Kenia: Der Farmer und Familienvater Stanley Njugi (35) hat nur ein Drittel Hektar Land und vier Kühe, aber ein stabiles Einkommen. Seit 2007 ist Njugi Kunde eines Mikrofinanz-Instituts. / Foto: Oikocredit, Opmeer Reports

  Fonds / ETF, Gut erklärt - Mikrofinanzen

Drei Mikrofinanzfonds im Test – welcher liegt vorne?

Armen Menschen helfen und dafür solide Renditen erhalten? Das geht: mit Mikrofinanzfonds. Drei dieser Fonds treten im ECOreporter-Test gegeneinander an.

Die Test-Kandidaten

Der 2011 aufgelegte IIV Mikrofinanzfonds war lange der einzige in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Mikrofinanzfonds. IIV steht für „Invest in Visions“. Gegründet hat den Fonds Edda Schröder, Geschäftsführerin der Invest in Visions GmbH aus Frankfurt. Zweiter Testfonds ist der KCD Mikrofinanzfonds – III. KCD steht für Kirche – Caritas – Diakonie. Die Bank im Bistum Essen (BiB) startete den Fonds 2015. Die katholische Kirchenbank investiert selbst seit vielen Jahren im Bereich Mikrofinanz. Ebenfalls seit 2015 gibt es den GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds. Er kommt von der GLS Bank aus Bochum.

Alle drei Fonds stoßen auf reges Anlegerinteresse, ihr Volumen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Beispielhaft zeigt das der Mikrofinanzfonds der GLS Bank, der nach seinem Start Ende 2015 in weniger als anderthalb Jahren ein Volumen von über 60 Millionen Euro erreichte. Ende Oktober 2021 verwaltete der Fonds 220 Millionen Euro.

Stabile Wertentwicklung

Das Geschäft mit Mikrokrediten verläuft weitgehend unabhängig von den Börsen – im Gegensatz zu Investments in Aktien oder Anleihen. Denn die Kurse von Mikrofinanzfonds bilden sich nicht am freien Markt durch Angebot und Nachfrage, sondern werden von spezialisierten Agenturen festgelegt. Die bewerten die Qualität der Kredite und berücksichtigen auch, wie sich die Staatsanleiherenditen der Länder entwickeln, in denen die Fonds Kredite vergeben. Turbulenzen an den Finanzmärkten wirken sich nur indirekt auf den Mikrofinanzsektor aus. Daher eignen sich Mikrofinanzfonds auch für Anlegerinnen und Anleger mit höherem Sicherheitsbedürfnis.

Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie verloren zwar alle drei getesteten Fonds zwischenzeitlich an Wert, allerdings nur wenig. Bis auf den GLS Mikrofinanzfonds haben sie die Verluste mittlerweile wieder aufgeholt. Auf fünf Jahre gesehen liegen die Wertzuwächse zwischen 7,9 Prozent (KCD) und 4,2 Prozent (GLS) (Stand 31.10.2021, siehe Tabelle unten im Premium-Bereich). Im Vergleich mit anderen eher defensiven Anlageformen sind das solide Renditen.

Die bis 2018 üblichen Zuwachsraten von jährlich 2 bis 3 Prozent erreichen die Fonds allerdings nicht mehr. Denn das Zinsniveau ist in vielen Ländern gesunken, zudem drängen immer mehr Anbieter in den Mikrofinanzsektor. Vom gestiegenen Wettbewerbsdruck profitieren vor allem die Kreditnehmer: Sie erhalten ihre Darlehen zu günstigeren Konditionen.

Nicht teurer als Aktienfonds

Für 2022 sind die Fondsmanager vorsichtig optimistisch. „Die Lage hat sich im Vergleich zur Situation vor einem Jahr deutlich beruhigt“, sagt Martin Kreysern, stellvertretender Abteilungsleiter Auslandskunden bei der BiB. Viele Kreditnehmer hätten ihre Raten zwischenzeitlich aussetzen oder senken können. Aber es bleiben Unsicherheiten: „Die große Frage ist, ob Kleinunternehmen ihre Raten auch zukünftig zuverlässig leisten können“, so Kreysern. Insgesamt erwartet er im nächsten Jahr „eine weitere Erholung des Mikrofinanzsektors, auch wenn der Mangel an Impfstoffen in unseren Partnerländern und neue Virusvarianten zu weiteren Verwerfungen führen können“.

Mikrofinanzfonds verursachen einen hohen Verwaltungsaufwand. Hier geht es schließlich nicht um schlichte Aktienkäufe, sondern darum, Geld an Mikrofinanzinstitute in meist fernen Ländern zu verleihen. Das führt zu hohen Personalkosten. Trotzdem sind Mikrofinanzfonds bei den Jahresgebühren nicht teurer als viele Aktienfonds.

Bei den Fonds von Invest in Visions und der GLS Bank betragen die jährlichen Gesamtkosten (TER, Total Expense Ratio) für die Anlegerinnen und Anleger knapp 2 Prozent der Anlagesumme. Der KCD Mikrofinanzfonds – III ist mit einer TER von 1,63 Prozent etwas günstiger. Die TER beinhaltet alle Kosten: Verwaltungsgebühren, Betriebskosten, Depotbankgebühren. Nicht enthalten ist der einmalige Ausgabeaufschlag beim Kauf eines Fonds. Bei Invest in Visions und der BiB beträgt der Ausgabeaufschlag bis zu 3 Prozent, beim GLS Mikrofinanzfonds sind es maximal 2,5 Prozent.

Nicht täglich handelbar

Einen Aktienfonds kann man von einem Werktag auf den anderen verkaufen. Bei Mikrofinanzfonds ist das nicht so kurzfristig möglich. Schließlich ist der Großteil des Kapitals in Krediten gebunden. Bei der BiB und Invest in Visions können Anlegerinnen und Anleger einmal im Quartal Anteile zurückgeben, bei der GLS Bank nur einmal pro Halbjahr. Der Kauf ist hingegen bei allen Fonds monatlich möglich.

Das aus nachhaltiger Sicht wichtigste Argument für Mikrofinanzfonds: Sie haben eine sehr hohe soziale Wirkung. Denn in armen Regionen der Welt kann eine Schneiderin oft schon mit einem kleinen Kredit eine Nähmaschine erwerben und sich selbstständig machen. Herkömmliche Banken vergeben solche Kleinstkredite jedoch meist nicht. Sie befürchten dabei mehr Aufwand als Ertrag.

Vor allem aber leben in Schwellen- und Entwicklungsländern viele Menschen nicht in der Nähe einer Bank. Sie könnten sich vielleicht Geld bei einem lokalen Kredithai leihen, die Zinsen sind dann aber exorbitant hoch. Mikrofinanzen helfen hier. Dabei sind auch die Mikrokredite nicht billig, sie werden oft mit 15 bis 30 Prozent pro Jahr verzinst. Das ist stattlich, liegt aber noch weit unter den Tarifen lokaler Geldverleiher.

Die Zinsen sind meist auch nur prozentual sehr hoch – die realen Summen sind oft niedrig. Wenn ein Kreditsachbearbeiter per Moped 500 Dollar zu einem Kunden im Dschungel bringt, ist das teuer. Der Zinsaufwand liegt dennoch pro Halbjahr (und bei einem Zinssatz von 20 Prozent) nur bei 50 Dollar. Dicke Gewinne fahren Mikrofinanzinstitute mit solchen Krediten nicht ein.

Experten prüfen, an wen das Geld verliehen wird

Die drei Fonds wählen die Mikrofinanzinstitute, mit denen sie zusammenarbeiten, nach eingehenden Prüfungen aus. Die Fonds legen Wert darauf, dass die Mikrofinanzinstitute außer Krediten weitere Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel Sparmöglichkeiten und Versicherungen, etwa gegen Ernteausfälle. Die Mikrofinanzinstitute müssen nachweisen, dass ihre Zinsen angemessen sind und dass sie die Mikrokreditnehmer kompetent betreuen. Wenn die Mikrokredite der Umwelt nutzen, gibt das Pluspunkte. Entscheidend ist der soziale Nutzen der Darlehen.

Die BiB baut bei der Auswahl der Mikrofinanzinstitute für den KCD Mikrofinanzfonds - III auf die umfassende Erfahrung ihrer eigenen Experten. Invest in Visions und die GLS Bank setzen auf die Unterstützung durch Agenturen und lokale Kreditexperten, die auf Mikrofinanzen spezialisiert sind. Beim GLS Mikrofinanzfonds überprüft zudem ein unabhängiger Anlagebeirat, ob das Fondsmanagement die Investitionsrichtlinien einhält.

Hohe Nachhaltigkeit

Alle getesteten Fonds schneiden bei der Nachhaltigkeit gut bis sehr gut ab (siehe Tabelle). Nennenswerte Unterschiede gibt es nur bei der Transparenz: Der GLS Mikrofinanzfonds und der IIV Mikrofinanzfonds informieren sehr ausführlich über Nachhaltigkeitskonzept und Auswahlkriterien. Beim Fonds der BiB erhalten Anlegerinnen und Anleger etwas weniger Informationen. Dafür trägt der Fonds, wie auch der GLS Mikrofinanzfonds, das LuxFLAG-Label. Dieses Label der unabhängigen Non-Profit-Organisation Luxembourg Finance Labelling Agency garantiert, dass das Geld tatsächlich im Mikrofinanzbereich landet.

Ein Fazit des Vergleichstests, die Tabelle mit den ECOreporter-Testdaten und ausführliche Einzeltests aller drei Mikrofinanzfonds sowie eines weiteren Fonds finden Sie im Premium-Bereich.

So funktionieren Mikrofinanzfonds

2015 erhielt Roberto Gómez Morán seinen ersten Mikrokredit – 500 US-Dollar. Damit konnte der Landwirt aus Panama seinen kleinen Bauernhof ausbauen. Als das erste Darlehen zurückgezahlt war, nahm Morán ein zweites auf, später noch weitere. Heute ist der Hof so groß, dass auch Moráns sechs Brüder dort arbeiten, in der Hochsaison zudem die Nachbarn. Morán züchtet Geflügel und baut Mais, Bananen und Straucherbsen an – ohne den Einsatz von Chemikalien.

Wie Morán gelingt es vielen Kleinstunternehmern in ärmeren Weltgegenden, sich mit Mikrokrediten aus der Armut herauszuarbeiten. Das Kapital für diese Kredite sammeln Mikrofinanzfonds ein. Sie verleihen das Geld an sogenannte Mikrofinanz-Dachorganisationen. Die wiederum vergeben es an Mikrofinanzbanken vor Ort in den Zielländern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Banken bringen das Geld zu den Kundinnen und Kunden. Manchmal fahren sie dazu mit dem Moped durch den Dschungel; später holen sie auf dieselbe Art Zinsen und Rückzahlungen ab.

Weil ein Mikrofinanzfonds in der Regel mit Dutzenden von Mikrofinanzinstituten zusammenarbeitet, verteilen sich die Risiken. Hin und wieder gerät zwar eine Mikrofinanzbank in Schwierigkeiten, derzeit vor allem in Ländern, die besonders stark unter der Corona-Pandemie leiden. Insgesamt haben sich die Mikrofinanzfonds in den letzten Jahren jedoch als sehr solide erwiesen, auch wegen der extrem hohen Rückzahlungsmoral der Kreditnehmer. Denn ein Mikrokredit ist für viele arme Menschen die einzige Möglichkeit, sich eine Existenz aufzubauen.

Mikrofinanz-Geldanlage mit Oikocredit

Cuenca in Ecuador leidet unter hoher Arbeitslosigkeit. Hoffnung auf einen Ausweg aus der Misere gibt es hier vor allem durch Menschen wie Carlos Cajas. Er ist Inhaber des Unternehmens Talleres Cajas, das Metallbauteile für große Gebäude herstellt. Als Cajas anfangs Kapital benötigte, wandte er sich an eine ecuadorianische Spar- und Kreditgenossenschaft. Cajas erhielt einen Gründerkredit und kaufte unter anderem Maschinen. Heute arbeiten hier außer ihm zehn Menschen. Die Kreditgenossenschaft hat ein wichtiges Partnerunternehmen: Oikocredit. Diese Genossenschaft gehört zu den Pionieren im Mikrofinanzbereich. Seit 1975 vergibt sie Mittel an Mikrofinanzinstitute, Genossenschaften und kleinere Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Rund 58.000 Menschen und Organisationen sind direkt oder indirekt an Oikocredit beteiligt. Fast die Hälfte der Anlegerinnen und Anleger kommt aus Deutschland. Die Genossenschaft hat ihren Sitz in Amersfoort in den Niederlanden; in Deutschland gibt es sieben Förderkreise, die als Vereine organisiert sind. Wer dort Mitglied wird, kann Anteile erwerben. Sie kosten 200 Euro pro Stück, die Anzahl ist nicht begrenzt, und der jeweilige Förderkreis verwaltet sie als Treuhänder. In guten Geschäftsjahren winken 1 bis 2 Prozent Dividende. Für 2020 hat Oikocredit wegen der Pandemie keine Dividende ausgeschüttet.

Das Ergebnis der Geldanlage gibt es auch zum Essen und Anfassen – viele der von Oikocredit geförderten Fair-Trade-Produkte sind hierzulande erhältlich, darunter fair gehandelter Zucker und Kaffee, Kleidung aus Bio-Baumwolle oder Kosmetikprodukte.

Mehr zum Thema Mikrofinanz finden Sie hier.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Die drei getesteten Mikrofinanzfonds im direkten Vergleich

FondsnameKCD Mikrofinanzfonds - IIIIIV MikrofinanzfondsGLS AI-Mikrofinanzfonds
InitiatorBank im Bistum Essen (BiB)Invest in Visions GmbHGLS Bank
Regionaler SchwerpunktLateinamerika (30%), Osteuropa (24%)Asien (43%), Lateinamerika (40%)Asien (31%), Europa (28%)
ISINLU1106543249DE000A1H44T1LU1309710678
Internetwww.bibessen.dewww.investinvisions.comwww.gls.de
Fondsvolumen 31.10.2021106 Mio. €808 Mio. €220 Mio. €
Verwaltungsgebühr/TER1,30%/1,63%1,40%/1,97%Keine Angaben/1,97%
Sparplan möglich?NeinJaJa
KaufmöglichkeitMonatlichMonatlichMonatlich
Rückgabe von Anteilen1Zum QuartalsendeZum QuartalsendeZum Halbjahresende
StärkenGute WertentwicklungErfahrenes FondsmanagementStrenges Auswahlprinzip
Hohe soziale WirkungHohe soziale WirkungHohe soziale Wirkung
Niedrige JahresgebührenHohe TransparenzHohe Transparenz
Erfahrenes Fondsmanagement
SchwächenGeringe TransparenzEtwas höhere JahresgebührenVerkauf nur zweimal im Jahr möglich
Wertzuwachs 1 Jahr (1.11.2020-31.10.2021)0,11%1,41%-0,36%
Wertzuwachs 5 Jahre  (1.11.2016-31.10.2021)7,88%7,00%4,21%
Finanznote2,22,33,0
Wertentwicklung 5 Jahre2,72,73,7
Sicherheit/Risiko2,02,03,0
Kosten2,02,32,3
Nachhaltigkeitsnote2,01,61,3
Auswahlprinzip1,71,71,3
Transparenz3,31,71,3
Nachhaltigkeits-Management-Qualität2,02,01,7
Nachhaltige Wirkung1,01,01,0
Gesamtnote2,12,02,1

1 Fließt in die Teilnote Sicherheit/Risiko ein.

Test-Fazit

Alle drei Fonds überzeugen im Vergleichstest. Der GLS Mikrofinanzfonds ist am nachhaltigsten, der KCD Mikrofinanzfonds – III hat auf lange Sicht die höchste Wertsteigerung, der IIV Mikrofinanzfonds die beste Gesamtnote. Die Unterschiede sind so gering, dass nachhaltige Anlegerinnen und Anleger in jeden der Fonds investieren können. Eine hohe soziale Wirkung des angelegten Geldes ist garantiert, und in der anhaltenden Niedrigzinsphase können auch die langfristigen Renditen durchaus mithalten.

Ausführliche Einzeltests der drei Fonds (aus 2020) und einen Test des Dual Return Fund - Vision Microfinance können Sie sich als als handliche PDFs herunterladen:

Dual Return Fund - Vision Microfinance

IIV Mikrofinanzfonds

KCD Mikrofinanzfonds - III

GLS AI - Mikrofinanzfonds

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