Die sogenannten Online- oder Neobroker werben oft mit dem Aktienhandel komplett online per Smartphone-App. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien, Meldungen

Neobroker im Visier der EU-Aufsicht

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Esma sieht den Anlegerschutz durch die sogenannten Online- oder Neobroker gefährdet. Im Fokus stehen Rückvergütungen für Handelsaufträge.

Neobroker erfreuen sich aufgrund ihrer niedrigen Gebühren hoher Beliebtheit. Viele bieten ihre Dienste zum Nulltarif an – oder stellen dies zumindest so dar. Jetzt haben diese Geschäftsmodelle die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Esma auf den Plan gerufen. Denn von Mini-Gebühren oder gar ganz ohne Einnahmen können Unternehmen auf Dauer kaum existieren.

Provisionen von Market-Makern

Geld verdienen die Neobroker etwa mit den sogenannten Rückvergütungen. Statt Gebühren direkt von den Kunden zu nehmen, lassen sich die Unternehmer von sogenannten Market-Makern bezahlen. Market-Maker sind Händler, die anderen Marktteilnehmern jederzeit ermöglichen, sofort ihre Kauf- oder Verkaufsentscheidungen zu einem marktgerechten Börsenkurs zu verwirklichen.

Diese ziehen ihre Marge aus der Geld-Brief-Spanne, zu der sie Wertpapiere handeln – also dem Unterschied zwischen dem Preis zu dem Aktien gekauft (Brief) und verkauft (Geld) werden. Die Makler geben einen Teil ihrer Einnahmen dann an die Broker weiter – als Vergütung dafür, dass sie den Kundenauftrag bekommen haben. Payment on Order Flow (PFOF) ist das Fachwort dafür.

Die Esma weist nun darauf hin, dass die Annahme einer solche Rückvergütung „in den meisten Fällen wahrscheinlich nicht vereinbar mit den Mifid-II-Regeln ist“. Dabei geht es um mögliche Interessenskonflikte. Denn die Neobroker könnten ihre Kunden durch ihr Angebot mehr oder weniger gezielt zu den Handelsplätzen leiten, an denen sie die höchste Rückvergütung erwarten – ohne, dass dies die beste Lösung für den Kunden sein muss.

Bekannt ist die Praktik besonders aus den USA, die Esma beobachtet solche Vorgänge nach eigener Aussage aber auch in einigen EU-Mitgliedstaaten und ruft die entsprechenden nationalen Behörden auf, darauf zu achten. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat das Thema bereits auf dem Schirm. In der Juni-Ausgabe ihres Journals widmet sie einen Artikel genau diesem Thema und erklärt, worauf Anleger beim Handel über Neobroker achten sollten.

Mehr zu neobrokern und ihren Möglichkeiten zum Einstieg in die nachhaltige Geldanlage lesen Sie in unserem Ratgeber Aller Anfang ist (nicht) schwer: Ein ECOreporter-Ratgeber zum Start in die nachhaltige Geldanlage.

Verwandte Artikel

08.07.21
 >
08.07.21
 >
06.07.21
 >
14.06.21
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x