Bei Plänen zur Wasserstoffherstellung in Windturbinen ist der Salzgehalt des Meerwassers ein Problem. / Foto: Pixabay

  Erneuerbare Energie, Meldungen

Schaeffler will Wasserstoffherstellung aus Meerwasser optimieren

Der Automobil-Zulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach hat gemeinsam mit Partnern aus den Niederlanden in einem Pilotprojekt Wasserstoff aus Meerwasser gewonnen, wie das Solar-Fachmagazin pv-magazine berichtet. Schaeffler will demnach seine Kompetenzen im Bereich Wasserstoff ausweiten, da sich im Zuge der Mobilitätswende das Geschäft mit Getrieben und anderen Bauteilen verringern wird.

Mit dem Konsortium aus den Niederlanden geht der Konzern nun ein besonderes Problem an: Zwar gibt es bereits Pläne, grünen Wasserstoff auf See aus großen Mengen Offshore-Windenergie zu produzieren. Allerdings steht diese Art der Wasserstoffproduktion vor der großen Herausforderung, dass Elektrolyseure hochreines Wasser benötigen.

Preis für grünen Wasserstoff deutlich senken

Daher müsste Meerwasser zunächst entsalzt und dann aufwendig gereinigt und gefiltert werden, bevor es zu den empfindlichen Membranen fließen kann. Dieser Prozess würde die Kosten für den aktuell ohnehin noch nicht rentablen grünen Wasserstoff weiter in die Höhe treiben. Grün ist Wasserstoff dann, wenn er mittels erneuerbarer Energie per Elektrolyse aus Wasser hergestellt wird.

Schaeffler hat dazu in den Niederlanden das Start-up Hydron B.V. gegründet. Dieses hat ein Verfahren entwickelt, um die Abwärme des Elektrolyseprozesses zur Destillation des Meerwassers zu benutzen, bevor dieses innerhalb des Elektrolyseurs zur Membran gelangt. Die Anlage konnte in ersten Tests laut Unternehmen ein Kilogramm Wasserstoff pro Stunde erzeugen, während durch die Membran-Destillation zehn Kilogramm ultrareines Wasser (UPW) für die Elektrolyse bereitgestellt werden konnten.

Im nächsten Entwicklungsschritt will Schaeffler die Skalierung der Filter und Entsalzungskomponenten für den Einsatz im industriellen Maßstab vorantreiben. Zudem sollen die Kosten gesenkt und die Langlebigkeit der Anlage verbessert werden. Ziel sei es, die Produktionskosten von grünem Wasserstoff von heute 4 bis 10 Euro pro Kilogramm auf 2 Euro pro Kilogramm zu senken. Bis es so weit ist, wird es jedoch noch Jahrzehnte dauern, schätzen selbst die Forschenden der Universität Wageningen.

ECOreporter warnt beim Thema Wasserstoff grundsätzlich vor übertriebener Euphorie. Auch optimistische Schätzungen sehen eine konkurrenzfähige Produktion von grünem Wasserstoff nicht vor 2030 als möglich an.

Mehr zur Wasserstoffbranche und ihren börsennotierten Unternehmen lesen Sie im ECOreporter-Dossier Von Bloom Energy bis Linde: Das sind die besten Wasserstoff-Aktien.

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