Siemens Energy errichtet mit seiner Tochter Siemens Gamesa Windräder, verdient aber auch weiterhin Geld mit fossilen Energien. / Foto: Siemens Gamesa

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Siemens Energy: Gas statt Kohle – und fürs Klima ist nichts gewonnen?

Am heutigen Donnerstag findet die Jahreshauptversammlung des Münchener Energietechnik-Konzerns Siemens Energy statt. Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre (DKA) kritisieren das ihrer Ansicht nach „weiterhin klimaschädliche Geschäftsmodell des Unternehmens“.

In einer gemeinsamen Erklärung von urgewald und DKA heißt es, Siemens Energy konzentriere sich vor allem auf den schnellen Umstieg von Kohle zu fossilem Gas, statt eine echte Transformation weg von den fossilen Energien einzuleiten.

Klimakiller Methan

„Wenn alle Kohlekraft einfach durch fossile Gaskraft ersetzt wird, bringt das höchstens kurzfristige Klimagewinne, legt jedoch auf Jahrzehnte einen fossilen Pfad fest“, erläutert Regine Richter, Energie-Campaignerin von urgewald. „Zudem entweicht vor allem beim Gastransport immer wieder das kurzlebige Treibhausgas Methan, das eine vielfach höhere Klimaschädlichkeit aufweist als Kohlendioxid.“

urgewald zufolge ist Siemens Energy zudem weltweit an zahlreichen Flüssiggasprojekten beteiligt, etwa in den USA, Mosambik, Nigeria, Russland und Brasilien. Die Klimabilanz dieser sogenannten LNG-Projekte beurteilt urgewald wegen des Energieverlusts bei der zweifachen Umwandlung des Gases sowie der potenziell auftretenden Methanleckagen als besonders schlecht.

Enteignungen ohne Entschädigungen?

Kritisch sehen urgewald und DKA auch die Beteiligung von Siemens Energy an zwei Gaskraftwerken und einem LNG-Importterminal bei Campos dos Goytacazes im Norden des brasilianischen Bundesstaates Rio de Janeiro. Diese Beteiligung werfe Fragen zur Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten bei Siemens Energy auf. Hunderte Familien, die für den Bau des Hafens enteignet wurden, sollen bis heute keine Entschädigungen erhalten haben. Den betroffenen Menschen sei die Grundlage ihrer bisherigen kleinbäuerlich-familiären Land- und Fischwirtschaft genommen worden. Durch das Überlaufen von Salzwasser von den im Hafen von Açu errichteten Dämmen hätten Fischereigebiete geschlossen werden müssen.

„Ab nächstem Jahr muss Siemens nach dem Lieferkettengesetz vorbeugend gegen menschenrechtliche Verstöße bei Auslandsgeschäften vorgehen“, sagt Tilman Massa, Referent beim DKA. „Die Landenteignungen ohne Entschädigungen bei dem brasilianischen Hafenprojekt sind eindeutige Verstöße, bei denen Siemens Energy in der Verantwortung steht, diese in Zusammenarbeit mit den Projektbeteiligten abzustellen und sicherzustellen, dass sie nicht wieder auftreten.“

Siemens Energy ist seit September 2020 als eigenständiges Unternehmen an der Börse. 35 Prozent der Aktien gehören noch dem Mutterkonzern Siemens. Dieser will aber weitere Aktien verkaufen. Siemens Energy wiederum ist mit zwei Dritteln der Anteile Mehrheitseigner des defizitären Windradbauers Siemens Gamesa.

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Siemens AG:   ISIN DE0007236101 / WKN 723610

Siemens Gamesa Renewable Energy S.A:  ISIN ES0143416115 / WKN A0B5Z8

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