Johnson & Johnson verkauft unter anderem die Pflegeprodukte der Marke bebe. / Foto: Unternehmen

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Und plötzlich insolvent: Will Johnson & Johnson Milliardenstrafen abwenden?

Dem Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson drohen in den USA hohe Entschädigungszahlungen. Babypuder des Unternehmens soll krebserregende Stoffe enthalten haben. Mit einem juristischen Trick versucht Johnson & Johnson nun offenbar, die Zahlungen abzuwenden.

Ungefähr 38.000 Menschen haben Johnson & Johnson bislang verklagt. Ihr Vorwurf: Sie seien aufgrund von Asbestverunreinigungen in Babypuder-Produkten des Konzerns an Krebs erkrankt. Johnson & Johnson habe seit Jahrzehnten von den Verunreinigungen gewusst, aber nichts dagegen unternommen. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe.

Einige Gerichte entschieden allerdings im Sinne von Klägerinnen und Klägern. Johnson & Johnson musste bis Anfang dieses Jahres bereits 2,5 Milliarden US-Dollar an Entschädigungen zahlen, weitere Milliarden könnten folgen. Jetzt hat der Konzern die Abteilung, die sich mit den Entschädigungsklagen befasst, ausgegliedert und für das neue Tochterunternehmen LTL Management umgehend Insolvenz angemeldet. Im US-Bundesstaat North Carolina, wo LTL Management seinen Sitz hat, ist solch ein Vorgehen bislang legal.

Nach Gründung direkt insolvent

Sollte die Insolvenz planmäßig abgewickelt werden, könnte Johnson & Johnson um weitere Entschädigungszahlungen herumkommen. Allerdings klagen bereits Betroffene gegen die Insolvenz, und die US-Regierung will strategisch motivierte Pleiten wie die von LTL Management landesweit verbieten.

Finanziell ist Johnson & Johnson durchaus in der Lage, hohe Entschädigungszahlungen zu leisten: In den ersten neun Monaten 2021 erzielte der Konzern einen Gewinn von 16 Milliarden Dollar, die Cash-Reserven betragen etwa 25 Milliarden Dollar.

Johnson & Johnson war eine ECOreporter-Favoriten-Aktie der Kategorie Nachhaltige Dividendenkönige. Die Redaktion hat den Konzern 2019 wegen mehrerer schwerwiegender Kontroversen, darunter auch der Babypuder-Skandal, aus seiner Favoriten-Liste entfernt. Seitdem hat sich die Nachhaltigkeit des Unternehmens nach Einschätzung von ECOreporter nicht verbessert.

Lesen Sie auch das ECOreporter-Dossier Nachhaltige Dividendenkönige: Bei diesen Aktien kann sich der Einstieg jetzt lohnen.

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