Abnehmer des Solarstroms in Vietnam soll Nam Dinh Forest Products JSC sein, ein Hersteller unter anderem von Möbeln für IKEA. / Foto: Nam Dinh Forest, Vu Phong Solar

  Crowd-Investment, Crowd-Test

Solar-Crowdinvestment für Hersteller von IKEA-Möbeln – Nam Dinh Forest I

Die ecoligo Co., Ltd. erweitert ihr Portfolio um eine Solaranlage mit einer Nennleistung von 567 Kilowattpeak (kWp). Die Umsetzung des Solarprojektes in Vietnam können Anleger mittelbar ab 100 Euro über die Online-Plattform ecoligo.investments finanzieren. Der Zinssatz des angebotenen Nachrangdarlehens beträgt bis zu 7 Prozent pro Jahr bei einer geplanten Laufzeit von rund sieben Jahren.

Der Käufer des Solarstroms (Endkunde) im Einparteienstaat Vietnam, Nam Dinh Forest Products JSC, stellt nach ecoligo-Angaben seit knapp 30 Jahren Holzmöbel her. Das Unternehmen hat an vier Produktionsstandorte den Angaben nach zurzeit 2.600 Mitarbeiter. Nam Dinh Forest ist Zulieferer für IKEA. Zu den Produkten von Nam Dinh Forest zählen verschiedene Holzmöbel für den Außen- und Innenbereich, die laut ecoligo zumeist aus Akazienholz hergestellt werden. Darunter befinden sich Tische, Stühle, Pflanzkisten sowie Holzfliesen für Terrassen.

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Nam Dinh Forest hat laut ecoligo erst kürzlich den Bau zwei neuer Produktionshallen in Auftrag gegeben, welche nun von ecoligo mit Solaranlagen ausgestattet werden sollen. Die geplanten Anlagen haben eine Gesamtleistung von 1.134 kWp. Mit dem Crowdinvesting Nam Dinh Forest I soll die Solaranlage für das erste Gebäude mit einer Kapazität von 567 kWp finanziert werden. Das Emissionsvolumen des Crowdinvestings, das nach ecoligo-Angaben am heutigen 1. Januar um 10 Uhr gerstartet ist, beträgt bis zu 412.000 Euro. Die Umsetzung des Solarprojekts hat laut Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB, Stand: 9. Dezember 2020) bereits begonnen.

Variabler Strompreis

Die Emittentin ecoligo Projects Four UG (haftungsbeschränkt) soll die Nettoeinnahmen aus dem Nachrangdarlehen der Anleger an den Projektinhaber, die im Vietnam ansässige ecoligo Co., Ltd., weiterleiten. Die Projektinhaberin soll das Solarprojekt nach der Errichtung betreiben und Erträge aus einem Stromverkaufsvertrag (Power Purchase Agreement) mit dem vietnamesischen Solarstrom-Endkunden erwirtschaften.

Der Strompreis gemäß Stromverkaufsvertrag orientiere sich dabei am Stromtarif des lokalen Energieversorgungsunternehmens Vietnam Electricity und soll stets drei Prozent unter diesem Tarif liegen, aber mindestens bei 1350 VND/kWh (umgerechnet derzeit rund 0,05 Euro/kWh). Der Strompreis wird vom Endkunden in Vietnamesischen Dong (VND) bezahlt. 

Der Tarif wird demnach jährlich vom Energieversorgungsunternehmen neu berechnet und veröffentlicht. Aktuell liegt laut VIB der Tarif des Kunden durchschnittlich bei 1.950 VND/kWh und der Strompreis damit bei 1.890 VND/kWh. Für die Wirtschaftlichkeitsberechnung nimmt ecoligo an, dass der Strompreis um 6 Prozent pro Jahr ansteigt.

Verkauf der Solaranlage fest einkalkuliert

Neben dem Strompreisrisiko besteht unter anderem auch das Risiko, dass die Solaranlage die einkalkulierten Stromerträge nicht erreicht und damit geringere Einnahmen verbucht als geplant. Weiterhin besteht ein Risiko, dass der Projektinhaber am Ende der rund siebenjährigen Nachrangdarlehens-Laufzeit die dann fällige Rest-Tilgungskomponente von 67 Prozent des Nachrangdarlehensbetrages nicht (in voller Höhe) an die Emittentin leisten kann.


Auf dem Dach dieser Produktionshalle in Vietnam soll die Solaranlage entstehen. / Foto: Nam Dinh Forest, Vu Phong Solar

Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn der Endkunde die Kaufoption für die Solaranlage nicht ausübt und die Projektinhaberin keine Anschlussfinanzierung erreicht. In der Wirtschaftlichkeitsberechnung für die 567 kWp-Solaranlage sind die Erlöse aus dem Verkauf der Solaranlage (bzw. einer Anschlussfinanzierung) für 2026 mit rund 340.000 Euro angesetzt. Die für 2020 kalkulierten Investitionen in Solaranlage und Projektentwicklung betragen rund 372.000 Euro.

Viele Unbekannte

Es besteht das Risiko, dass die im Vietnam ansässige Projektinhaberin ecoligo Co., Ltd. in Zukunft nicht die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen, um ihren Verpflichtungen gegenüber der Emittentin (vollständig) nachzukommen. Der wirtschaftliche Erfolg der Projektinhaberin hängt laut VIB von mehreren Einflussgrößen ab, unter anderem von der Entwicklung des Strompreises und der Zahlungs- und Leistungsfähigkeit von Kunden und Lieferanten. 
Politische Veränderungen, Zins- und Inflationsentwicklungen, Länder- und Wechselkursrisiken sowie Veränderungen der rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen können nachteilige Auswirkungen auf die Projektinhaberin haben.
Nam Ninh Forest I ist das elfte Projekt

Die Emittentin ecoligo Projects Four UG (haftungsbeschränkt) betreibt kein eigenes operatives Geschäft, sondern hat den Zweck, die in Deutschland eingeworbenen Nachrangdarlehen von Crowdinvestoren an die in Vietnam ansässigen Projektinhaberin ecoligo Co., Ltd. in Form eines weiteren Darlehens weiterzuleiten. Dieselbe Struktur wurde nach Angaben von ecoligo bereits bei zehn weiteren Projekten im Vietnam umgesetzt und ist auch bei Folgeprojekten mit der Projektinhaberin ecoligo Co., Ltd. vorgesehen. 

Es besteht das Risiko, dass sich andere Projekte, in die die Anleger nicht selbst investiert haben, nachteilig auf ihr getätigtes Investment auswirken. Dies kann etwa der Fall sein, wenn ein anderes Projekt der ecoligo Co., Ltd. wirtschaftlich fehlschlägt und die Projektinhaberin ihre fälligen Verbindlichkeiten gegenüber der Emittentin nicht bedienen kann. Laut VIB hat die Emittentin in letzten zwölf Monate Vermögensanlagen für zusammen rund 2,3 Millionen Euro verkauft, von denen noch keine Vermögensanlage vollständig getilgt ist.

Risiko für Anlegerinnen und Anleger

Bei negativem Verlauf der Investitionen (z.B. durch Zahlungsschwierigkeiten der Endkunden, nachteilige Wechselkursentwicklung oder Naturkatastrophen) kann es sein, dass der Anleger einen Teil oder die gesamten ihm zustehenden Zinsen und den Nachrangdarlehensbetrag nicht erhält. Anleger können Ansprüche auf Rückzahlung des Nachrangdarlehensbetrags und auf Zahlung der Zinsen nicht geltend machen, wenn dies für die Emittentin einen Insolvenzgrund herbeiführen würde. 

Aber auch unabhängig davon kann die Emittentin insolvent werden und können Anlegerinnen und Anleger ihr eingesetztes Kapital verlieren.

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