Der Diplomkaufmann Jürgen Koppmann gehört seit 2002 mit einer kurzen Unterbrechung dem Vorstand der UmweltBank an. Seit 2019 ist er Vorstandssprecher. / Foto: Bank

  Aktien-Favoriten, Finanzdienstleister, Fonds / ETF

UmweltBank-Vorstand Jürgen Koppmann im Interview: „Der Begriff Strafzinsen ist irreführend“

Mit 100.000 angelegten Euro die CO2-Emissionen von vier Erdumrundungen mit dem Auto einsparen – das verspricht die Nürnberger UmweltBank. Wie das grüne Institut zu Strafzinsen steht und wann es ein Girokonto und neue Fonds geben wird, erläutert Vorstandssprecher Jürgen Koppmann im ECOreporter-Interview.


Die UmweltBank plant zwei neue Fonds. / Foto: Unternehmen

ECOreporter: Herr Koppmann, viele Banken verlangen mittlerweile für die Einlagen ihrer Kundinnen und Kunden Strafzinsen. Gibt es die bei der UmweltBank auch?

Jürgen Koppmann: Sorry, aber der Begriff „Strafzinsen“ ist irreführend. Wir erheben seit Mitte letzten Jahres ein Verwahrentgelt für größere Tagesgeldbeträge ab 100.000 Euro pro Kundin und Kunde. Damit wollen wir niemanden bestrafen. Vielmehr erbringen wir eine Dienstleistung: die ökologische und mündelsichere Verwahrung von Geld. Dass das Verwahrentgelt zum Standard wird, ist nicht die Schuld oder der böse Wille von Geschäftsbanken. Grund ist die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Unser Tagesgeldkonto erfreut sich trotzdem großer Beliebtheit – unter anderem durch die attraktive Verzinsung von 0,25 Prozent bis zu einem Anlagebetrag von 5.000 Euro. Viele Sparerinnen und Sparer sind von dem Verwahrentgelt übrigens gar nicht betroffen, da bei ihnen keine 100.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto liegen.

Eine Anlegerin will 100.000 Euro, die sie bislang bei einer herkömmlichen Bank geparkt hatte, auf ein UmweltBank-Konto legen, um keinem nicht nachhaltigen Geldinstitut Strafzinsen zahlen zu müssen. Welche nachhaltige Wirkung erzeugen diese 100.000 Euro bei Ihnen?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Auf unserem UmweltFlexkonto kompensieren Anlegerinnen und Anleger pro 1.000 Euro die Menge an Treibhausgasen, die 1.500 gefahrene Kilometer mit dem Auto verursachen. Und das ganz einfach, indem die UmweltBank das angelegte Geld als Kredit für nachhaltige Umweltprojekte vergibt. Eine Summe von 100.000 Euro entspricht also fast vier Umrundungen der Erde mit dem Auto.

Warum können Ihre Kundinnen und Kunden über das Wertpapierdepot der UmweltBank nicht alle am Markt erhältlichen Aktien und Fonds kaufen?

Als UmweltBank ist es unser Anspruch, ein wirklich grünes Depot anzubieten. Unser Angebot umfasst daher eine streng auf Nachhaltigkeit geprüfte Auswahl an Wertpapieren. Dazu gehören Fonds, Anleihen und die Aktie der UmweltBank. So können Anlegerinnen und Anleger sicher sein, dass ihr Geld nur in ökologisch und sozial sinnvolle Vorhaben und nachhaltige Unternehmen fließt.  

Sie haben den Aktionären der UmweltBank AG 2020 eine Dividende ausgezahlt, während die meisten anderen Banken auf Empfehlung der Aufsichtsbehörden auf Ausschüttungen verzichtet haben. Warum konnten Sie sich die Dividende im Unterschied zu anderen leisten?

Die UmweltBank ist gut durch das erste Pandemiejahr gekommen. Wir finanzieren ausschließlich nachhaltige Vorhaben – schwerpunktmäßig erneuerbare Energien und das ökologische und bezahlbare Wohnen. Das sind krisenfeste Erfolgsgaranten, denn gewohnt wird immer, der Wind weht weiter, und die Sonne scheint unermüdlich.

Aufgrund unserer positiven Geschäftsentwicklung konnten wir unsere Aktionärinnen und Aktionäre im vergangenen Jahr guten Gewissens am Erfolg der UmweltBank beteiligen. Übrigens haben wir auch in diesem Jahr unsere Dividendenhistorie fortgeschrieben. Die Hauptversammlung am 24. Juni hat eine Ausschüttung in Höhe von 33 Cent beschlossen – die 18. Dividendenzahlung in Folge.

Schon seit Längerem steht ein UmweltBank-Girokonto im Raum. Gibt es mittlerweile konkrete Pläne?

Wir haben uns in den letzten Jahren sehr intensiv mit dem Produkt befasst. Aktuell sehen wir jedoch kein gutes Umfeld für die Einführung eines Girokontos. Obwohl es technisch komplex und sehr aufwendig in der Betreuung ist, herrschte über Jahre hinweg eine Kostenlosmentalität bei diesem Produkt – diese nimmt nun langsam ab. Wir beobachten den Markt weiter und werden das Thema regelmäßig neu bewerten. Schließlich wissen wir auch, dass sich viele unserer Kundinnen und Kunden sehr über ein UmweltBank-Girokonto freuen würden.

Planen Sie derzeit weitere Finanzprodukte?

Wir haben Anfang 2020 den UmweltSpektrum Mix – unseren ersten eigenen Fonds – auf den Markt gebracht. Dieser hat inzwischen ein Volumen von 70 Millionen Euro und verzeichnete seit Auflage eine Wertentwicklung von über 25 Prozent (ECOreporter hat den Fonds hier ausführlich getestet - Anm. d. Red.).

Aufgrund des großen Erfolgs werden wir im zweiten Halbjahr 2021 unsere Fondspalette erweitern – zwei weitere Fonds unter der Marke UmweltSpektrum stehen bereits in den Startlöchern. Darüber hinaus wollen wir unseren Kundinnen und Kunden zukünftig auch eine digitale Vermögensberatung anbieten.  

Herr Koppmann, vielen Dank für Ihre Antworten!

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