In den ECOreporter-FAQs beantwortet die Redaktion Fragen rund um das Thema nachhaltiges Investieren. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten, Meldungen, Fonds / ETF

Leserinnen und Leser fragen – ECOreporter antwortet

Täglich erreichen ECOreporter Fragen zur nachhaltigen Geldanlage. Die interessantesten beantworten wir hier auch öffentlich (natürlich anonymisiert). Viele dieser Fragen werden uns häufiger gestellt. Unsere Antwortstrecke ist daher auch so etwas wie eine FAQ-Rubrik.

Den Anfang machen zehn Fragen, die Sie uns im Rahmen unserer digitalen Redaktionsfragestunde am 19. Mai 2021 gestellt haben. Wir werden die Fragenliste regelmäßig ergänzen. Sie finden Sie dauerhaft auf unserer Startseite.

Frage: Fonds wie der Ökoworld Klima und der Erste WWF Stock Environment haben in letzter Zeit massiv an Wert verloren. Woran liegt das? Und wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?

ECOreporter: Die Wertverluste sind vor allem auf den hohen Anteil an Wasserstoff-, Solar- und Windaktien in den Fonds zurückzuführen. Die Kurse dieser Aktien sind seit Jahresbeginn teilweise deutlich gesunken. Nach den hohen Zuwächsen 2020 waren viele Erneuerbare-Energien-Aktien überbewertet, ECOreporter schätzt die meisten Rücksetzer als gesunde Korrekturen ein.

Die von Ihnen erwähnten Fonds und auch andere tiefgrüne Fonds haben im letzten Jahr stark vom Boom der Erneuerbare-Energien-Aktien profitiert. Auch nach den Wertverlusten seit Januar stehen die meisten von ihnen weiterhin sehr gut da. Die Wertentwicklungen nachhaltiger Fonds können Sie sich hier ansehen.

Wie die tiefgrünen Fonds weiterhin laufen werden, hängt neben der Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Sektors auch von den Investment-Entscheidungen der Fondsmanager ab. Es wird Grünstromaktien geben, deren Kurse weiter nachgeben. Aber auch Aktien, die von der Klimawende nachhaltig profitieren. Die Kursentwicklungen im April 2021 zeigen, dass es für gute Wind- und Solarunternehmen, die nicht zu hoch bewertet sind, an der Börse bereits wieder aufwärts geht. Entsprechend positiv haben sich auch einige tiefgrüne Fonds zuletzt entwickelt. Ein erhöhtes Risiko bleibt allerdings – wie bei allen spezialisierten Fonds.


Es gibt nur wenige große, aussichtsreiche Windkraftunternehmen wie Vestas - so mancher kerngrüne Fonds weiß kaum noch, wohin mit seinem Geld. / Foto: Vestas

Der Erste WWF Stock Environment ist seit Anfang letzten Jahres geschlossen. Auch andere nachhaltige Fonds nehmen kein neues Geld mehr an. Was ist da passiert?

Die stark gestiegene Nachfrage nach tiefgrünen Fonds ist ein Problem für die Anbieter. Denn je strenger die Anlagekriterien, desto kleiner die Auswahl an investierbaren Aktien, die dazu auch noch finanziell aussichtsreich sind.

Die Erste-Sparkassengruppe aus Österreich hat beispielsweise den Erste Green Invest aufgelegt, weil die Anlagemöglichkeiten des Erste WWF Stock Environment derzeit zu sehr eingeschränkt sind. Auch der Erste Green Invest ist anspruchsvoll, allerdings etwas weiter gefasst. Er erlaubt auch Investments in nachhaltige Großkonzerne wie Linde, Intel oder IBM. Einen ECOreporter-Test des Erste Green Invest finden Sie hier.

Gibt es außer dem GreenEffects NAI-Werte Fonds Produkte, die auf alternative Indizes setzen? Ist beispielsweise der Renixx als Grundlage für Fonds berücksichtigt worden?

Bislang gibt es kaum Fonds oder ETFs, die tiefgrüne Aktienindizes abbilden. Eine Ausnahme ist der sehr nachhaltige Global Challenges Index (GCX) der Börsen Hamburg-Hannover. Auf den GCX setzen unter anderem die Aktienfonds Prima Global Challenges (ECOreporter-Fondstest) und Ethius Global Compact (Interview) sowie der Indexfonds Warburg Invest Global Challenges (Test). Zum Renixx gibt es nach unserer Kenntnis bislang kein Finanzprodukt.

Haben Sie für die Wasserbranche außer dem Swisscanto Equity Fund Sustainable Global Water und dem Pictet-Water noch andere Fonds-Empfehlungen?

ECOreporter schätzt auch den RobecoSam Sustainable Water Equities (Fondstest) und den Ökoworld Water for Life (Fondstest) als überdurchschnittlich nachhaltig ein. Die Wertentwicklungen können sich ebenfalls sehen lassen.

Neben europaweit oder weltweit anlegenden Fonds würde ich einen Check von nachhaltigen Fonds begrüßen, die hauptsächlich auf Positionen aus dem deutschsprachigen Raum setzen, auch mit regionalen Firmen.

Wir haben einige solcher Fonds getestet, beispielsweise den B.A.U.M. Fair Future Fonds (Fondstest), den Murphy & Spitz Umweltfonds Deutschland (Fondstest) und den Avesco Sustainable Hidden Champions (Fondstest).

Mir ist bei verschiedenen von Ihnen getesteten Fonds aufgefallen, dass im Fondsprospekt eine Quote der Investments genannt wird, zu der mindestens nach ESG-Kriterien angelegt werden soll. Z.B. beim KBC Eco Fund Alternative Energy, der „mindestens 75 % seines Vermögens in Aktien von Unternehmen an[legt], die auf nachhaltige und sozialverträgliche Weise in diesem Themenkreis aktiv sind“. Potenziell können diese Regelungen ja Hintertüren öffnen, die die Nachhaltigkeit der Fonds deutlich infrage stellen. Wie bewerten Sie diese Mindestquoten?

Was Sie beschreiben, ist (wie leider so vieles in Fondsunterlagen) missverständlich ausgedrückt. In den meisten Fällen bedeuten solche Angaben: Der Fonds legt zu mindestens x Prozent in Aktien an – und er berücksichtigt bei ALLEN Aktien-Investments nachhaltige Kriterien. Da sind zwei unterschiedliche Sachverhalte (minimale Aktienquote und Nachhaltigkeitsansatz) in einem Satz zusammengezogen worden, wodurch ein falscher Eindruck vom Investmentkonzept entsteht. Das Kapital, das Aktienfonds nicht in Aktien investieren, wird übrigens für gewöhnlich als Barreserve gehalten.

Aktienfonds müssen aus verschiedenen Gründen Mindestquoten für Aktien festlegen, beispielsweise damit sie für Vermögenswirksame Leistungen in Frage kommen (mehr dazu können Sie hier lesen). Sollte ein Fondsanbieter tatsächlich nur bei einem Teil seiner Aktienkäufe nachhaltige Kriterien anwenden, führt das in unseren Fondstests natürlich zu einer erheblichen Abwertung.


Viele "nachhaltige" ETFs sind nach wie vor in Öl- und Kohleunternehmen investiert. / Foto: Pixabay / Foto: Pixabay, CC0-Lizenz

Kann man aus Ihrer Sicht grundsätzlich sagen, dass ESG-ETFs tatsächlich weniger nachhaltig agieren als aktiv gemanagte Fonds? Kann man aufgrund der Kostenstruktur der ETFs auch gar keine aktive Titelauswahl und Stimmrechtsausübung erwarten?

Es ist leider wirklich so: Richtig nachhaltige ETFs gibt es bislang kaum (einen Überblick über alle ECOreporter-ETF-Tests finden Sie hier). Eine aktive Aktienauswahl kostet natürlich Geld, weswegen ETFs sich fast ausschließlich damit begnügen, Indizes nachzubilden. Das schließt aber tiefgrüne ETFs nicht grundsätzlich aus – schließlich gibt es durchaus sehr nachhaltige Indizes. Zu diesen sind bislang aber keine ETFs aufgelegt worden. Und ETF-Anbieter üben oft auch Stimmrechte aus – allerdings bisher nicht unbedingt nach anspruchsvollen nachhaltigen Vorgaben.

Die GLS Bank hat einen nachhaltigen Robo Advisor gestartet. Gibt es bei Ihnen schon Vergleiche zwischen nachhaltigen Vermögensverwaltungen, und wie schätzen Sie die digitale Vermögensverwaltung gegenüber aktiv von Fachexperten gemanagten Fonds ein?

Robo Advisors sind so gut wie die Produkte, in die sie investieren. Und da sie meist in Fonds oder ETFs anlegen, können sie grundsätzlich genauso nachhaltig und renditestark sein wie Fonds. Die Bewertung von Robo Advisors ist allerdings schwierig, weil einige nicht sehr transparent sind und ihre Investments zudem von unterschiedlichen Anlegerprofilen abhängen. Allgemeingültige Aussagen zur Rentabilität lassen sich da kaum ermitteln.

Zum Robo Advisor der GLS Bank, dem GLS onlineInvest, können wir zumindest sagen, dass er für sehr nachhaltigkeitsbewusste Anlegerinnen und Anleger in Frage kommt – denn er legt fast ausschließlich in Fonds an, die die GLS Bank aufgelegt oder mitentwickelt hat.

Warum sind Procter & Gamble sowie Colgate-Palmolive nachhaltige ECOreporter-Favoriten-Aktien? Wenn ich die Beschreibung durchlese, finde ich das gar nicht. Stichworte sind hier: Gentechnik, Palmöl, Plastikmüll, Steuern, Tierversuche.

Völlig richtig: Procter & Gamble und Colgate-Palmolive sind keine kerngrünen Unternehmen, genauso wie die anderen Konzerne aus unserer Favoriten-Aktien-Rubrik Nachhaltige Dividendenkönige. Darauf weisen wir allerdings hier auch hin. Unsere Dividendenkönige sind eine Option für Anlegerinnen und Anleger, die Aktien von großen, dividendenstarken Unternehmen im Depot haben wollen – Unternehmen, die immerhin nachhaltiger als die meisten Branchenkonkurrenten sind. Wer keine Gentechnik oder kein Palmöl möchte, für den eignen sich diese Aktien nicht. Kerngrüne Unternehmen finden Sie in unserer Favoriten-Aktien-Rubrik Nachhaltige Mittelklasse und vor allem bei den Grünen Spezialwerten.

Sie haben die clearvise-Aktie aus Ihrem Favoritenkreis entfernt. Wieso schwankt der Kurs dieser Aktie so stark, und wieso nimmt er zurzeit eher ab?

Wir führen die Aktie von clearvise (vormals ABO Invest) nicht mehr als Favoriten-Aktie, weil die Zukunftsaussichten des Unternehmens unserer Ansicht nach seit der Trennung vom langjährigen Partner ABO Wind unklar sind (mehr dazu können Sie hier lesen). Bis zur Trennung hatte ABO Invest seine Erneuerbare-Energien-Anlagen ausschließlich von ABO Wind gekauft. Mittlerweile hat clearvise erste Wind- und Solaranlagen von anderen Projektentwicklern erworben, bislang aber noch in überschaubarem Umfang. Daher wahrscheinlich auch die Zurückhaltung von Investoren an der Börse. Zudem ist die Aktie nach unserer Einschätzung weiterhin zu teuer.

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