Werk von Nvidia. Die Aktie liegt auf fünf Jahre gesehen mehr als 480 Prozent im Plus - trotz mehrerer Rücksetzer in den letzten Wochen. / Foto: Nvidia

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien

Nach deutlichen Kursverlusten: Welche nachhaltigen Halbleiter-Aktien sind jetzt attraktiv?

Technologieaktien haben seit Jahresanfang spürbar an Wert verloren. Betroffen sind auch große Chip-Konzerne, denen es derzeit so gut geht wie noch nie. Bieten sich nun Kaufgelegenheiten? ECOreporter analysiert 20 besonders nachhaltige Halbleiter-Aktien.

Die Nachfrage nach Computer-Chips ist so groß wie nie zuvor. Homeoffice, Elektroautos, riesige Server-Farmen, die Digitalisierung von immer mehr Lebensbereichen – für all das braucht es Chips. Das Problem: Als Anfang 2020 die Corona-Pandemie ausbrach, rechneten viele Unternehmen der Halbleiterindustrie mit einer schweren Wirtschaftskrise und drosselten ihre Produktion. Sie jetzt nicht nur wieder hochzufahren, sondern auch deutlich auszubauen, braucht Zeit, denn oft fehlt es an Spezialmaschinen oder geschultem Personal. Zudem gibt es Versorgungsengpässe beim wichtigsten Rohstoff Silizium, auch wegen der politischen Spannungen zwischen den beiden wichtigsten Lieferanten China und USA. Und weltweit steigende Kreditzinsen machen Investitionen in neue Chip-Fabriken riskanter.

Apple fegt den Markt leer

Die Folge: Weil Großabnehmer wie der iPhones-Hersteller Apple vorrangig bedient werden, müssen weniger lukrative Kunden lange auf Chips warten und deshalb manchmal sogar ihre Produktion stoppen. In der Autoindustrie etwa, die insgesamt ungefähr so viele Chips benötigt wie Apple, konnten 2021 wegen des Halbleitermangels Schätzungen zufolge ungefähr fünf Millionen Fahrzeuge nicht gebaut werden. Und laut einer Umfrage des Ifo-Instituts kamen im letzten Jahr in Deutschland 80 Prozent der Hersteller elektronischer Produkte mit der Fertigung nicht hinterher. Der Hauptgrund: fehlende Chips. Intel-Boss Pat Gelsinger geht davon aus, dass die Lieferengpässe bis 2024 anhalten werden.

Branchenverbänden zufolge ist der Umsatz der Chip-Industrie 2021 um mehr als 25 Prozent auf ungefähr 533 Milliarden US-Dollar gestiegen, auch wegen Preiserhöhungen. Halbleiter sind zu einem raren Gut geworden, mit dem einige Unternehmen Rekordgewinne einfahren. Dass die Nachfrage trotzdem nicht befriedigt werden kann, sorgt aber weiterhin für Unruhe in der Branche und an den Börsen. Auf Jahressicht haben viele Halbleiteraktien zweistellig an Wert verloren (siehe Tabelle im Premium-Bereich).

20 nachhaltige Chip-Aktien

ECOreporter hat 20 besonders nachhaltige, in Deutschland handelbare Halbleiter-Aktien herausgesucht. Alle sind in tiefgrünen Fonds vertreten, die nach sehr strengen Kriterien zusammengestellt werden. Und auch die Redaktion hat die Aktien eingehend auf ihre Nachhaltigkeit abgeklopft. Energieeffiziente Produkte und Fertigungsverfahren, hohe soziale Standards, umfassende Umweltschutzkonzepte, technische Innovationen – diese 20 Unternehmen helfen mit, das Digitalzeitalter so umweltschonend wie möglich zu gestalten.

Der erste Teil des Branchenüberblicks konzentriert sich, nach Weltregionen sortiert, auf Hersteller und Entwickler von Computerchips wie AMD, Nvidia oder Infineon. Im zweiten Teil, den Sie hier lesen können, geht es um Spezialmaschinenbauer, Wafer-Produzenten und Hersteller von Testanlagen.

Halbleiter – was ist das eigentlich?

Unter einem Halbleiter versteht man ein Material, das je nach Temperatur Strom leitet oder nicht, wobei die Leitfähigkeit mit der Temperatur steigt. Der wirtschaftlich wichtigste Halbleiter, das Halbmetall Silizium, wird aus Quarzsand gewonnen und ist nach Sauerstoff das chemische Element, das in der Erdkruste am häufigsten vorkommt. Der größte Teil des weltweit verwendeten Siliziums stammt aus China.

Hauchdünne Siliziumscheiben, sogenannte Wafer, können mittels Lackieren, Ätzen und Belichten so bearbeitet werden, dass dreidimensionale Strukturen entstehen, durch die Strom geleitet werden kann: Schaltkreise. Wafer sind der Grundbestandteil von Solarzellen und eines der wichtigsten Vorprodukte für die IT-Industrie. Denn wenn man Wafer in kleine Teile zersägt, erhält man Mikrochips, die Minigehirne aller digitalen Geräte. Weil diese Chips in erster Linie aus Silizium bestehen, werden sie oft genauso genannt wie ihr Ausgangsmaterial: Halbleiter.

Polysilizium-Hersteller für den Photovoltaik-Bereich wie GCL-Poly, Daqo oder Wacker Chemie analysiert ECOreporter regelmäßig unter anderem in seinen Solaraktien-Überblicken.

USA

Intel ist seit Jahrzehnten der größte Chip-Konzern der Welt. Das US-Unternehmen, 1968 gegründet, gehört zu den Grundpfeilern des Silicon Valley und baute 1971 den weltweit ersten Mikroprozessor. Aktuell hat Intel einen Weltmarktanteil von etwa 15 Prozent, in einigen Chip-Segmenten sind es sogar 60 Prozent und mehr. Die Vormachtstellung beginnt aber zu bröckeln, weil andere Chip-Entwickler technisch aufgeholt haben. 2020 verlor Intel seine Großkunden Apple und Microsoft, 2021 die Google-Mutter Alphabet. Zudem musste der Konzern die Einführung neuer Chips mit einer Strukturbreite von sieben Nanometern auf Ende 2022 verschieben. Je geringer die Strukturbreite, desto mehr Chips passen auf eine Wafer-Scheibe, und die einzelnen Chips verbrauchen weniger Strom (ein Nanometer ist übrigens 70.000-mal so dünn wie ein menschliches Haar).


Intel-Chef Pat Gelsinger rechnet noch bis 2024 mit Lieferengpässen bei Mikrochips. / Foto: Intel

Im Geschäftsjahr 2021 übertraf Intel mit einem Umsatzanstieg von 1 Prozent auf 79 Milliarden US-Dollar die eigenen Erwartungen. Der Nettogewinn sank wegen höherer Kosten um 5 Prozent auf 19,9 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2022 ging der Umsatz um 7 Prozent zurück, weil Privatkunden weniger PCs kauften. Wegen eines positiven Sondereffekts aus einem Investment-Geschäft stieg der Nettogewinn um 141 Prozent auf 8,1 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2022 geht Intel von einem Umsatzrückgang auf 76 Milliarden Dollar aus. Die erwartete Dividendenrendite liegt bei 3,4 Prozent – in der IT-Branche ein hoher Wert.

Ein Vorteil, den Intel nach wie vor hat: Das Unternehmen stellt seine Chips im Gegensatz zu vielen Konkurrenten überwiegend selbst her, baut seine Kapazitäten weiter aus und tritt auch als Auftragsfertiger für Kunden wie Amazon, Qualcomm und möglicherweise bald Nvidia auf. In Zeiten wackeliger Halbleiter-Lieferketten ein strategischer Pluspunkt, auch wenn wegen der hohen Investitionen erst einmal die Margen sinken. In Arizona und Ohio entstehen bis 2025 vier neue Fabriken.In Magdeburg sollen 2027 zwei große Werke eingeweiht werden, bis zu sechs weitere europäische Fertigungsstätten sind geplant. Und Intel möchte wieder Innovationsführer werden: mit 1,4-Nanometer-Chips, deren Entwicklung allerdings noch Zukunftsmusik ist.

ECOreporter traut es Intel zu, auch in den nächsten Jahren hohe Gewinne zu erzielen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Selbstläufer ist die ECOreporter-Favoriten-Aktie nicht mehr, mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das Geschäftsjahr 2022 von 12 ist sie derzeit aber günstig bewertet.

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