Volkswagen an der Ladesäule. Eine Studie unterstellt Autobauern weltweit zu wenig Engagement bei der Elektrifizierung des Verkehrs. / Foto: imago images, Joker

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Studie: Automobilhersteller untergraben weltweit 1,5 Grad-Klimaziel

Die größten Automobilhersteller der Welt untergraben die globalen Klimaziele, indem sie hinter den Zielen für Elektrofahrzeuge zurückbleiben und gleichzeitig Lobbyarbeit für die Verlängerung der Lebensdauer des Verbrennungsmotors leisten. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des britischen Klima-Thinktanks InfluenceMap.

Alle zwölf untersuchten Unternehmen haben demnach öffentlich ihre Unterstützung für das Pariser Abkommen erklärt. Mit dem US-Elektroautohersteller Tesla engagiert sich laut Studie aber nur eines für eine Politik, die mit den Zielen des Abkommens übereinstimmt.

Nur zwei Hersteller – Tesla und die Stuttgarter Mercedes-Benz Group – seien zudem bereit, schnell genug auf Elektrofahrzeuge (BEV) umzusteigen, um das Ziel einer maximalen Erderwärmung um 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit einzuhalten. Die Studie zählt dabei auch Fahrzeuge mit Wasserstoffbrennstoffzelle zu den Elektrofahrzeugen.

Kritik an deutschen Autobauern

Zur Bewertung des klimapolitischen Engagements der Autohersteller zieht die Studie unter anderem Prognosen zu deren Produktionsstrategien heran. Das negativste klimapolitische Engagement aller zwölf untersuchten Automobilhersteller zeigt demnach der japanische Autohersteller Toyota. Dieser weist die niedrigste Prognose für die Produktion von Elektrofahrzeugen aus, wie Zahlen des britischen Daten-Dienstleisters IHS Markit zeigen würden.

Neue Recherchen deuten laut InfluenceMap zudem darauf hin, dass sich BMW im deutschen Automobilsektor als führender Gegner der Klimapolitik in Deutschland und Europa abzeichnet. Während die deutsche Automobilindustrie zunehmend generelle Unterstützung für das Pariser Abkommen und langfristige Klimaziele bekundet, hätten sich wichtige Akteure wie BMW und der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) dafür eingesetzt, kurzfristige Klimaschutzregeln zu schwächen.

Die Recherchen umfassten demnach die Sammlung und Analyse von über 1.000 Hinweisen zu Aktivitäten im Bereich Klimaschutzregulierung, von denen mehr als 400 aus den Jahren 2020 oder 2021 stammen. Dazu gehört laut InfluenceMap eine beträchtliche Menge bisher ungesehener Informationen, auf die der Think Tank durch mehr als zehn Anträge auf Informationsfreiheit (FOI) zugreifen konnte.

Als Nummer zwei hinter BMW bei negativen klimapolitischen Aktivitäten folgt demnach – trotz der guten Bewertung beim Tempo des Elektroauto-Baus – die Mercedes-Benz Group. Der Konzern habe wichtige Klimapolitikpositionen und seine Aktivitäten dazu nicht offengelegt. Ein gemischtes Bild zeige der weltgrößte Autobauer Volkswagen aus Wolfsburg. Er falle allerdings durch zunehmend positive klimapolitische Aktivitäten auf. Beispiele nannte InfluenceMap nicht.

"Der jüngste Bericht des IPCC macht deutlich, dass eine schnelle Verbreitung von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen für die Erreichung der globalen Klimaziele entscheidend ist", so Ben Youriev, leitender Analyst bei InfluenceMap. "Dennoch zeigt diese Studie, dass die großen Automobilhersteller weiterhin zu den größten Gegnern der Klimapolitik weltweit gehören. Fast alle Automobilhersteller halten mit dem Übergang zu emissionsfreien Fahrzeugen nicht Schritt. Diese Studie zeigt, dass diejenigen, die am weitesten zurückliegen, sich auch am negativsten zur Klimapolitik äußern."

Lesen Sie auch das ECOreporter-Dossier Von Tesla bis Rivian: 20 Elektroauto-Aktien im Crash-Test.

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