Nur wenige deutsche Unternehmen machen Manager-Vergütungen von der Leistung bei Nachhaltigkeitsthemen abhängig. / Foto: Pixabay

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Studie: Nachhaltigkeit spielt in Deutschland kaum Rolle bei Vorstandsvergütung

Immer mehr börsennotierte Unternehmen in Deutschland setzen sich Nachhaltigkeitsziele. Allerdings spielen diese bei der Vergütung der Vorstände nur eine untergeordnete Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Kirchhoff Consult AG.

In der Unternehmensführung lässt sich beim Thema Nachhaltigkeit „eine Lücke zwischen kommunizierter und gelebter Praxis vermuten“, heißt es in der Studie, die dieses Jahr zum achten Mal erstellt wurde. Sie untersucht auf Grundlage von Nachhaltigkeitsberichten und nichtfinanziellen Erklärungen 160 Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX. Stichtag der Studie ist der 30. Juni, an dem der DAX noch aus 30 Unternehmen und nicht wie inzwischen aus 40 bestand.

Nachbesserungsbedarf bei Lieferketten und Gleichberechtigung

Nur knapp jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) ordnet Corporate Social Responsibility (CSR), also die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens, einem Vorstandsressort zu. 36 Prozent der Firmen geben an, Themen mit gesellschaftlicher und ökologischer Relevanz im Jahr 2020 auch im Aufsichtsrat behandelt zu haben. Und im Vergütungsbericht weisen ein Drittel aller Unternehmen Kennzahlen auf, die mit Nachhaltigkeit verbunden sind und einen Einfluss auf die Höhe der variablen Vergütung des Vorstands haben.

Diese Kennzahlen sind allerdings nur in 20 Prozent der Fälle mit einer konkreten Zielvorgabe und einer konkreten zeitlichen Zielsetzung verbunden. "Die Bedeutung von Nachhaltigkeit spielt insgesamt noch eine untergeordnete Rolle in deutschen Vorständen und Aufsichtsräten“, sagt Nils Borcherding, Partner Sustainability Services bei BDO. Und Philipp Killius, Partner und Head of Sustainability/ESG bei Kirchhoff, ergänzt: "Die Kompetenzen und Ressorts weisen oftmals keinen klaren Nachhaltigkeitsbezug auf."

Nachbesserungsbedarf sieht die Studie auch beim Thema Lieferketten und Geschlechtergerechtigkeit. Immerhin fangen Unternehmen an, sich mit problematischen Lieferketten auseinanderzusetzen: In zwei von drei nichtfinanziellen Erklärungen und Berichten, die das Thema erwähnen, wird mindestens ein Aspekt der Zulieferer behandelt: am häufigsten das Thema Menschenrechte (66 Prozent), gefolgt vom Thema Umwelt (44 Prozent). Am wenigsten Beachtung findet die Bekämpfung von Korruption und Bestechung (24 Prozent).

Erstmals erhebt die Studie von BDO und Kirchhoff Consult auch einen aktuellen Stand bei der Gleichstellung in deutschen Führungsetagen. Demnach sitzt zwar in 38 Prozent aller 160 DAX-Unternehmen mindestens eine Frau im Vorstand. Aber nur 11 Prozent aller Vorstandsposten sind weiblich besetzt. Leicht differenziert fällt dabei das Bild in den einzelnen DAX-Indizes aus. Bei DAX 40-Unternehmen sind 16 Prozent der Vorstände Frauen, bei SDAX-Unternehmen 11 Prozent und bei MDAX-Unternehmen 9 Prozent.

Besser bei der Nachhaltigkeit machen es die ECOreporter-Favoriten-Aktien.

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