0000A2BYG1). Was bedeutet das? Wo liegt der Unterschied? Im Test wird der thesaurierende Fonds erwähnt.

Antwort 2.7.2021: Der Unterschied ist laut Erste A.M. der folgende: "Bei thesaurierenden Anteilscheinklassen werden die erwirtschafteten Erträge automatisch wiederveranlagt, es wird nur die angefallene österreichische Kapitalertragssteuer (KESt) ausgeschüttet. Bei vollthesaurierenden Anteilscheinklassen erfolgt keine KESt-Ausschüttung, diese werden daher in Österreich, insbesondere für Privatanleger, nicht angeboten."

  • Bei welchen Anbieter kann ich die von Ihnen genannten ETFs ordern? Bei Flatex kann ich z. B. RENIXX nicht ordern. 

Antwort 7.6.2021: Da ETFs börsengehandelt sind, sollten Sie diese auch über einen Anbieter wie Flatex normal kaufen und verkaufen können – allerdings ist es ebenfalls wie bei einer Aktie möglich, dass ein ETF an manchen Handelsplätzen nicht gehandelt wird. Beim RENIXX handelt es sich allerdings nicht um einen ETF, sondern um einen Index auf Erneuerbare-Energien-Unternehmen. ETFs oder andere Finanzprodukte auf den RENIXX wiederum gibt es aktuell (noch) nicht.

Eine Übersicht über wichtige grüne Börsenindizes haben wir hier zusammengestellt: Von minus 4 bis plus 137 %: Die wichtigsten grünen Börsenindizes

Eine Liste der von ECOreporter bislang getesteten ETFs finden Sie hier: Schon 50 ETFs im Test: Autsch! So wenig grün sind die neuen Lieblinge der Finanzbranche

  • Ich finde die schönsten und besten von ECOreporter getesteten Fonds und ETFs nicht bei meinem Online-Broker Scalable, bei dem ich mir kürzlich ein Konto zugelegt habe. Woran liegt das?

Antwort 22.6.2021: Smartphone-Broker haben teilweise ein eingeschränkteres Angebot als große herkömmliche Depotanbieter (wohl auch aus Kostengründen). Gerade kleinere grüne Finanzprodukte fallen da manchmal durchs Raster. Deshalb sind breit gefächerte Depots bei Smartphone-Brokern nicht immer vollständig umsetzbar. Einen Überblick über die Depotgebühren nachhaltiger Banken finden Sie hier.

  • Im Klimapodcast des SWR („Die Klimazentrale“) habe ich gerade etwas über Carbon Capture and Storage (CCS) gehört - als ein Baustein zur CO2-Reduktion. Das Thema scheint kontrovers zu sein. Während es sich im Podcast so anhörte, dass es unumgänglich sei, auch CCS einzusetzen, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, lesen sich die Statements beim Umweltbundesamt eher kritisch bis ablehnend. Und hier bei ECOreporter finde ich erstaunlicherweise nichts dazu (oder habe es übersehen?). Da beim CCS (auch neue) Unternehmen am Start sind, wäre das doch ein interessantes Thema. Oder wie sehen Sie das?

Antwort 14.6.2021: CCS wird derzeit vor allem aus zwei Gründen kontrovers diskutiert:

  1. Die unterirdische Lagerung von CO2 ist nicht hundertprozentig sicher, das Gas kann austreten und in die Atmosphäre gelangen.
  2. CCS wird aktuell vor allem von großen Ölkonzernen vorangetrieben, die damit ihre Klimabilanz verbessern möchten. Am Öl wollen diese Unternehmen noch so lange festhalten, wie es wirtschaftlich Sinn macht. Würden die Ölmultis ihre Geschäftsmodelle schneller (oder überhaupt) auf Erneuerbare Energien umstellen, würden sie wahrscheinlich mehr zur Klimawende beitragen als mit ihren CCS-Projekten.

Trotzdem kann CCS natürlich mithelfen, die Erderwärmung einzudämmen, je nach Szenario mag es sogar unverzichtbar sein. In die Spezialfirmen, die die Technik entwickeln, können Anlegerinnen und Anleger allerdings nach unserem Kenntnisstand bislang nicht investieren. Die Unternehmen sind nicht börsennotiert und werden weitestgehend von Wagniskapitalgebern finanziert, weil CCS noch ganz am Anfang steht und bisher nicht wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Sobald sich Investment-Möglichkeiten ergeben, wird ECOreporter natürlich darüber berichten.


Biokraftstoffhersteller wie Verbio können interessante Investments sein. / Foto: Unternehmen

  • Ammoniak wird als „grüner“ Treibstoff für Frachtschiffe beworben (z.B. beim US-Unternehmen AmmPower, ISIN CA03169D1024). Auf Ihrer Website konnte ich dazu sehr wenig finden, auch nicht als Abonnentin. Kein lohnendes Thema?

Antwort 8.6.2021: In der Tat gehört eine mit Ammoniak gespeiste Brennstoffzelle zu den alternativen Antriebskonzepten, an denen international geforscht wird. Ammoniak würde in diesem Szenario eine womöglich einfacher zu handhabende Alternative zu Wasserstoff darstellen. Das Fraunhofer Institut will bis Ende 2021 einen Prototyp fertigstellen, 2023 soll die „Viking Energy“ der norwegischen Reederei Eidesvik das weltweit erste Schiff sein, das mit einer Ammoniak-basierten Brennstoffzelle den Regelbetrieb aufnimmt. Das Ganze ist aktuell jedoch noch stark experimentell, auch experimenteller als Wasserstoff. Tatsächlich beschäftigen wir uns in der Redaktion aber derzeit auch mit dem Thema „nachhaltige Schifffahrt“.

Generell haben alternative Kraftstoffe aber natürlich Hochkonjunktur – neben dem allgegenwärtigen Thema Wasserstoff haben wir uns damit etwa auch im Bereich Recycling beschäftigt oder in Form von Biokraftstoffherstellern wie etwa Verbio oder CropEnergies.

  • Warum gelten Cannabis-Aktien (z.B. im ECOreporter-Artikel vom 25.5.2021) scheinbar fraglos als „nachhaltig“, während andere Drogen wie Alkohol und Tabak von Fonds berechtigterweise ausgeschlossen werden?

Antwort 28.5.2021: Natürlich kann man Cannabis aus nachvollziehbaren ethischen Gründen bedenklich finden, ähnlich wie Tabak. Das hätten wir in dem Artikel vielleicht klarer herausstellen sollen.

Viele der solideren Cannabis-Unternehmen haben mit Cannabis als Genussmittel allerdings nichts zu tun, sondern entwickeln Cannabis-Medikamente oder Produkte mit dem nicht berauschenden Wirkstoff CBD. Und das sind Bereiche, die durchaus als nachhaltig angesehen werden können. Die einzige Cannabis-Aktie, die ECOreporter in den letzten Jahren eingehender analysiert hat, war übrigens die des (mittlerweile aufgekauften) Pharmaunternehmens GW Pharmaceuticals, das auf Epilepsie-Medikamente spezialisiert ist.

  • Fonds wie der Ökoworld Klima und der Erste WWF Stock Environment haben in letzter Zeit massiv an Wert verloren. Woran liegt das? Und wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?

Antwort 19.5.2021: Die Wertverluste sind vor allem auf den hohen Anteil an Wasserstoff-, Solar- und Windaktien in den Fonds zurückzuführen. Die Kurse dieser Aktien sind seit Jahresbeginn teilweise deutlich gesunken. Nach den hohen Zuwächsen 2020 waren viele Erneuerbare-Energien-Aktien überbewertet, ECOreporter schätzt die meisten Rücksetzer als gesunde Korrekturen ein.

Die von Ihnen erwähnten Fonds und auch andere tiefgrüne Fonds haben im letzten Jahr stark vom Boom der Erneuerbare-Energien-Aktien profitiert. Auch nach den Wertverlusten seit Januar stehen die meisten von ihnen weiterhin sehr gut da. Die Wertentwicklungen nachhaltiger Fonds können Sie sich hier ansehen.

Wie die tiefgrünen Fonds weiterhin laufen werden, hängt neben der Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Sektors auch von den Investment-Entscheidungen der Fondsmanager ab. Es wird Grünstromaktien geben, deren Kurse weiter nachgeben. Aber auch Aktien, die von der Klimawende nachhaltig profitieren. Die Kursentwicklungen im April 2021 zeigen, dass es für gute Wind- und Solarunternehmen, die nicht zu hoch bewertet sind, an der Börse bereits wieder aufwärts geht. Entsprechend positiv haben sich auch einige tiefgrüne Fonds zuletzt entwickelt. Ein erhöhtes Risiko bleibt allerdings – wie bei allen spezialisierten Fonds.


Es gibt nur wenige große, aussichtsreiche Windkraftunternehmen wie Vestas - so mancher kerngrüne Fonds weiß kaum noch, wohin mit seinem Geld. / Foto: Vestas

  • Der Erste WWF Stock Environment ist seit Anfang 2020 geschlossen. Auch andere nachhaltige Fonds nehmen kein neues Geld mehr an. Was ist da passiert?

Antwort 19.5.2021: Die stark gestiegene Nachfrage nach tiefgrünen Fonds ist ein Problem für die Anbieter. Denn je strenger die Anlagekriterien, desto kleiner die Auswahl an investierbaren Aktien, die dazu auch noch finanziell aussichtsreich sind.

Die Erste-Sparkassengruppe aus Österreich hat beispielsweise den Erste Green Invest aufgelegt, weil die Anlagemöglichkeiten des Erste WWF Stock Environment derzeit zu sehr eingeschränkt sind. Auch der Erste Green Invest ist anspruchsvoll, allerdings etwas weiter gefasst. Er erlaubt auch Investments in nachhaltige Großkonzerne wie Linde, Intel oder IBM. Einen ECOreporter-Test des Erste Green Invest finden Sie hier.

  • Gibt es außer dem GreenEffects NAI-Werte Fonds Produkte, die auf alternative Indizes setzen? Ist beispielsweise der Renixx als Grundlage für Fonds berücksichtigt worden?

Antwort 19.5.2021: Bislang gibt es kaum Fonds oder ETFs, die tiefgrüne Aktienindizes abbilden. Eine Ausnahme ist der sehr nachhaltige Global Challenges Index (GCX) der Börsen Hamburg-Hannover. Auf den GCX setzen unter anderem die Aktienfonds Prima Global Challenges (ECOreporter-Fondstest) und Ethius Global Compact (Interview) sowie der Indexfonds Warburg Invest Global Challenges (Test). Zum Renixx gibt es nach unserer Kenntnis bislang kein Finanzprodukt.

  • Haben Sie für die Wasserbranche außer dem Swisscanto Equity Fund Sustainable Global Water und dem Pictet-Water noch andere Fonds-Empfehlungen?

Antwort 19.5.2021: ECOreporter schätzt auch den RobecoSam Sustainable Water Equities (Fondstest) und den Ökoworld Water for Life (Fondstest) als überdurchschnittlich nachhaltig ein. Die Wertentwicklungen können sich ebenfalls sehen lassen.

  • Welche nachhaltigen Fonds setzen vor allem auf Werte aus dem deutschsprachigen Raum?

Antwort 19.5.2021: Wir haben einige solcher Fonds getestet, beispielsweise den B.A.U.M. Fair Future Fonds (Fondstest), den Murphy & Spitz Umweltfonds Deutschland (Fondstest) und den Avesco Sustainable Hidden Champions (Fondstest).

  • Einige von ECOreporter getestete Fonds nennen im Fondsprospekt eine Quote der Investments, zu der mindestens nach ESG-Kriterien angelegt werden soll. Z.B. beim KBC Eco Fund Alternative Energy, der „mindestens 75 % seines Vermögens in Aktien von Unternehmen an[legt], die auf nachhaltige und sozialverträgliche Weise in diesem Themenkreis aktiv sind“. Potenziell können diese Regelungen ja Hintertüren öffnen, die die Nachhaltigkeit der Fonds deutlich infrage stellen. Wie bewerten Sie diese Mindestquoten?

Antwort 19.5.2021: Was Sie beschreiben, ist (wie leider so vieles in Fondsunterlagen) missverständlich ausgedrückt. In den meisten Fällen bedeuten solche Angaben: Der Fonds legt zu mindestens x Prozent in Aktien an – und er berücksichtigt bei ALLEN Aktien-Investments nachhaltige Kriterien. Da sind zwei unterschiedliche Sachverhalte (minimale Aktienquote und Nachhaltigkeitsansatz) in einem Satz zusammengezogen worden, wodurch ein falscher Eindruck vom Investmentkonzept entsteht. Das Kapital, das Aktienfonds nicht in Aktien investieren, wird übrigens für gewöhnlich als Barreserve gehalten.

Aktienfonds müssen aus verschiedenen Gründen Mindestquoten für Aktien festlegen, beispielsweise damit sie für Vermögenswirksame Leistungen in Frage kommen (mehr dazu können Sie hier lesen). Sollte ein Fondsanbieter tatsächlich nur bei einem Teil seiner Aktienkäufe nachhaltige Kriterien anwenden, führt das in unseren Fondstests natürlich zu einer erheblichen Abwertung.


Viele "nachhaltige" ETFs sind nach wie vor in Öl- und Kohleunternehmen investiert. / Foto: Pixabay / Foto: Pixabay, CC0-Lizenz

  • Sind ESG-ETFs tatsächlich weniger nachhaltig als aktiv gemanagte Fonds? Kann man aufgrund der Kostenstruktur der ETFs auch gar keine aktive Titelauswahl und Stimmrechtsausübung erwarten?

Antwort 19.5.2021: Es ist leider wirklich so: Richtig nachhaltige ETFs gibt es bislang kaum (einen Überblick über alle ECOreporter-ETF-Tests finden Sie hier). Eine aktive Aktienauswahl kostet natürlich Geld, weswegen ETFs sich fast ausschließlich damit begnügen, Indizes nachzubilden. Das schließt aber tiefgrüne ETFs nicht grundsätzlich aus – schließlich gibt es durchaus sehr nachhaltige Indizes. Zu diesen sind bislang aber keine ETFs aufgelegt worden. Und ETF-Anbieter üben oft auch Stimmrechte aus – allerdings bisher nicht unbedingt nach anspruchsvollen nachhaltigen Vorgaben.

  • Die GLS Bank hat einen nachhaltigen Robo Advisor gestartet. Gibt es bei Ihnen schon Vergleiche zwischen nachhaltigen Vermögensverwaltungen, und wie schätzen Sie die digitale Vermögensverwaltung gegenüber aktiv von Fachexperten gemanagten Fonds ein?

Antwort 19.5.2021: Robo Advisors sind so gut wie die Produkte, in die sie investieren. Und da sie meist in Fonds oder ETFs anlegen, können sie grundsätzlich genauso nachhaltig und renditestark sein wie Fonds. Die Bewertung von Robo Advisors ist allerdings schwierig, weil einige nicht sehr transparent sind und ihre Investments zudem von unterschiedlichen Anlegerprofilen abhängen. Allgemeingültige Aussagen zur Rentabilität lassen sich da kaum ermitteln.

Zum Robo Advisor der GLS Bank, dem GLS onlineInvest, können wir zumindest sagen, dass er für sehr nachhaltigkeitsbewusste Anlegerinnen und Anleger in Frage kommt – denn er legt fast ausschließlich in Fonds an, die die GLS Bank aufgelegt oder mitentwickelt hat.

  • Warum sind Procter & Gamble sowie Colgate-Palmolive nachhaltige ECOreporter-Favoriten-Aktien? Wenn ich die Beschreibung durchlese, finde ich das gar nicht. Stichworte sind hier: Gentechnik, Palmöl, Plastikmüll, Steuern, Tierversuche.

Antwort 19.5.2021: Völlig richtig: Procter & Gamble und Colgate-Palmolive sind keine kerngrünen Unternehmen, genauso wie die anderen Konzerne aus unserer Favoriten-Aktien-Rubrik Nachhaltige Dividendenkönige. Darauf weisen wir allerdings hier auch hin. Unsere Dividendenkönige sind eine Option für Anlegerinnen und Anleger, die Aktien von großen, dividendenstarken Unternehmen im Depot haben wollen – Unternehmen, die immerhin nachhaltiger als die meisten Branchenkonkurrenten sind. Wer keine Gentechnik oder kein Palmöl möchte, für den eignen sich diese Aktien nicht. Kerngrüne Unternehmen finden Sie in unserer Favoriten-Aktien-Rubrik Nachhaltige Mittelklasse und vor allem bei den Grünen Spezialwerten.

  • Sie haben die clearvise-Aktie aus Ihrem Favoritenkreis entfernt. Wieso schwankt der Kurs dieser Aktie so stark, und wieso nimmt er zurzeit eher ab?

Antwort 19.5.2021: Wir führen die Aktie von clearvise (vormals ABO Invest) nicht mehr als Favoriten-Aktie, weil die Zukunftsaussichten des Unternehmens unserer Ansicht nach seit der Trennung vom langjährigen Partner ABO Wind unklar sind (mehr dazu können Sie hier lesen). Bis zur Trennung hatte ABO Invest seine Erneuerbare-Energien-Anlagen ausschließlich von ABO Wind gekauft. Mittlerweile hat clearvise erste Wind- und Solaranlagen von anderen Projektentwicklern erworben, bislang aber noch in überschaubarem Umfang. Daher wahrscheinlich auch die Zurückhaltung von Investoren an der Börse. Zudem ist die Aktie nach unserer Einschätzung weiterhin zu teuer.

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