SAP und die anderen Unternehmen, in die der ETF investiert, sollen Vorbilder bei der Gleichberechtigung sein. / Foto: SAP

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ETF-Test: Lyxor Global Gender Equality (DR) UCITS ETF

Der ETF investiert in 150 Unternehmen, die bei der Gleichberechtigung besonders vorbildlich sein sollen. Zusätzlich gelten Ausschlusskriterien, etwa für Waffen oder Glücksspiel. Entsteht so ein nachhaltiger ETF mit guter Wertentwicklung?

Anbieter des ETFs ist Lyxor, eine Tochter der französischen Großbank Société Générale. Die Bank selbst investiert Kundengelder auch in Öl, Gas und Kohle. Erst ab 2030 will Lyxor keine neuen Gelder mehr in Kohleförderer und Kohlestromerzeuger anlegen. Bereits bestehende Kohleinvestments sollen aber noch bis 2040 im Portfolio bleiben dürfen.

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Finanzen/Risiko

Finanziell hat sich der ETF ordentlich entwickelt. Auf ein Jahr gesehen bleibt er mit einem Plus von 1,5 Prozent zwar klar hinter dem weltweiten Aktienindex MSCI World zurück, der um 18,3 Prozent stieg. Auf drei Jahre gesehen fällt der Wertzuwachs mit 25,3 Prozent aber befriedigend aus (MSCI World: 29,1 Prozent).

Die Jahresgebühren sind mit 0,2 Prozent günstig, aufgrund starker Wertschwankungen empfiehlt ECOreporter eine Haltedauer von mindestens sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF bildet den Solactive Equileap Global Gender Equality Net Total Return Index des deutschen Indexanbieters Solactive nach. Die Auswahl der Unternehmen erfolgt durch die unabhängige niederländischen Organisatio Equileap, die auf Untersuchungen zur Geschlechtergerechtigkeit spezialisiert ist. Mit ihrem Gender Screen bewertet Equileap Unternehmen anhand von 35 Punkten nach 19 Kriterien, insbesondere nach der Ausgewogenheit der Geschlechter in Führung und Belegschaft, gleicher Vergütung und Work-Life-Balance, Richtlinien zur Förderung der Geschlechtergleichstellung und Engagement für Transparenz und Rechenschaftspflicht.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Investments in Waffen, Glücksspiel und Tabak aus. Ebenfalls tabu sind nach Angaben von Lyxor Unternehmen, die auf der Liste des norwegischen Ethikrates stehen. Der Rat verantwortet die ethischen, sozialen und ökologischen Investitionsrichtlinien für den norwegischen Pensionsfonds, den größten Staatsfonds der Welt.

Nach den Regeln des Fonds sind etwa Waffenhersteller und Tabakunternehmen grundsätzlich ausgeschlossen, aus Kohleinvestments hat er sich zurückgezogen. Zudem trennt der Fonds sich immer wieder öffentlichkeitswirksam von Beteiligungen an Konzernen, in der Vergangenheit waren dies etwa die Flugzeugbauer Airbus und Boeing, der deutsche Energieversorger RWE und das australische Bergbauunternehmen Rio Tinto.

Allerdings schließen die Norweger etwa Atomkraft und Erdöl nicht aus – der Fonds investiert schließlich auch die Einnahmen aus der Ölförderung des Landes.

So nachhaltig ist dieser ETF

Der Lyxor-ETF investiert in den australischen Ölverarbeiter Ampol. Contact Energy aus Neuseeland und Sempra Energy aus den USA betreiben Gaskraftwerke.

Mehrere im ETF vertretene Unternehmen (3M, Danone u.a.) führen nach Erkenntnissen der Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E (Vigeo Eiris) vorgeschriebene Tierversuche durch. Andere bieten Produkte und Services an, die auch von Militär oder Nuklearindustrie genutzt werden (SAP, AT&T u.a.). Dazu gehören beispielsweise Steuerungssoftware oder Technik für die Satellitenkommunikation.

Der ETF investiert grundsätzlich in normale, große Unternehmen, insbesondere aus den Bereichen Finanzdienstleistung und Luxusgüter. Zu den größten Positionen im ETF gehören etwa die US-Kaufhauskette Nordstrom, die auch Pelzkleidung anbietet, der US-Autobauer General Motors und der französische PR-Konzern Publicis Groupe.

Transparenz

Anlegerinnen und Anleger können alle Aktien des ETFs auf der Internetseite des Anbieters Lyxor einsehen. Das Auswahlverfahren ist in den Unterlagen zum ETF vollständig beschrieben. Mit vertretbarem Zeitaufwand finden Anlegerinnen und Anleger beim ETF-Anbieter keine Informationen, bei welchen Kriterien der Gleichberechtigung die im ETF vertretenen Unternehmen konkret hervorstechen.

Nachhaltige Wirkung

Lyxor übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Keine Investition in die Kohleindustrie
  • Günstige Gebühren

Schwächen:

  • Zulieferer für Militär und Nuklearindustrie im Portfolio
  • Aktiengesellschaften im ETF führen Tierversuche durch oder handeln mit Pelzen
  • Kurs schwankt stark

Fazit

Ein ETF mit sozialem Ansatz und ohne Ausrichtung auf speziell grüne Unternehmen – letztendlich ein ETF, der in normale Konzerne investiert, für die erweiterte Nachhaltigkeitskriterien gelten. Das reicht aber, um bei der Nachhaltigkeit besser dazustehen als viele andere von ECOreporter getestete ETFs.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: 3,2

Nachhaltigkeit: 4,3

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 22.01.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 26.01.2021

Name des ETFs: Lyxor Global Gender Equality (DR) UCITS ETF - Acc

ISIN: LU1691909508 / WKN: LYX0XS

Nachgebildeter Index: Solactive Equileap Global Gender Equality Net Total Return Index

Start des ETFs: 12.10.2017

Jährliche Gebühren: 0,20 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 30,9 Millionen US-Dollar (1/2021)

Internet: www.lyxoretf.de

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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