Vonovia-Immobilien in Dortmund. / Foto: Vonovia

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Wellenreiter: So dreist und falsch begründet der Vonovia-Vorstand flächendeckende Mieterhöhungen - ECOreporter-Kommentar

"Wenn die Inflation dauerhaft bei 4 Prozent liegt, müssen auch die Mieten künftig jährlich dementsprechend ansteigen", sagte der Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch dem „Handelsblatt“. Sonst würden viele Vermieter in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Wenn man einfach etwas behaupten kann und das dann auch veröffentlicht wird, wird es dadurch richtig? Eher nicht.

Und hier ist alles falsch. Dass viele Vermieter durch die Inflation in Schwierigkeiten kommen: Was schert das eigentlich Vonovia? Ist der Vonovia-Vorstand plötzlich der Interessenvertreter aller deutschen Kleinvermieter? Natürlich nicht, denn Vonovia ist Eigentümerin von 565.000 Wohnungen. Und da interessieren den Konzern nicht zehntausende kleine Vermieter, sondern nur eins: Renditesteigerung. Und die will der Vorstand nun durch sein öffentliches Statement hochtreiben.

Die Mehrkosten zahlen vor allem die Mietenden

Kommt Vonovia durch die Inflation wirklich in Gefahr? Natürlich nicht. Denn Vonovia ist davon auf der Kostenseite wenig betroffen. Handwerkerpreise steigen, Materialkosten auch. Geht mal eine Tür kaputt, muss Vonovia also mehr für die Reparaturen zahlen. Auch die Hausmeisterlöhne steigen. Aber die explodierenden Öl- und Gaspreise, zermalmen die den Konzern? Mitnichten, denn Vonovia wälzt sie natürlich auf die Mietenden um. Es sind ja Nebenkosten. Und daher keine Kaltmiet-Faktoren.

Insofern schon eine Dreistigkeit, wenn der Vonovia-Vorstand die derzeitigen Haupttreiber der Inflation in so einem Statement nicht erwähnt und so tut, als leide Vonovia unter der Inflation. Ja, Vonovia wird vielleicht etwas steigende Kapitalkosten haben. Die Zinsen sind gestiegen. Aber der allergrößte Teil der Zinslast ist noch auf Jahre hinaus festgelegt, da ist Vonovia nicht betroffen. Und die Zinsen sind auch bei weitem nicht so gestiegen wie die Inflationsrate.

Die schöne Seite der Inflation

Ach, letztlich ist Vonovia schon von der Inflation betroffen. Denn die Immobilienpreise steigen, auch durch die Inflation (etwas gemildert wegen der höheren Zinskosten). Der Buchwert von Vonovia dürfte also auch durch die Inflation deutlich klettern. Das kann in die Milliarden gehen. Ein geschäftlicher Verdienst ist das nicht. So eine Wertsteigerung der 565.000 Vonovia-Wohnungen ist auch nicht etwas, was sich ein Vorstand als eigenen Verdienst auf die Fahnen schreiben kann, denn er hat die Inflation ja bisher nicht verursacht.

Falls der Vonovia-Vorstand Vonovia-Aktien hat und von steigenden Kursen profitiert, sollte er lieber seine Gewinne verwenden, um die Kaltmieten zu senken. Das wäre inflationshemmend. Aber passieren wird das nicht. Vonovia, wir erwarten schon mit Spannung, wie der nächste Nachhaltigkeitsbericht ausfallen wird. Da ist bestimmt ein langes Kapital zum Thema "Soziales". Das werden wir mal mit den aktuellen Vorstandstönen vergleichen. Spaß geht anders, wetten?

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