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Anleihen / AIF, Crowd-Investment
Nachhaltige Crowd-Investments: Worauf Schwarm-Investoren achten sollten
Crowd-Portale locken oft mit spannenden und auch nachhaltigen Projekten. Das riecht nach frischem Unternehmergeist und verspricht sogar echten und unmittelbaren Einfluss. Aber: Bei Crowd-Projekten ist auch Scheitern immer eine Möglichkeit. ECOreporter erklärt, worauf Sie bei grünen Crowd-Investments achten sollten.
Die Crowd macht Geld bisweilen schnell locker: Als das Berliner Haferschleim-Unternehmen Haferkater auf der Crowd-Plattform Invesdor 7,75 Prozent Zinsen pro Jahr plus Erfolgszins versprach, dauerte es nur drei Tage, bis im Januar 2022 1,5 Millionen Euro zusammengekommen waren.
Diese Anschubfinanzierung scheint sich auszuzahlen. Haferkater hat heute 27 Filialen, vor allem in Bahnhöfen, etwa in Berlin, Frankfurt, Dresden und im Ruhrgebiet. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 11 Millionen Euro, 2025 sollen es 17 Millionen werden. Nach eigenen Angaben hat Haferkater mittlerweile mehr Bewerber, als es Franchiselizenzen vergeben will.
ECOreporter hat nachgefragt
Doch gute Ideen und willige Investoren sind noch keine Erfolgsgarantie. Wer etwa auf die Autarq GmbH und ihre Miniatur-Solarmodule gesetzt hat, hatte wenig Glück. Das Unternehmen und auch die Mehrheitsgesellschafterin econnext meldeten im Juni 2025 Insolvenz an.
Die Zeitschrift "Stiftung Warentest Finanzen" (ehemals "Finanztest") hat sich in einer aktuellen Studie die langfristige Entwicklung im Crowd-Bereich angesehen. Das Ergebnis: Von den etwa 2.500 nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Crowd-Investments, die von 2015 bis 2022 bei der Finanzaufsicht BaFin angemeldet wurden und tatsächlich Geld einwarben, haben mittlerweile 313 Anbieter Insolvenz angemeldet oder sind aus dem Handelsregister gelöscht. Etwa jeder 20. Euro floss der Zeitschrift zufolge in nachhaltige Crowd-Projekte.
ECOreporter wollte es genau wissen und hat bei Portalen mit Fokus auf nachhaltige Projekte nachgefragt. Wie viele Projekte wurden bislang finanziert, wie viele davon sind ausgefallen? Die Antworten finden Sie in der Tabelle im Premium-Bereich.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Crowd-Portale im Überblick: Viele Ausfälle
| Crowd-Plattform | Gegründet | Spezialisierung | Nur nachhaltige Projekte? | Finanzierte Projekte (Stand 07/2025) | Finanzierungs-volumen | Probleme |
| bettervest | 2012 | Erneuerbare Energien und Energieeffizienz | Ja | keine Angaben | keine Angaben | keine Angaben |
| Conda | 2014 | Start-ups und kleine Unternehmen | Nein | 383 Projekte | 320 Mio € | keine Angaben |
| ecoligo.investments | 2016 | Erneuerbare Energien | Ja | 377 Projekte | 59 Mio. € |
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| OneCrowd* | 2025 | Start-ups, Immobilien, Erneuerbare Energie | Ja | keine Angaben | keine Angaben | keine Angaben |
| Ecozins | 2019 | Erneuerbare Energien und Energieeffizienz | Ja | 44 Projekte | 12 Mio. € |
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| GLS Crowd | 2017 | Nachhaltigkeit | Ja | 75 Projekte | 92,3 Mio € |
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| Rockets | 2013 | Start-ups und kleine Unternehmen | Ja | keine Angaben | keine Angaben | keine Angaben |
| Invesdor | 2015 | Kleine Unternehmen und Mittelständler | Nein | 1054 Projekte | 587 Mio € | keine Angaben** |
| Wiwin | 2016 | Nachhaltigkeit | Ja | 160 Projekte | 126 Mio € |
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Alle Angaben stammen von den Crowd-Portalen selbst. Daten ohne Gewähr, Stand 7/2025
*Econeers ist mit Seedmatch.de und Mezzany.com zur Plattform OneCrowd.de verschmolzen
**Invesdor macht keine Angabe zur Anzahl der Ausfälle oder Zahlungsverzögerungen. Auf Anfrage teilt das Unternehmen lediglich eine "annualisierte Ausfallrate" von 1,2 Prozent mit.
Die Kommunikation gestaltet sich teilweise zäh. Die Portale bettervest und Rockets antworteten nicht auf mehrfache ECOreporter-Anfrage. Die auf Erneuerbare Energie spezialisierte Plattform Econeers fusionierte 2025 mit zwei anderen Plattformen zum Anbieter OneCrowd – auch dieser reagierte nicht auf unsere Anfrage. Bei der letzten Erhebung im Juli 2023 hatte bettervest 119 finanzierte Projekte gemeldet, davon waren laut dem Anbieter 18 vollständig ausgefallen. Bei Rockets waren 2023 23 von 344 Finanzierungen ausgefallen. Bei Econeers waren vor zwei Jahren von 50 Projekten drei gescheitert.
Der Anbieter Conda teilte in der aktuellen Erhebung zwar die Zahl der finanzierten Projekte und das Finanzierungsvolumen mit, erklärte aber, zu Zahlungsverzögerungen oder Projektausfällen seien "die Daten nicht abrufbar". 2023 hatte Conda 43 Ausfälle gemeldet, damals der höchste Wert. Die nach eigenen Angaben besonders auf die Finanzierung nachhaltiger kleiner und mittelständischer Firmen spezialisierte Plattform Invesdor teilte lediglich eine "annualisierte Ausfallrate" von 1,2 Prozent mit. Zur tatsächlichen Zahl der bisherigen Ausfälle macht das Unternehmen traditionell keine Angaben.
Ein besonderer Fall ist LeihDeinerUmweltGeld (LDUG): Der Betreiber Portagon hat die Plattform eingestellt. De facto gab es dort schon 2022 keine Aktivität und keine neuen Projekte mehr (ECOreporter berichtete hier), mittlerweile ist die Plattform auch öffentlich nicht mehr erreichbar.
Laufende Projekte werden laut Portagon aber weiter betreut, auch die mit Zahlungsverzug. Anlegerinnen und Anleger können sich demnach über ihre Zugangsdaten auf der LDUG-Seite in ihre Benutzerkonten einloggen, um sich den Status ihrer Investitionen anzusehen. Auch Projekt-Updates und Steuerbescheinigungen können eingesehen und heruntergeladen werden, der Support per Mial und Telefon läuft demnach ebenfalls weiter. Während der aktiven Zeit wurden über LDUG 68 Projekte finanziert, aktuell sind laut Portagon 24 davon im Verzug – zwei mehr als 2023. Pläne für eine Reaktivierung des Portals gibt es laut Portagon aktuell nicht.
Viele Probleme also, auch bei nachhaltigen Projekten. Doch nicht nur Ausfälle, auch Zahlungsverzögerungen sind ein Problem. Wo sich Projekte in der Insolvenz befinden, handelt es sich um laufende Prozesse. Ausfälle sind hier nicht zwingend, aber relativ wahrscheinlich. Laut "Stiftung Warentest Finanzen" gab es im Herbst 2024 bei 2.500 laufenden Crowd-Projekten in 418 Fällen Zahlungsverzögerungen. Betroffene kritisierten gegenüber der Zeitschrift auch, dass Zahlungen teils auf unbestimmte Zeit verschoben würden.
Nachrangdarlehen als besonderes Risiko
Als ein Warnsignal nennt "Stiftung Warentest Finanzen" Verzögerungen bei Jahresabschlüssen. Von den untersuchten Crowd-Unternehmen, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, hatten laut der Zeitschrift knapp 80 Prozent ihren Jahresabschluss 2023 bis Mitte Februar 2025 nicht veröffentlicht. Bei mehr als 50 Prozent fehlte sogar noch der Jahresabschluss 2022. Finanzberichte müssen eigentlich innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss eines Geschäftsjahres vorliegen. Von den 313 Projekten, die mittlerweile insolvent sind, legten zuletzt nur zehn einen Jahresabschluss innerhalb der gesetzlichen Frist vor.
Besonders riskant sind Crowd-Investments, bei denen Anlegerinnen und Anleger Unternehmen Nachrangdarlehen gewähren. Hier können Rück- und Zinszahlungen bereits gestoppt werden, wenn eine Firma durch diese Zahlungen Liquiditätsprobleme bekommen könnte, also bereits vor einer Insolvenz.
Dr. Matthias Gündel aus der Göttinger Anwaltskanzlei GK-law.de erläutert dazu: „Unternehmen, die sich über Nachrangdarlehen finanzieren, müssen die Ansprüche der Anlegerinnen und Anleger nicht mehr bedienen, wenn sie dadurch in Insolvenzgefahr geraten würden. Qualifizierter Rangrücktritt nennt sich das.“ Mit anderen Worten: Schon bevor ein Unternehmen zahlungsunfähig ist, könnten die Anlegenden kein Geld mehr erhalten. Das sei die sogenannte vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre, so Gündel.
Einige Crowd-Plattformen verzichten daher mittlerweile darauf Nachrangdarlehen anzubieten und vermitteln stattdessen Wertpapiere. Allerdings sollten Anlegerinnen und Anleger beachten, dass auch über die Crowd angebotene Wertpapiere (z. B. Anleihen) manchmal einen Nachrang aufweisen.
Auch eine Einlagensicherung oder Ähnliches gibt es bei Crowd-Investments nicht. Das bedeutet: Zur Altersvorsorge taugen nachhaltige Crowd-Investments nicht. Crowd-Unternehmen sind zudem nicht selten bilanziell überschuldet. Wären sie es nicht, könnten sie sich Geld günstiger besorgen, beispielsweise als Bankdarlehen.
Ein Vorteil von Crowd-Investments: Wer etwa in Angebote investiert, die Windanlagen in Niedersachsen bauen oder grüne Immobilien in Nürnberg, der unterstützt damit unmittelbar nachhaltige Projekte. So viel Einfluss oder Impact bieten wenige andere Geldanlagen: Denn wer eine Aktie an der Börse kauft, gibt schließlich nur dem Verkäufer Geld, nicht der Aktiengesellschaft. Es gilt aber: In Crowd-Projekte sollten Sie nur Geld investieren, auf das Sie vollständig verzichten können. Wie bei Aktien kann es sich außerdem lohnen, das Risiko aufzuteilen und sich mehrere Projekte auszusuchen.
Hier einige Tipps und Hinweise, worauf Sie bei nachhaltigen Crowd-Investments achten sollten:
- Crowd-Anlegerinnen und -Anleger gehen in etwa dieselben Risiken wie bei einer unternehmerischen Beteiligung ein, haben aber meist keine Mitspracherechte. Das unterscheidet sie von Mit-Unternehmer/innen.
- Wer per Crowd investiert, sollte das nur mit Geld tun, das wirklich übrig ist. Können Sie Ihrem Kind trotzdem die Ausbildung finanzieren, Ihre Hypothek bezahlen, auch wenn alles Crowd-Geld verloren ist? Nur dann sollten Sie über ein nachhaltiges Crowd-Investment nachdenken!
- Können Sie genau nachvollziehen, was ein Unternehmen mit Ihrem Geld macht? Nur dann sollten Sie investieren. Können Sie nachvollziehen, warum das finanzierte Produkt die versprochene großartige Zukunft hat? Suchen Sie im Internet nach der Produktart und schauen Sie sich die Wettbewerber an: Versprechen die auch, die Besten zu sein? Lassen Sie sich nicht einwickeln: Auch schöne grüne Pläne müssen den Realitätstest bestehen.
- Wenn Sie Fragen zur Investitionsplanung haben und man Ihnen nicht bereitwillig und zügig Auskunft erteilt: Finger weg. Es ist Ihr Geld, Sie haben ein Recht zu erfahren, was damit geschieht.
- Achten Sie darauf, wie sich das Unternehmen außerhalb des Crowd-Investings finanziert. Wie viel Schulden hat es? Fragen Sie!
- Erbitten Sie Jahresabschlüsse des Unternehmens. Es gibt nur veraltete? Sehr schlechtes Zeichen!
- Fühlen Sie sich unter Zeitdruck, weil Sie so ein schönes Projekt mit so hohen Zinsen entdeckt haben und fürchten, Ihr Geld könnte zu spät kommen? Bedenken Sie: Gute Gelegenheiten für Ihr Geld gibt es immer wieder. Verlieren können Sie Ihr Kapital aber nur ein Mal. Also nicht unter Zeitdruck setzen lassen!
Die ECOreporter-Redaktion prüft regelmäßig nachhaltige Crowd-Investment-Angebote, behält im Blick, wie Projekte sich entwickeln, und bewertet Renditechancen und Risiko. Neuigkeiten und Analysen finden Sie hier.
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