Windenergie und Kohle – auch in vielen ETFs findet man noch beides zusammen. Manchmal sogar dann, wenn es eigentlich um Grünstrom-Aktien gehen soll. / Foto: Pixabay

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Schon fast 60 ETFs im Test: Autsch! So wenig grün sind die neuen Lieblinge der Finanzbranche

Bereits fast 60 ETFs hat ECOreporter für Sie getestet – eine komplette Übersicht finden Sie unter diesem Artikel. Meist fiel das Ergebnis ernüchternd aus. Denn in angeblich grünen ETFs stecken oft Aktien von Unternehmen, die nachhaltigen Anlegerinnen und Anlegern Bauchschmerzen bereiten dürften. Einige zumindest eingeschränkt empfehlenswerte Kandidaten gibt es aber. Ein Überblick.

Eine Liste mit allen bislang von ECOreporter getesteten ETFs finden Sie unter diesem Artikel oder indem Sie auf diesen Link klicken!

Kohlekonzerne, Ölmultis, Fluglinien, Kreuzfahrtanbieter – diese Klimasünder finden sich in nachhaltigen ETFs. Nicht nur in einigen wenigen, sondern in vielen. Das liegt auch an dem System, mit dem die Indexanbieter ihre Aktienauswahl treffen. In der Regel funktioniert es so: Die Anbieter nehmen einen ganz konventionellen Börsenindex mit vielen Aktien. Dann filtern sie nach bestimmten Kriterien aus diesen oft tausenden von Aktien die nachhaltigsten 25 oder 50 Prozent jeder Branche heraus. Oder auch mal 80 Prozent. "Best-in-Class“ nennt sich das. Das ergibt dann den nachhaltigen Index, und der ist die Grundlage des ETF. Damit landen dann also auch Aktien aus Branchen, die überhaupt nicht nachhaltig sind (Öl, Kohle, Atomenergie, Rüstung), im grünen Index. Mit der Begründung, dass es immerhin die am wenigsten schädlichen einer nicht-nachhaltigen Branche sind. Ob das die Welt nachhaltiger macht, darf bezweifelt werden.

Geiz ist geil?

Zwar arbeiten auch viele nachhaltige Fonds nach dem Best-in-Class-Prinzip. Sie haben allerdings in aller Regel noch einen Beirat, der auf die Aktienauswahl schaut. Nachhaltigkeitsbeiräte und andere Gremien kosten jedoch Geld, und hier geizen die ETFs. Es geht ja um ihren Ruf, günstige Gebühren zu verlangen. Etliche nachhaltige Fonds treten zudem in Dialog mit Unternehmen und drängen auf mehr Nachhaltigkeit. Oder sie veröffentlichen es, wenn sie Aktien verkaufen, weil diese Nachhaltigkeitsvorgaben nicht erfüllen. Das schafft Öffentlichkeit und setzt Firmen unter Druck. All das fehlt bei nachhaltigen ETFs.

ETFs sind in der Finanzbranche und auch bei vielen Anlegerinnen und Anlegern vor allem wegen ihrer niedrigen Kosten beliebt (siehe Kasten). Verbraucherschützer und Finanzportale empfehlen ETFs als Altersvorsorge. Besonders stark steigt die Nachfrage nach nachhaltigen ETFs: Ende 2020 steckten weltweit bereits mehr als 160 Milliarden Euro in diesen Produkten.

Mit der Nachfrage steigt auch das Angebot: Jede Woche starten neue ETFs, die mit dem Etikett „nachhaltig“ beworben werden. Um die Kosten niedrig zu halten, wird meist an dem gespart, was gute aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds auszeichnet: Nachhaltigkeitsgremien, die auf die Aktienauswahl schauen. Dialoge mit Unternehmen, wenn es Probleme mit deren Nachhaltigkeit gibt. ETFs informieren für gewöhnlich auch nicht darüber, wenn sie Aktien verkaufen, weil diese Nachhaltigkeitsvorgaben nicht erfüllen.

Zwischenfazit im Juli 2021 – wenig Empfehlenswertes

ECOreporter hat in Anlehnung an seine ECOfondstests ein Testverfahren für nachhaltige ETFs entwickelt. Wertentwicklung, Kosten, Transparenz, die Nachhaltigkeit der Unternehmen im ETF – all das bewertet die Redaktion. Am Ende stehen Noten. Und an denen können Sie sofort erkennen, ob ein ETF tiefgrün, hellgrün oder doch eher so schwarz wie Kohle und Öl ist.

Details dazu, wie ECOreporter benotet, finden Sie hier. Im Premiumbereich lesen Sie eine Zusammenfassung, welche ETFs bislang noch am besten abgeschnitten haben und können diese per Tabelle vergleichen. 

Außerdem erklärt die Redaktion, warum Nachhaltigkeit in dieser Fondsklasse praktisch nur mit Einschränkungen zu haben ist und worauf Anlegerinnen und Anleger achten sollten.

ETFs – eine kleine Einführung

ETF steht für Exchange-Traded-Fund, auf deutsch: börsengehandelter Fonds. ETFs kauft man also einfach an der Börse, und zwar ohne den bei den meisten Fonds üblichen Ausgabeaufschlag. ETFs investieren in der Regel in einen Aktienindex, beispielsweise in den DAX, den Dow Jones oder einen der mittlerweile tausenden anderen Indizes. Ändert sich der Aktienindex, wechselt computergesteuert die ETF-Zusammensetzung. Also automatisch, ohne Fondsmanager. Das ist billiger. Daher sind ETFs bei der Jahresgebühr meist deutlich günstiger als Fonds.

ETFs sind aber wie normale Fonds auch "Sondervermögen“. Selbst wenn die Investmentgesellschaft pleitegeht, das Geld der Fondsanlegerinnen und -anleger ist geschützt. Allerdings nicht vor Kursverlusten – die können vorkommen. Doch es wird so gut wie nie vorkommen, dass sämtliche Aktien eines ETF wertlos werden.

Echte Aktien oder Luftnummer?

Anlegerinnen und Anleger sollten darauf achten, dass sie in ETFs investieren, die ihren Index wirklich nachbilden und dessen Aktien kaufen. Das nennt sich „physische Replikation“. Es gibt viele andere sogenannte „synthetische“ ETFs, die den Anlegerinnen und Anlegern nur die Wertentwicklung eines Index bieten, aber die Aktien nicht erwerben. Luftnummern also. ECOreporter-Meinung zu dieser Unterart: Finger weg.

ETFs und Indexfonds: ein feiner Unterschied

ETFs werden oft auch als Indexfonds bezeichnet. Ganz gleich sind die beiden Produktarten aber nicht. Denn ETFs kann man zu den Börsenhandelszeiten kaufen und verkaufen, Indexfonds werden gar nicht an einer Börse gehandelt. Wie bei aktiven Anlagefonds kauft oder verkauft man sie nur einmal täglich über den Fondsanbieter – zum sogenannten Nettoinventarwert, also zum Schlusskurs aller Aktien. Positiv: Indexfonds enthalten immer die Aktien selbst, das ist die oben genannte „physische Replikation“.

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