In unsicheren Börsenzeiten spekulieren viele Leerverkäufer auf Kursverluste, etwa beim Batteriekonzern Varta. / Foto: Unternehmen

  Nachhaltige Aktien

Hello Fresh, Encavis, Nordex, Beyond Meat, Fisker – hier wetten Shortseller auf fallende Kurse

Nachhaltige Aktien sind ein spannendes Investment-Thema – auch für Leerverkäufer, die im aktuell unruhigen Börsenumfeld verstärkt auf fallende Kurse grüner Aktien wetten. Aktuell sind 20 nachhaltige US-Werte und deutsche Aktien im Fokus der Spekulanten.

Wenn Profianleger sich Aktien gegen eine kleine Gebühr ausleihen, sie verkaufen und später zu im Idealfall deutlich niedrigeren Kursen zurückkaufen, spricht man von Leerverkäufen. Leerverkäufer, auch Shortseller genannt, spekulieren auf sinkende Aktienkurse. Oft funktioniert das, aber längst nicht immer (ECOreporter berichtete unter anderem hier).

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Nach Angaben der Plattform MarketWatch sind an US-Börsen momentan elf nachhaltige Aktien bei Shortsellern besonders gefragt – die Prozentzahlen beziehen sich auf den Anteil der Aktien in Streubesitz, die Shortseller wieder zurückkaufen müssen:

  • Kalera (55,5 %)
  • Mullen Automotive (47,40 %)
  • Beyond Meat (42,3 %)
  • Tattooed Chef (36,9 %)
  • Arcimoto (33,7 %)
  • EVgo (33,1 %)
  • Fisker (32,5 %)
  • Blink Charging (32,4 %)
  • Nikola Motor (31,9 %)
  • Canoo (27,5 %)
  • Lucid Group (26,1 %)

Die Aktie des defizitären veganen Fleischersatzherstellers Beyond Meat empfiehlt ECOreporter schon seit ihrem Börsenstart nicht – sie ist auch nach erheblichen Kursverlusten immer noch hoch bewertet und bislang vor allem ein Spekulationsobjekt, nicht nur für Shortseller. Ähnliches gilt für die deutlich kleineren veganen Lebensmittelproduzenten Kalera und Tattooed Chef, die ebenfalls weiterhin rote Zahlen schreiben.

Blink Charging und EVgo verkaufen Ladegeräte für Elektroautos, in den USA nach wie vor ein Geschäft mit hohen Risiken. Die anderen sechs Unternehmen stellen Elektrofahrzeuge her und sind nach Einschätzung von ECOreporter ebenfalls sehr riskante Investments. Mehr zu einigen dieser E-Auto-Firmen können Sie in folgendem ECOreporter-Dossier lesen: Junge Elektroauto-Aktien: Mit Karacho vor die Wand?

Neun deutsche Aktien im Fadenkreuz

In Deutschland müssen Leerverkäufer Short-Positionen ab 0,5 Prozent im Bundesanzeiger veröffentlichen. Im Folgenden sind Meldungen seit Mitte Oktober aufgeführt. Die tatsächlichen Short-Quoten können höher sein, weil manche Leerverkäufer unter der 0,5-Prozent-Grenze bleiben, um ihre Wetten nicht öffentlich machen zu müssen.

  • Varta (6,0 %)
  • HelloFresh (4,6 %)
  • fox e-mobility (4,0 %)
  • Encavis (3,2 %)
  • SMA Solar (2,8 %)
  • Nordex (1,5 %)
  • SFC Energy (1,1 %)
  • Compleo Charging Solutions (1,0 %)
  • Aixtron (0,7 %)


In Corona-Zeiten waren die Kochboxen von Hello Fresh sehr gefragt. Seit die Pandemie abflaut, bricht die Aktie ein. / Foto: imago images

Besonders beliebt bei Leerverkäufern ist derzeit der Batteriehersteller Varta aus Ellwangen. Das Unternehmen musste Ende September seine Jahresprognose kassieren, weil die Kosten für Rohstoffe und Energie deutlich stärker gestiegen sind als erwartet. ECOreporter sieht derzeit viele Unwägbarkeiten bei Varta und rät von einem Einstieg ab.

Obwohl die Aktie des Berliner Kochboxen-Versenders Hello Fresh seit Dezember letzten Jahres zwei Drittel ihres Wertes verloren hat, ist sie nach Einschätzung der Redaktion weiterhin zu teuer. Das Unternehmen muss erst noch beweisen, dass es auch nach dem Corona-Boom solide Ergebnisse erzielen kann. Ein ausführliches Porträt von Hello Fresh lesen Sie hier.

Shortseller interessieren sich auch weiterhin für den Elektroautohersteller fox e-mobility. Das kleine Unternehmen aus München, das 2023 sein erstes Serienfahrzeug ausliefern will, hat wegen Problemen mit einer geplanten Kapitalerhöhung seinen Jahresbericht 2021 nach wie vor nicht veröffentlicht. Das sorgt für Unruhe an der Börse: Im Jahresvergleich notiert die Aktie mehr als 80 Prozent im Minus. Nach Einschätzung von Redaktion ein hoch spekulatives Investment.

Von einem Einstieg beim Hamburger Windanlagenbauer Nordex rät ECOreporter schon seit Längerem ab.  Das Unternehmen befindet sich weiterhin in der Verlustzone, hohe Kosten und seit Jahren schwache Margen lassen keinen Aufwärtstrend erkennen.

Wirtschaftlich sehr viel besser steht der Hamburger Wind- und Solarparkbetreiber Encavis da. Der Konzern hat in den ersten neun Monaten 2022 deutlich mehr Geld verdient als erwartet und seine Jahresprognose Anfang August angehoben. Encavis dürfte nach Einschätzung der Redaktion auch zukünftig zu den Gewinnern der Energiewende gehören. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2022 von 39 ist die Aktie aktuell allerdings etwas zu teuer für einen Einstieg.

Der Wechselrichter-Hersteller SMA Solar aus dem hessischen Niestetal will seine Produktionskapazität verdoppeln, hat in den ersten drei Quartalen 2022 aber wegen Lieferkettenproblemen rote Zahlen im Kerngeschäft geschrieben. Zudem ist die Aktie nach einer Kursverdoppelung in den letzten drei Jahren nicht günstig (mehr dazu können Sie hier lesen). Ein Investment für risikofreudige Anlegerinnen und Anleger.

In diesem Jahr hat der Brennstoffzellenhersteller SFC Energy den Sprung in die Gewinnzone geschafft und im November seine Prognose angehoben, die Margen sind allerdings noch wackelig. Und die langfristigen Perspektiven des Unternehmens aus Brunnthal bei München lassen sich wie bei allen Firmen aus der Wasserstoffbranche nur schwer einschätzen. Dafür ist die Aktie derzeit zu teuer.

Das junge Dortmunder Unternehmen Compleo Charging Solutions will zu einem führenden Anbieter von Elektroauto-Ladetechnik in Europa werden, wächst aber langsamer als erhofft und steckt noch in den roten Zahlen. Im November verkündete das Management einen strengen Sparkurs. Unter anderem sollen Werke in Paderborn und Schlangen geschlossen werden, weil sie sich nicht mehr rechnen. ECOreporter sieht bei der Aktie, die auf Jahressicht fast 90 Prozent an Wert verloren hat, derzeit keinen Grund für einen Kauf.

Aixtron ist ein Weltmarktführer bei Fertigungsmaschinen für Halbleiter. Das Unternehmen aus Herzogenrath macht derzeit gute Geschäfte. Die Aktie ist nach Kurszuwächsen von 87 Prozent auf Jahressicht aber hoch bewertet, das erwartete KGV liegt bei 39. Interessenten sollten auf Rücksetzer warten.

Fazit: Wenn die Rechnung der Leerverkäufer aufgehen sollte, könnten die Kurse der oben aufgeführten Aktien in nächster Zeit deutlich nachgeben. Sicher ist das aber nicht. Langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger sollten sich nicht mit Put-Optionen oder ähnlichen Instrumenten an diesen Wetten beteiligen. Geben Kurse tatsächlich nach, bietet es sich eher an, die Aktien von Encavis, Aixtron oder SMA Solar zu dann attraktiveren Preisen zu kaufen. Bei den anderen Aktien bleibt ein Einstieg auch zu deutlich niedrigeren Kursen riskant, weil die Zukunftsaussichten der Unternehmen zu unklar sind.

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